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Madita: Too

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Edita Malovčić (alias Madita) zweites Album – etwas wortspielig too betitelt und mit einem wahrscheinlich sogar wirklich zufällig brutal an Santogold erinnerndem Cover – ist nicht so weit entfernt von ihrem Debut, wie der eigene Pressetext vermuten lies. Wieder von ihrem Freund dZihan smooth produziert, bietet das Album einen gelungenen soften Blend aus Elektronik, Songwriting und Jazzeinflüssen, perfekte Popmusik, die einen Hauch breiter angelegt ist als auf dem Erstling, mich insgesamt aber leider weniger begeistert – man kann eben nur einmal vom ersten Eindruck im Sturm erobert werden, wie es Ceylon es geschafft hat :-D. Too ist eine meisterhaft glatte Produktion, deren synthetischer Funkjazzsoul ohne die sich biegende, schnurrende, windende, wunderbar nöhlende Stimme von Madita vielleicht ehrlich gesagt ein wenig zu kantenlos wirken würde, etwas zu gewollt durch die Genre geht. Noch am ehesten bei Monotony vom ersten Album ankoppelnd, greift too mal eben hier einen Tango oder etwas Bigbandflair ab (Deep Down, Too und You),liefert die unvermeidliche Ballade (Karma, A Walk), stampfend straighte Nummern (Because, Better Brother), oder schrappt auch mal nur knapp an Sophie Ellis Baxtor-Niveau-Konsensdancefloor vorbei (Five). Ganz offensichtlich als Showcase für die Sängerin und ihre tatsächlich vielen Facetten angelegt, fehlt dem Album so das Verspielte, Offene des Debuts. Die Platte wirkt deutlich kalkulierter,deutlich versessener darauf, Madita ins Radio und auf die großen Bühnen zu kriegen und als Diva zu positionieren. Man sieht sie förmlich mit Bläsern und Streichern auf großer Bühne stehen, zumal das Album insgesamt deutlich stärker in die jazzige Ecke driftet als der Vorläufer.  Live dürfte die Sache übrigens wahrscheinlich deutlich mehr Groove und Swing haben als auf der Platte – und die groovt schon erdammt ordentlich, bremst sich aber ab und an durch die zu saubere Produktion, die wenig Raum für Solisten lässt, selbst aus. Madita, nicht umsonst auch Schauspielerin, probiert mit kindlichem Charme die verschiedensten Kostüe an, scheint sich aber im schimmernden Paillettenkleid am wohlsten zu fühlen. Vlado Dzihan sorgt als detailversessener Couturier für einen atemberaubend perfekten Sitz dieses Kleides, jeder Track hat das Zeug zur Auskopplung und überschreitet zugleich Genregrenzen, ohne jemals nicht purer, klarer Pop zu sein.

Dennoch, vielleicht ist too mir zu ambitioniert, nicht so wundervoll relaxt wie Madita, zu konzentriert darauf, Madita (verdient) zum Superstar zu machen, es wirkt etwas besessen, wenn das zweite Album wie ein best aus zehn Jahren Schaffensperiode klingt. Das ganze Ding ist zu bemüht, zu konsens, zu glatt, zu sehr ohne Widersprüche, Kanten. Gerettet, geadelt durch die grandiose Stimmarbeit von Madita – die nun allerdings leider eben keine Jazzdiva ist, sondern eher eine exzellente Popsängerin irgendwo in dem ja nicht kleinen Feld zwischen Björk, Roisin Murphy, Emiliana Torrini und Nelly Furtado -, versucht das Album lobenswerterweise, die Sängerin nicht als normales Pop-Produkt zu verpacken und macht dann paradoxerweise eben genau das – too schrappt verdächtig an Kuschelmusik für die Über-Vierzigjährigen, kommt mit zuviel Schlagobers daher. Einerseits hat sich Madita so vom radiokompatiblen Sound etwas freigeschwommen, einerseits ist es eine makellose, wunderbar selbstverliebte, grandios eingespielte Produktion. Andererseits fehlt ein wenig von der Unschuld des Debuts, von der Offenheit, von der katzenhaften Verspieltheit, vom greifbaren Spaß – too klingt deutlich mehr nach harter Arbeit hinter den chilligen Tracks. Wer das erste Album mag, wird den Nachfolger auf jeden Fall auch lieben und hoffen, dass Madita auf ihrem dritten Album mit etwas weniger Erfolgsdruck wieder mit mehr Freude am Experiment andere Facetten an sich selbst entdeckt und tiefer in ihrem musikalischen Kleiderschrank wühlt.

3. März 2009 10:18 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

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