
Immer noch bei den Alben aus 2008, gotta be faster… Das Debutalbum der Schwedin Lykke Li ist völlig zu Recht einer der großen Erfolge des letzten Jahres geworden, und nicht ganz ohne Grund ist sie auch auf dem neuen Royksopp-Album vertreten, neben den beiden anderen Star-Vokalistinnen Robyn und Karin Dreijer Andersson. Li fällt in das inzwischen unübersichtlich groß gewordene Feld von etwas ätherischem NuFolk-Sängerinnen, die mit simplen akustischen und elektronischen Sounds und einen oft eher fragilen Gesang auffallen. Früher waren Sängerinnen wie Stine Nordenham fast die Ausnahme, heute kannst du jede Woche drei Alben dieser Sorte kaufen. Youth Novels gehört in dieser Sparte aber zum einen Dank der spannenden Produktion (Peter von Peter Björn & John), zum anderen weil die Musik sich zwar sicher in der von Feist&Co (ein Vergleich, der sich aufdrängt, wenn man einen Track Let it Fall nennt…) geprägten Ecke verorten lässt, aber durchaus ordentlich eigenständig ist. Die Tracks des Albums sind hoch unterschiedlich, vom zirpendblubbernden Melodies&Desires zum stampfenden I’m Good I’m Gone, aber dennoch im Arrangement ausreichend gestrafft, um aus einem Guß zu wirken. Li Lykke Timotej Zachrisson hat diese typische unschuldige, helle skandinavische Gesangsstimme, der man sich schwer entziehen kann, egal ob sie nun von Anna Ternheim oder Kristín Anna Valtysdóttir kommt – was einerseits Falle ist, weil es einige Tracks eben doch sehr verwechselbar mit anderen Acts macht, zum anderen aber auch das Album zusammenhält, während die Musik sich im Hintergrund an Ballade (Tonight, My Love), dezentem Dancefloor (Complaint Department, Breaking it up) oder Folkblueselementen (Window Blues) versucht. Obwohl die Platte generell schon sehr eindeutig in die melancholische Richtung geht und obwohl sie sehr eindeutig an andere Sängerinnen erinnert – intensivst etwa auch an die schwedische Kollegin Sarah Assbring von El Perro des Mar – ist sie ausdrucksstark und experimentell genug, um nicht berechenbar oder langweilig oder völlig introspektiv im Sumpf der Bauchnabelbetrachtung unterzugehen und vielseitiger als manche andere Sängerinnen ähnlicher Bauart. Lykke Li fehlt zwar die Laszivität von Robyn oder die psychotische Energie einer Karin Dreijer Andersson, ihre eher niedliche Kleinmädchenstimme ist weniger markant, weniger individuell, so dass der Hype um Youth Novels nicht völlig gerechtfertigt ist – aber es ist allemal ein Album, dass seinen Preis wert ist, zumal die Deluxe Version drei Remixe mit in den Ring wirft.
29. März 2009 08:47 Uhr. Kategorie Musik. Tag Alternative, Pop. Keine Antwort.