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MacBook Air 13″

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Um es gleich vorweg zu sagen: Der meiste Hype um das Air ist ein bisschen typisches Apple-Marketing. Denn es ist keineswegs so, dass das neue MacBook Air revolutionär ist oder gar von iPad «gelernt» hat. Denn tatsächlich ist das 13″ Modell ein zunächst sehr normales Laptop geworden – und das ist tatsächlich die große Überraschung und die große Stärke des Geräts.

Nachdem ich ursprünglich ein 11″ bestellt hatte, einfach des bestechenden Formfaktors halber, hat mich dann doch die Nachkaufdissonanz gepackt und ich habe auf ein 13″ mit 2,13 Ghz, 4 GB RAM und der 256 GB Flashspeicheroption gewechselt. Denn was hat man von einem kleinen, leichten Notebook, das man dann immer dabei haben kann, das aber mit 800er FSB, weniger L2-Cache, langsameren Prozessor und vor allem eben nur mit 128 GB immer einen faulen Kompromiss abgibt und dessen Bildschirm so schmal ist, dass die meisten Nutzer sich das Dock an die Seite schieben, um ein paar horizontale Pixel zu gewinnen. Es mag sicher sein, dass das 11″ deutlich mehr iPad-Feeling aufkommen lässt, beim 13″ war das gar nicht so.

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vs. iPad
Tatsächlich dürfte es aber auch beim 11″ so sein, dass es (noch) einen großen Unterschied zwischen subkompakten Notebooks und dem iPad gibt. Das iPad ist eine Scheibe die nur aus einem einzigen durchgehenden Touchscreen besteht, über den man alles steuert. Das Air ist ein Notebook, das man aufklappt, das also im Arbeitsmodus doppelt so viel Platz weg nimmt. Das iPad ist drehbar, mit dem Air arbeitet man nicht im Hochformat, man hält es nicht wie ein Buch. Keine Frage: Zum Lesen oder zum Ansehen von Videos, aber auch zum schnellen Surfen, zum Lesen von RSS, Tweets oder Facebook, aber auch für kurze Mails und einen fixen Text, ist das iPad nicht nur ausreichend, sondern wirklich einfach besser. iBooks auf dem Air würde aus meiner Sicht keinen Sinn machen. Das Air mag in Sachen Größe und Gewicht eine Art Brücke zwischen den «normalen» Macs und den mobilen Geräten schließen, in der Art und Weise, wie man damit umgeht und was es kann, ist der Unterschied riesig. Es ersetzt nicht ansatzweise das iPad – so wenig wie das iPad einen iMac vollends ersetzt. Die beiden Geräte ergänzen sich aber bestens, vor allem, wenn man mit Tools wie MobileMe, Dropbox oder Evernote für eine Abstimmung wichtiger Dateien und Daten sorgt. So kann ich einen Text auf dem ipad anfangen, auf dem MacPro recherchieren und weiter schreiben und abends auf dem MBA in Form bringen, ohne Probleme. OmniFocus, GrandTotal und zahlreiche andere Programme sind auf der Workstation und dem mobilen Leichtgewicht identisch und können so leicht bearbeitet werden. Aber im Kern unterstreicht das Air fast eher den noch bestehenden Unterschied zwischen OSX und iOS: An OSX wird gearbeitet, an iOS konsumiert. Du kannst am iPad ein bisschen was gestalten und skizzieren oder schreiben, aber die reine Freude ist es nicht – ebenso wenig ist es denkbar, ein Buch oder Comic am Air zu lesen oder sich einen ganzen Spielen als PDF durchzulesen… alles Dinge, die mit dem iPad bestens funktionieren. Es sind – so ähnlich sie sich architektonisch zu sein scheinen – völlig unterschiedliche Geräte.


