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Long time no see: Alien

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Alien gehört zu den vielleicht letzten wirklichen SF-Filmen bevor Star Wars diesem Genre für lange, lange Zeit das Wasser abgrub und es auf die Weltraum-Fantasy-Schiefbahn lenkte. Anders als viele andere 70s-SF-Filme ist Alien nicht besonders soziopsychologisch angehaucht, sondern eher in der Tradition der Horrorfilme dieses Jahrzehnts. Alien ist ein wunderbarer Genre-Clash, mit Elementen von Slasherfilmen, SF, aber auch Western, die Trucker-Filmchen der späten 70s und natürlich klassische Action-Thriller. Alien versetzt den BodyHorror von David Cronenberg aus «Rabid» und «The Brood» ins Weltall und wird mehr durch glückliche Fügung zu einem der wegweisendsten psychologischen Filme seines Jahrzehnts. Wie fast alle Filme der Alien-Serie ja sozusagen fast unfreiwillig zu Zeitsymptomen wurden, greift Ridley Scott vielleicht unbewusst nicht nur den Feminismus der 70er und die Reste der Angst vor Strahlenkrankheit, Genmutation und Krebs auf, sondern schafft mit H.R. Gigers übersexualisierten Entwürfen einen Film, der mit Freudscher Symbolik förmlich überfrachtet ist. Wenige Filme schaffen so elegant die Balance zwischen einem geradlinigen Horrorfilm, in dem die Opfer wie im Abzählreim plotgerecht sterben müssen und einer vagen, latenten Stimmung irgendwo zwischen Lovecraft und Kafka, die niemals aufgelöst, niemals erklärt wird und genau deshalb zeitlos wirksam bleibt. Von der gesichtslosen «Company», einem eiskalten Computersystem namens «Mother», dem Super-Ego-Androiden Ash, bis hin zu einem sich ständig evolutionär anpassenden Id-Biomechanismus, der ultimativen Überlebensmaschine und seiner androgynen Gegenspielerin – selten hat ein kommerziell so erfolgreicher Film über die Jahrzehnte so seine Ambiguität und Traumartigkeit bewahrt. Die langgezogenen Kamerafahrten, die primitiven Zukunftstechnologien, die so abseits des «Star Trek»-Glamours waren und genau dadurch glaubhafter durch die letzten drei Dekaden gealtert sind, die fast minimaoistischen Darstellerleistungen, die wunderbar billigen und deshalb im Sinne von Jack Arnold und Roger Corben eben phantasievollen Trickeffekte, die großartigen Sound- und Musikleistungen sowie die Liebe in nahezu jedem Detail des Filmes schaffen eine Atmosphäre, die noch heute auf der großen Leinwand wirkt. Heute wäre eine Szene wie das Finale von «Alien», in dem Spannung durch Ruhe, durch Stille, durch das langsame Einsteigen Ripleys in den Raumanzug entsteht, wahrscheinlich undenkbar – Scott beweist, dass die Abwesenheit von Action der wahre Adrenalin-Rush sein kann. Mit «Alien» ging eine Epoche von SF zu Ende, das der kleinen, trashigen aber liebevollen Filme und ein anderes Zeitalter, passenderweise von «Aliens» mit-eingeläutet, begann, das der mit großem Budget als Effekt-Schauwerk realisierten Actionstreifen. Ein Zeitalter, in das ironischerweise auch Prometheus fällt – und das, obwohl es heute längst wieder Filme gibt, die da weitermachen wo Alien einst aufgehört hat… mit wenig Geld und viel Herz.

4. September 2012 19:43 Uhr. Kategorie Film. Tag .
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