Frisch auf dem Markt ist ein Buch, das nach der FIFTEEN-Ausstellung nun auch in Printform das Phänomen Fontshop unter die Lupe nimmt. Und weil Jan Middendorp und Erik Spiekermann nicht nur exzellente Buchmacher sind, sondern auch aus erster Hand wissen, wovon sie sprechen, ist das Buch ein faszinierender, mitunter inhaltlich etwas zu nüchtern geratener, dafür gestalterisch umso wilderer Ritt durch die Geschichte der FSI-Foundry, die mit ihren FontFonts seit den späten 80ern eine deutsche Ausnahmeerscheinung war.
Wie fast kein zweiter Schriftanbieter – vielleicht mit Ausnahme von Emigre – hat FSI die digitale Revolution begleitet und mitgestaltet – von experimentellen Fonts wie der FUSE-Serie von Brody und Wozencroft bis zu modernen typographischen Klassikern wie Meta und Thesis, die einige klassische schöne Details der Schriftgestaltung, wie etwa Minuskelziffern, SmallCaps oder Ligaturen wieder im modernen Gewand zurück in Gebrauch brachten. Ob als «Abfallprodukt» der Auftragsarbeiten von Eriks «realem» MetaDesign, wie etwa die Transit oder die Meta selbst, oder später zunehmend als eingereichte Original-Entwürfe: Die Synopse der Arbeit von FSI macht klar, dass Schrift ein Motor von Design ist und enthüllt zugleich überraschenderweise, wie enorm europäisch geprägt die Font-Designs sind, in denen oft niederländisches oder britisches Flair auf deutsche Klarheit trifft. Wenn es so etwas wie ein europäisches Design gibt, manifestiert es sich hier. Rückblickend ist überraschend, wie transeuropäisch die Fontsfonts anmuten und wie oft sie auch einen Hauch ihrer jeweiligen Zeitgeschichte in sich tragen, und das gilt nicht nur für die Ampelmännchen oder die Straßenschildschriften. Neben den zeitloseren «typographic» Schriften gab und gibt es bei FSI immer Schriften, denen man im Rückspiegel anmerkt, wann und warum sie entstanden sind, wie zuletzt etwa Henning Krauses Trivia (die keine echte FSI-Schrift war, sondern vom Distributor Fontshop Deutschland, aber so what…), die die in der Luft liegende Ästhetik der WM zitierte und weiterentwickelte.
Wenn es heute eine Foundry gibt, um die man einfach nicht herumkommt, wenn man zeitgenössisches Grafik Design machen will, wenn es einen Anbieter gibt, dessen Gesamtbibliothek man sich irgendwann zulegen möchte… dann ist das sicher Fontshop International. Und dieses Buch gewährt nicht nur einen wunderschönen Blick auf die Gestaltungsarbeiten mit den weit über 2000 Schriften, die FSI in den letzten eineinhalb Dekaden veröffentlicht hat, sondern wirft auch Streiflichter auf die Entstehung der Schriften. Obwohl auf den ersten Blick kein offensichtliches Must-Have-Buch, ist es ein informativer historischer Rückblick auf einen wichtigen und revolutionären Zeitraum des Kommunikationsdesigns aus der Perspektive des ultimativen Tools der Printkommunikation – der Schrift. Von den wilden Anfängen bis zum heutigen Corporate-Design-forever-Standard. Und allein als solches Zeitbarometer ist Made With FontFont den Preis auf jeden Fall wert ;-D

















11. Dezember 2006 11:32 Uhr. Kategorie Buch, Design. Tag Typographie. 11 Antworten.

dem ist sprachlich nichts mehr hinzuzufügen ;-)
außer vielleicht: gerade deshalb ist es eben ein must-have.
ohne fontfont kein fontomas ;-)
Mist … ich bin vermutlich der einzige Mensch, der mit den FF’s nicht klar kommt (sagt auch unser Schriften-Dozent). Dabei gelten die Fonts als soooo hip. Alle Welt schwärmt von Ole Schäfers Fago und ich finde sie einfach nur fürchterlich: Miserabel zugerichtet, auf 80 T1-Fonts verteilt – ein einziger Albtraum, auf einem halben Meter Schrift-Menü aufgereiht. Wenn ich die Univers als Messlatte ansetze, sehen diese Schriften unter dem Strich nur noch blass aus. Und gar nicht mehr so «hip».
