HD Schellnack /// Kontakt Twitter iPhoto pointandshoot Typographie Alternative Pop Licht nodesign Aktionen Zitat Natur Photographie Denken Fail ScienceFiction Apple Studium Belletristik Comics Dayshot Vernacular Scratchbook Werbung Fragen Winter Software Medien Fun Retro Gesellschaft Farbe Print Electronic Magazine iOS Zukunft Web Drama Frühling Jazz Sommer Kitsch Kunst Sachbuch Hardware Fantasy Klassik Herbst Thriller Emma

Long Time no see: Someone’s watching me

hd schellnack

Erst in der Mitte dieses Films ist mir aufgefallen, dass ich ihn schon kenne. Er muss irgendwann in grauer Vorzeit als Fernsehfilm gelaufen sein, ich habe ihn als Kind gesehen. Tatsächlich von John Carpenter 1978 fürs Fernsehen geschrieben und gedreht, folgt dem minimaoistischen «Assault on Precinct 13» und ist fast zeitgleich mit der Produktion des Klassikers «Halloween» entstanden. Obwohl er viele für Carpenter typische Nuancen hat, ist es merklich ein Made-for-TV-Streifen, spürbar inspiriert von «Psycho», «Rosemary’s Baby», «Rear Window»/«Vertigo» und vielen anderen Vorbildern und auch wirklich sichtbar extrem low-budget. Die Handlung ist nahezu absurd dumm, die Nebenrollen völlig blutarm, das Produktionsbudget bestenfalls auf dem Niveau einer Laienspielschar – und dennoch macht vor allem der Beginn des Films Spaß, weil Carpenter selbst unter diesen Bedingungen (und ohne selbst die Musik beizusteuern, was atmosphärisch wirklich immer schade ist) einen schleichenden urbanen Horror entfalten kann, der gerade durch die Unwirklichkeit der vergleichsweise lächerlich wirkenden Bedrohung effektiv wirkt. Wie in einer Art Masterclass kann man hier zusehen, wie Carpenter sich von der Hitchcock-Kopie zu einem eigenen Stil herantastet und entdeckt dabei viele Elemente, die später zu festen Eckpfeilern seiner Arbeit wurden. Herausragend an dem Film ist aber vor allem Lauren Hutton als taffe Fernsehproduzentin Leigh, die vor einer verkorksten Beziehung nach LA flüchtet. Hutton präsentiert die Figur zu keinem Moment als schwaches Frauenklischee, sondern ist – selbst im Kontext eines Carpenter-Films, der zu starken Frauenrollen tendiert – zynisch, humorvoll, selbstbewusst, sexy (soweit im TV möglich) und im großen und ganzen meist in control of the situation, was ihren langsamen Nervenzusammenbruch umso glaubhafter und schwieriger macht. Hutton dominiert diesen Film so sehr, dass nicht nur die Nebenfiguren, inklusive der männlichen Hauptrolle, sondern auch der Antagonist völlig unwichtig erscheinen, die wahre Freude entfaltet «Someone’s watching me» dabei, diesem Supermodel beim gekonnten und lässigen Agieren vor der Kamera zuzusehen und das 70s-Flair des Films zu genießen. Die Mode, die Wohnungseinrichtung, das urbane Umfeld – von Finchers Zodiac nur noch imitiert und hier eben echt -, und eine Darstellerin, die so extravagant, mitreißend und cool ist, dass man sich fragt, wieso Faye Dunaway eigentlich so groß geworden ist und Huttons Kinokarriere eher C-Level hatte. Wie so oft bei relativ schlechten Filmen kann man sich herausragend auf Subtext und Details konzentrieren und die Nuggets im Schlamm entdecken – dieser «verlorene» Carpenter jedenfalls ist in genau diesem Sinne ein großartiger B-Movie.

31. August 2012 17:06 Uhr. Kategorie Film. Tag .
Keine Antwort.

«
»

Antworten

Schreibe eine Antwort, oder hinterlasse einen Trackback von deiner Site. Antworten abonnieren.


Creative Commons Licence