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vs. MacBookPro
Und das ist die eigentliche Überraschung. Denn anstatt sozusagen iPad+X zu sein, ein sehr tragbares Gerät, an dem man ab und zu ein wenig ernsthafter Arbeiten kann, entpuppt sich das vollausgestattete 13″-Gerät als echtes Arbeitstier. Obwohl eigentlich als Ergänzung meines zwei Jahre alten MBP 15″ (2,53 Ghz Core2Duo, 4 GB Ram, 350 GB HDD mit 7200 Umdrehungen, GeForce 9600 GT) gedacht, wird es dieses wahrscheinlich komplett ersetzen. Denn obwohl es fast nur halb so viel wiegt und deutlich kleiner/schmaler ist, ist es unterm Strich insgesamt schneller als das MacBook Pro… und das trotz nominell schlechterer Leistungsdaten. Trotz der etwas schlechteren Grafikkarte (das MBA hat nur den Onboard-9400M-Chip von Nvidia) und des langsameren Prozessors macht der Verzicht auf eine normale Festplatte den Start des Laptops und von Applikationen sowie alle Zugriffe auf Festplatten so enorm schnell, dass selbst große iMacs und der MacPro dagegen irgendwie frustrierend langsam wirken. Bei kleineren Programmen wie iCal oder Mail gibt es fast keine Wartezeit mehr und selbst Photoshop CS5 startet so blitzschnell, dass man umso mehr staunt, als dass man wenig erwartet hätte. Von den 256 MB Festplatte sind noch 220 frei, nachdem eigentlich alle wichtigen Werkzeuge des täglichen Gebrauchs installiert sind, inklusive Photoshop (plus Plugins), Indesign, Illustrator, iWork, Lightroom und einiger anderer Programme plus etwa 600 aktive Schriften. Wer mit LogicPro arbeitet, wird an der Festplatte verzweifeln, aber den retten die 100 GB mehr, die das MBP liefert, auch nicht. Während man bei prozessorintensiven Sachen einen Moment länger wartet – wenn etwa Viveza ein Bild verändert – ist der Start der meisten Plug-Ins um ein vielfaches schneller, auch mit Indesign lässt sich völlig problemlos auch mit größeren Dateien arbeiten. Die einfache Tatsache ist: Gefühlt ist der fast 1000 Euro teurere MBP schleppender, nicht nur in Sachen Gewicht. Auch die Akkulaufzeit ist um einiges besser – ich habe das erste Unibody-MBP, also noch mit austauschbarem Akku, die Laufzeit ist also kürzer als bei aktuellen MBPs (die ganz generell mit i7 Prozessoren, SSD-Option und 8 GB RAM dem Air natürlich weit überlegen sind) – aber es ist frappierend, wie viel länger das Air läuft. Wer nur surft, Mail checkt, Termine in iCal plant und etwas schreibt, kommt entspannt auf fünf bis sieben Stunden Laufzeit. Bei Video (HD) geht die Laufzeitanzeige natürlich rapide in Richtung 1:30 bis 2:30, aber auch das ist immer noch ein sehr, sehr guter Wert für so ein kleines Gerät. Das Display ist in Sachen Blickwinkel schlechter als das vom MBP und ich persönlich mag die rahmenlose Vollverglasung ja – aber irgendwo muss man der Tatsache, dass der Displaydeckel am Air gerade mal so dick ist wie drei vier A4-Blätter ja Rechnung tragen. Denn immerhin ist die gesamte Front des geschlossenen Air nur so hoch wie das Display des MBP allein. Kompromisse wie auch die fehlende Tastaturbeleuchtung (man merkt erst wie wichtig sie ist, wenn sie nicht mehr da ist) und die fehlende Fernbedienung (kein IR) muss mann da einfach in Kauf nehmen. Tut man auch gerne – mein MBP braucht etwa 1:30 Minuten vom Einschalten bis zum Booten. Das fast identische Routinen startende Air hingegen keine 20 Sekunden. Obwohl man ein Gerät mit 30 Tagen Standbyzeit ohnehin nicht mehr abschaltet – Deckel zu und fertig, wie beim iPad wird nur noch neugestartet, wenn irgendetwas abgestürzt zu sein scheint.