Wie gesagt – ich bin vermutlich der Einzige. Sorry, aber auf die FF-Ode kann ich nicht einsteigen. Was mache ich falsch?
Die Fago ist auch nicht gerade mein Speziallfall, muß ich zugeben, hab sie mir nie zugelegt, obwohl sie als OpenType vielleicht etwas handlicher sein dürfte.
Aber wenn man etwa dynamische moderne Sans-Schriften sucht, kommt man um FSi nicht herum. Ganz abgesehen davon, dass die Foundry einfach wie keine Zweite ein Zeitsymptom darstellt, selbst die Tatsache, daß sie inzwischen etwas konservativ geworden ist und kleinere Foundries den jungen Markt eher bedienen, paßt in dieses Bild.
Danke, HD. Also muss ich meine Meinung doch nicht verstecken. Ich finde die Fonts von http://www.ourtype.be oder Stefan Hattenbach (www.macrhino.com) wesentlich spektakulärer – Klasse statt Masse. Allerdings konnte ich diese Fonts leider noch nicht ausprobieren.
Ourtype mag ich, hab aber den Job dazu noch nicht gefunden. Wobei die Ourtype-Fonts so derart in einer Linie mit FSI stehen… ist ja auch kein Wunder :-D. Bei MRF finde ich es teils zu verspielt, teils mag ich nicht, dass es an OSFs und so etwas mangelt. Es ist ja auch kein «Ich mag X lieber als Y». Alle Foundries sind gut, denn mehr Auswahl ist mehr Auswahl. Aber ich denke, FSi und Emigre gehört in dem digitalen Zeitalter eine besondere Position, so wie anderen Firmen vielleicht in der Zeit des Photosatzes oder wieder anderen in der Zeit des Bleisatzes. Beide waren kommerziell erfolgreiche Pioniere. Man kann sich über die U2 von heute sicher trefflich streiten, aber die historische Position der Band ist eben einzigartig…
Mir gefallen die Sachen von PrimeType auch sehr gut.
Obwohl man da natürlich nicht so die Bandbreite hat.
Aber sehr schöne dynamische Grotesk-Schriften dabei – die sich untereinander aber auch sehr ähneln – haben halt diesen Ole-Schäfer-Style.
Celly – FF Fago is of course but one of nearly 4,000 FontFonts, but I was generally not a fan either. Until I saw it used near the Berlin Wall memorial. I think you’ll find it works quite well there.
I applaud your efforts at sharing what is happening in Europe with the Americans. As a typographer with forty years’ experience I can tell you every definitely that I (we) are interested in what your company is doing.
If you are selling your 352-page hardcover catalog, I would like to order one. Please let me know how much it would cost. I especially am interested in text types with old-style figures and a full set of ligatures that I can use to design books with.
I am, most cordially,
Kris Kleeberg
1280 Wagstaff Road, Nº 2
Paradise, California 95969-2401
(530) 877-7043
P.S. Among other things I have downloaded about 14,000 titles of public domain books from the Gutenberg collection and proofread over 1300 pages from Project Gutengerg and its European counterpart, especially titles in Italian and German, plus book titles from Gutenberg Australia. I have designed 12 books from a New Age author in Arkansas including a three-volume set of interpretation of Nostradamus as interpreted through regressive hypnosis and created a three-volume, cumulative index for the set. My Gutenberg titles I hope to make available in a Mac-friendly environment to schools and libraries across the country at cost plus a 20% royalty to Gutenburg per an agreement with Dr.. Michael Hart, founder and president of the project, who by the way, just passed their 20,000 book count this month!
Hi Kris. Great to hear from another appreciator of book type. You can get a copy of Made with FontFont from FontShop in San Francisco. Give them a call. FontBook might also be helpful to you and your work.
Hey Kris, Made With FontFont is not a book done produced by me or nodesign, it is by Erik Spiekerman and Jan Middendorp and you can get it via Fontshop, as Stephen pointed out. It’s a great book which I recommend warmly. The Fontbook, while compleely different in scope and aim, is a great asset as well and shouldn’t be amiss on any self-respecting type-lovers desk ;-). Plus, give my regards to Fontshop San Francisco, whom I kindly remember from helping out when the very first Open Type Fonts from Adobe weren’t available in Germany and they got ‘em for me. Stephen rocks.