HD Schellnack /// Kontakt iPhoto Twitter s90 Typographie Pop Alternative Aktionen nodesign Apple Licht Photographie Fail Denken Natur Dayshot Fragen Belletristik Software Winter Studium Medien Vernacular Fun Comics Werbung iOS Farbe Gesellschaft Print Web ScienceFiction Electronic Zukunft Magazine Frühling Jazz Hardware Kitsch Drama Retro Klassik Sommer Zitat Herbst Fantasy Sachbuch Kunst Emma Organisation Kultur

LOU RHODES: BELOVED ONE

A wise an said to me: Don’t underrate simplicity. Die ersten Zeilen des Soloalbums Beloved One der Ex-Lamb-Vokalistin Louise Rhodes sind zugleich offensichtlich das spirituelle Motto ihrer neuen Songs. Nach der Trennung von ihrem Mann, ihrer ehemaligen Band und damit dem Erfolg von Lamb hat sich Lou offensichtlich auf die einfachen Dinge im Leben konzentriert und kehrt zu ihren Hippie-Wurzeln zurück. Die ätherische TripHop-Fee präsentiert sich als gereifte Frau, die ihre Erfahrungen und Hoffnungen in fast anorektisch magere Songs packt. Gitarre, ein absolutes Minimum an Percussion, Streicher (beigesteuert von von Chi2Strings, die auch schon auf Between Darkness and Wonder vertreten waren) und natürlich Rhodes markante Stimme, mehr braucht es nicht mehr. Drumcomputer, Samples, Basslines, Orchesterarrangements und Andy Barlows markante Percussionorgien sind verschwunden.

Es ist fast seltsam, auf wie breiter Front derzeit dieser «pure» Folksound in die Musik zurückkehrt – daß unter anderem ja auch Beth Gibbons von Portishead und Emiliana Torrini auf ihren aktuellen Alben nicht mehr auf Samples, sondern auf etwas Gitarre, etwas Streicher und ihre Stimme vertraut. Vielleicht findet hier eine neue Verletzlichkeit, eine neue Verinnerlichung Ausdruck, eine Art musikalisches Cocooning. Musik in Zeiten des Krieges, zurück zur Poesiestunde mit Akustikgitarre am Lagerfeuer. Erstaunlich viele weibliche Acts klingen heute ähnlich verinnerlicht klingen wie Suzanne Vega zu Beginn ihrer Karriere.

Und obwohl auf Beloved One mit dem oberflächlich radikalen Soundwechsel scheinbar so vieles anders ist als bei Lamb, schließen die Melodien und die ausdrucksstarken Vokalriffs von Louise doch nahtlos da an, wo die Band aus Manchester am Ende der Entwicklung von Drum’nBass-Crossover zu Melncholiepop aufgehörte: dicker Pathos, großes Gefühl, sperrige Emotion. Nur hier eben ohne dick, sperrig und groß, sondern alles etwas enger, näher, kleiner. Beloved One hört sich insofern nicht ohne Grund an wie Lamb unplugged. In der Kammermusikgeste findet Rhodes ihren eigenen Stil, unterproduziert, bewußt ganz weit entfernt von Barlows Mischpultakrobatik, aber kaum weniger mit großer Geste geschrieben als ihre Songs bei Lamb.

Ihre Stimme ist einen Hauch rauher geworden, kratziger, eben auch näher und authentischer. Delay und Hall wie noch bei Gorecki sind hier undenkbar, die Stimme versteckt sich nicht mehr hinter Echoeffekten. Lediglich auf Why, einem noch zu Lamb-Zeiten gemeinsam mit der Band geschriebenen Song, findet Rhodes zu offenen lauteren Gesang zurück. Ansonsten hat diese neue Inkarnation auch eine neue Stimmlage, die ernster ist, lässiger, vertrauensvoller. Vielleicht, weil sie nicht mehr gegen Maschinenpark und Orchester durchdringen muss.

Mutig von Lou Rhodes, aus einer zunehmend kommerziell erfolgreichen Band auszusteigen und dann – anders als viele andere Sänger auf Solopfaden – derart unkommerzieller zu werden und sich wahrscheinlich konsequent von den Hitparaden zu verabschieden. Ich hoffe, ein sicher erreichbares Potential von Lamb-Fans und Freunden ihrer neuen Musik wird trotzdem Beloved One kaufen und ihr den verdienten Erfolg bescheren.

Beloved One ist eine spirituelle, federleichte Platte, weniger pathetisch als man es von Lamb kennt. Den Stücken wohnt eine gebremste Kraft inne, fast würde man sich oft mehr Instrumentierung wünschen – es ist befreiend, wenn auf Why endlich endlich einmal etwas Schlagzeug kommt -, aber Rhodes stellt hier beeindruckend unter Beweis, dass Andy für Rhythmus und Druck, Komplexität und Partyfeeling bei Lamb verantwortlich war, sie aber für die Seele. Und die ist auf dieser Platte reichlich vorhanden.

6. Oktober 2006 13:02 Uhr. Kategorie Musik. Eine Antwort.

1 Antwort

Antworten

Schreibe eine Antwort, oder hinterlasse einen Trackback von deiner Site. Antworten abonnieren.


Creative Commons Licence