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Luftiglockerleicht
Ich war bisher nie der Meinung, dass Laptops sich zum mobilen Arbeiten eignen. Das Air dürfte meine Meinung ändern. Es passt bequem, wenn auch nicht nahtlos, in den Taschenbegleiter und ist gefühlt kaum schwerer als das iPad (iPad und eine noch mit drei Batterien bestückte Apple-Tastatur sind faktisch schwerer), es lässt sich fast gedankenlos überall mit hin nehmen. In der Arbeit fällt besonders auf, dass es meistens gar keinen Ton von sich gibt, nur wenn der Prozessor richtig zu arbeiten hat, ist ein Lüfter zu hören, ungewohnt, wenn man das iPad gewohnt ist, aber gegen das Gebläse vom MBP fast unhörbar. Die Wärmeentwicklung vieler Laptops – auch des Macbook Pro – , die ein Arbeiten eben mit dem Gerät auf dem Schoß zum körperlichen Härtetest machten, ist mit dem Air ebenfalls vorbei. Das MBA wird in einem derart geringen Maße warm, dass man ab jetzt im Winter wieder die Heizung andrehen muss. Nahezu aller Nervereien, die ein Laptop normalerweise mit sich bringt, sind hier verschwunden, inklusive der Angst um die Festplatte. Trug man früher das Laptop immer etwas wie ein rohes Ei – die guten Daten!!! – so wird es jetzt entspannt wie das iPad unter den Arm geklemmt oder wie ein Buch herumgetragen… es gibt ja keine Festplatten mehr, die einen Headcrash davontragen könnten. Damit sind übrigens auch die üblichen kleinen Aussetzer wegen des dusseligen Festplatten-Kopf-Schutzes der MacBooks passé. Auch die trotz der unfassbaren Dünnheit des Gerätes hochstabil wirkende Verarbeitung, bei der sich der millimeterdünne Bildschirm kaum biegen lässt, entspannt zusammen mit dem 1,3-Kilo-Gewicht ungemein beim Hantieren mit dem Air. Es ist schwer zu erklären, aber du fasst es einfach nicht mehr an wie ein Notebook, sondern eher wie ein Notizbuch. Und das ist eine gute Sache. Der Verzicht auf ein DVD/CD-Laufwerk ist aus meiner Sicht keine große Sache, sondern eher überfällig – zum einen kann jedes im Netzwerk verfügbare Mac-Laufwerk für das Air freigegeben werden, zum anderen nutze ich kaum noch CDs. Der Abschied in iTunes vom CD-Logo, die Einführung von MobileMe und AppStore macht auch deutlich, dass Apple sich generell zunehmend (und zu Recht) von den Silberscheiben als Datenträgern verabschieden wird. Selbst der beigefügte USB-Stick wirkt ja irgendwie bereits altbacken. Selbst der SD-Slot wirkt überflüssig, dürfte für viele Nutzer mit kompakten Digitalkameras und ohne Eye-Fi-unterwegs sicherlich sinnvoll sein.

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Zubehör
Aber ganz ohne Zubehör geht es natürlich nicht. Empfehlenswert, neben einer MagicMouse, ist sicherlich eine externe Festplatte, die TimeMachine-Backups kann, eventuell eine Carbon-Copy-Spiegelung zulässt und trotzdem noch etwas Platz für zusätzliche Daten liefert. Die Freecom XXS 1 TB beispielsweise passt vom Formfaktor her perfekt zum Air. Wer nicht wie ich ein Datensicherheitsfanatiker ist und schon 700 GB allein für Backups verplant, ist mit 1 TB mobiler Daten im Format 109.8 x 79.5 x 13.5 mm bestens bedient, auch wenn 2,5″-Festplatten natürlich nicht sonderlich rasant sind. Wobei es nur eine Frage der Zeit ist, bis die derzeit noch unfassbar teuren 1TB-SSDs massenmarkttauglich und bezahlbar werden. Sieht man ja jetzt schon am Preis des Air-Flashspeichers im Vergleich zur früheren SSD-Option der Vorgänger.

Leider hat Apple dem Air (noch) keine 3G-Option angedeihen lassen, was mir reichlich unverständlich ist, da die Technik ja sogar im iPad vorhanden ist. Bis es soweit ist, hilft ein mobiles Funk-WLAN, wie etwa das MiFI oder das Huawei E5. Die etwa iPhone-großen Geräte nehmen zB die Zweitkarte der Telekom zum iPhone auf, brauchen nahezu keinerlei Einstellung und erzeugen ein Miniatur-WLAN für bis zu 5 Endgeräte. Der Akku hält 5 Stunden, Stromversorgung geht aber auch via USB. Wer nicht ohnehin durch einen Jailbreak (oder ein Tethering-Angebot seines Mobilfunkanbieters) sein iPhone zum WLAN-Funknetz-Spender umfunktioniert hat, ist mit einem E5 bestens bedient, einfach kann man kaum noch mobil ins Web. Selbst ein Web’n'Walk-Stick wirkt dagegen kompliziert.

