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M.I.A.: Maya

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Es ist so leicht. M.I.A. nicht zu mögen. Die aufgesetzten Botschaften, die Attitude, der ganze Raggamuffin-Industrial-Sound, das ganze Globalisierungsthema. Dennoch ist ihr drittes Album ihr bisher bestes. Und das nicht nur, weil sie die Leute mit dem poppigen XXXO – ein Track, der genau das ist, wogegen er protestiert – in ein Album zieht, das alles andere als leicht konsumierbar ist. XXXO ist wirklich das Hugs-and-Kisses-Ding, eine federleichte Radionummer, die den M.I.A.-Fan eher irritieren dürfte, den beiläufigen Käufer aber vielleicht dazu verführt, ein Album zu kaufen, das ambitionierter kaum sein könnte. Es ist nicht schwer, die Flut digitaler Information unseres Zeitalter hier musikalisch widergespiegelt zu sehen – wie eine Lawine kommt diese Musik auf dich zu und überrollt, überfordert dich, bis an den Rand mit kleinsten Details vollgestopft, sexy und herausragend und zugleich auch anstrengend und schmerzhaft. Es ist die gleiche Sorte Schmerz/Lust in dieser Musik, die man vielleicht von Mark Stewart und seiner Maffia kennt oder von manchen Arbeiten von Adrian Sherwood, oder auch von frühen Thrash-Metal-Tracks. Es ist eine moderne Verkörperung von adoleszenter Wut, mit Distortion auf nahezu jedem Instrument, mit einem digital-native-Sound, einem modernen Ghetto-Sound aus dem Laptop, der ohne Rücksicht auf Regeln primitive und zugleich hypnotische Musik hervorbringt. Unter dem Wust elektronischer Bässe und Sounds, nervöser Samples und hektischer Drumbeats ist es mitunter schwer, die Musikerin wahrzunehmen, die nicht selten gegen die Kakophonie anzuschreien scheint, die so irritierend und «too much» ist wie das Artwork des Albums.

Es ist bemerkenswert, einerseits eine so süßliche Pophymne wie XXXO abzuliefern und andererseits ein so sperriges Album dagegenzustellen, dass keinerlei Mainstream-Appeal haben dürfte und die schon nicht eingängigen ersten beiden Platten der Künstlerin in Sachen Härte und Sperrigkeit problemlos in den Schatten stellt. Maya ist ein smartes, witziges, böses Album, das scheinbar mühelos die verschiedensten musikalischen Einflüsse durch die digitale Wurstmaschine dreht und einen seltsam ortlosen Globalista-Beat daraus macht, eine Weltmusik, die keine Welt mehr braucht und insofern natürlich der ideale Kommentar zu einer Welt ist, in der indische Gesangsstrukturen, amerikanischer Hiphop, europäischer Techno-Industrial, Breakbeat, japanischer Cheesepop und Ragga problemlos zu einer Suppe zu verrühren sind, die am Ende auch noch gut schmeckt. «Maya» ist ein dystopischer Soundtrack zur ausklingenden Dekade, eine schleifende, zersetzende, eitle, größenwahnsinnige und ganz wunderbare Einspielung, das Monument einer geschrumpften Welt, die bedrohlich und überwältigend wirkt, voller Sounds, Sirenen, Maschinen, Explosionen – eben der Welt, die uns jeden Tag umgibt.

4. Januar 2011 11:38 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

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