Den Bassjump habe ich ja bereits vorgestellt – wer am Air Musik hören will, kommt nicht mehr drum herum, die verbauten Lautsprecher sind zwar laut, aber Bass findet einfach nicht statt. Mit dem Bassjump klingt das Air aber ausgezeichnet und steht dem MBP in Sachen Sound nichts nach. Dass der Subwoofer dabei allerdings selbst halb so viel wiegt wie das gesamte Air (0,64 kg), muss man dabei leider in Kauf nehmen. Natürlich ziehen Zubehör wie E5 (sofern am USB-Port angeschlossen) und der Subwoofer den Akku des Air schneller leer – aber eine handlichere Klanglösung als den Bassjump, der keine Stromversorgung, keine Kabel außer eben dem einem USB-Kabel braucht, wird man so schnell nicht finden.

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Fazit
Man darf sich nichts vormachen – der erste Air von Apple war ein Spielzeug, mit absurd kurzer Akkulaufzeit, seltsamen Hardware-Sonderlösungen wie der USB-Schublade, kaum Leistung und einem unfassbaren Preis. Der neue Air ist dagegen ein sehr normales Notebook, vielleicht sogar tatsächlich Vorläufer einer Generation hochintegrierter Notebooks, die immer leichter und mobiler werden und bei denen die Größe eigentlich nur noch von Faktoren wie Akkus, Bildschirm und einer normalgroßen Tastatur abhängt, deren Speicher und Prozessoren aber verschwindend klein geworden sind. Das Air macht begreifbar, welchen Weg Apple in den kommenden Jahren gehen wird, um die iOS-Geräte und die «normalen» Macs näher zusammen zu kriegen. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich ein Hybrid-Betriebssystem vorzustellen, das nahezu identisch die Grenzen zwischen Mobilgeräten und «Desktop» endgültig auflöst. Es ist fast bewundernswert, mit welcher stoischer Ruhe Apple diesen Weg vorbereitet und durch diese Scheibchen-Taktik Usern wie vor allem aber auch Entwicklern die Chance gibt, einen wahren Kulturschock langsam und peu à peu mitzumachen. Es ist ebenso bemerkenswert, wie wichtig Anbieter wie Dropbox bei dieser Strategie sind – Dropbox ist für fast jede iPad-Applikation inzwischen zum Quasistandard geworden, oft vor Mobileme -, insofern bin ich gespannt, wie Apple darauf reagieren wird, indem es entweder Dropbox kauft oder MobileMe ordentlich ausbaut (iOS 4.2 deutet ja bereits auf letzteres hin). Der Air ist kein Kompromiss-Spielzeug mehr, sondern ein atemberaubend leichtes Gerät, dass fast 1:1 den Highend-Leistungsstand von vor etwa 24 Monaten erreicht hat oder diesen sogar schlägt. Wer also keine vier Kerne in seinem Mobilrechner braucht (und ich finde immer noch, 3D und echt massiver Filmschnitt gehören doch noch auf den Schreibtisch, einstweilen) – der ist mit dem Air für alle Anforderungen gewachsen, für zuvor ein Unibody-MacBookPro 5.1 von Ende 2008 nötig war. Ohne jede Abstriche. Keine Frage, ein 7,1er Modell von Mitte 2010 ist diesem Standard wieder deutlich voraus – aber das 17″ wiegt eben auch 3 Kilo, selbst das deutlich leistungsschwächere 13″ noch 2 Kilo. Insofern ist das Air das erste ultramobile Notebook, mit dem sich richtig seriös arbeiten lässt, und an dem eben diese Arbeit deutlich mehr Spaß macht als an jedem anderen MacBook zuvor. Es ist so gut, dass man fast unweigerlich eine lange Wunschliste im Kopf hat – längere Akkulaufzeit, abnehmbares und als eine Touchscreen ohne Tastatur nutzbares Display mit eigenem Akku -, vor allem aber ist bemerkenswert, dass eine Hardware, die man eigentlich für mobile Präsentationen und vielleicht Mail eingeplant hatte sich als stark genug entpuppt, um auch die Creative Suite und Lightroom problemlos zu nutzen. Das Air ist ein Notebook, das man unterschätzen will, weil es so klein und zierlich wirkt, und das einen dann um so mehr positiv überrascht. Und das hat man heutezutage ja selten genug.

8. November 2010 21:29 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . 19 Antworten.

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