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LOGITECH MX REVOLUTION

Ich liebe Logitech. Im Grunde ist Logitech einer der Gründe, warum ich mich in den Neunzigern für den Umstieg auf das PC-System entschied, denn die ersten kabellosen Logi-Mäuse waren der eintastigen Mac-Mouse so weit voraus, dass einem die Worte fehlten. Bis heute hinkt Mac in diesem Feld Logitech weit hinterher und die Firma ist längst konkurrenzlos der Innovator, wenn es um funktionale und schicke Eingabegeräte für Computer geht. Und dennoch bleibt Logi nicht stehen, sondern versucht stets, der Menge an Me-too-Produzenten eine Nasenlänge vorwegzusein. Mehrtastenmäuse, Bluetooth-Integration, Scrollwheel, Logi war immer vorneweg. Während alle noch mit Gummibällen operierten, stieg Logi auf LED-Technologie um, jetzt, da nahezu jede Maus LED-basiert ist, kommen sie mit Laser-Abtastern. Und wie immer müssen wir Early Adaptors die Kinderkrankheiten des Systems mittragen. Die neue Logitech MX Revolution ist das neue Flaggschiff der Marke, eine kabellose Lasermaus mit einigen interessanten Features und einigen interessanten Schwächen. Ist die MX Revolution wirklich die fortschrittlichste Maus der Welt, wie Logi wirbt? ist sie wirklich so schlecht wie in vielen Tests in Foren zu lesen ist? Hier ein kleiner Review….

Die entscheidende Verbesserung gegenüber jeder bisherigen Mouse am Markt ist das neue Scrollwheel. Nicht nur ist es deutlich edler, aus Metall gefertigt, mit einem hochangenehmen Gewicht am Finger, sondern es ist manuell und automatisch entkoppelbar, so dass man es nur antippt und es dreht selbsttätig weiter. Scrollen war noch nie so schön. Das klingt zunächst banal, ist es aber nicht. Wer nur einen Tag mit diesem Wheel arbeitet und danach an eine normale Wheelmouse zurückgeht, wird bald wahnsinnig über das schleppende, unintuitive Scrollen. Ganz zu schweigen von den armen Menschen, die ohne Scrollwheel leben müssen. Großartige Innovation, kleine Ursache, große Wirkung. Nach etwas Eingewöhnung und Tuning in der Setpoint-Software funktioniert die Sache tadellos, als hätte es nie etwas anderes gegeben. Die MicroGear-Technologie mit dem freilaufenden Rad ist etwas, auf das man sehr schnell nicht mehr verzichten will. Solche kleinen, ergonomischen ablativen Sprünge sind es, die Logitech zum Marktführer machen.

Ein zweites Scrollrad am Daumen dient dem Taskswitch zwischen Applikationen. Leider ist das Rad kein echtes Rad, sondern eher ein Schiebemechanismus, der nach oben oder unten klicken kann. Ein echtes, also durchdrehendes, Rad, wäre hier einfach schöner, die jetzige Lösung fühlt sich noch unsportiv an, ist aber sicher ein kleiner Fortschritt zu bisherigen Taskswitch-Mouse-Lösungen. Um das Rad herum ist der Daumen auf schwarzem Gummi gebettet, von dem ich hoffe, daß es sich nicht so schnell abrubbelt wie bei einigen Logimäusen vor drei, vier Jahren. Die Formung der Mouse, obwohl klobiger wirkend als die letzten MX-Modelle, ist superb, die Mouse liegt mit dem richtigen Gewicht makellos und ergonomisch in der Hand. Wo sich die MacMightyMouse anfühlt wie ein zu kleines Stück Seife ohne Kontur, ohne «Hand»-Gefühl, ist die MX Revolution das, was eine Maus sein sollte: eine nahtlose natürliche Extension des Körpers, echtes TechGear. Die ZURÜCK-Taste ist leider nicht so groß und sanft ansprechend wie bei meiner alten MX900, die kleinere Taste verlangt schon einen entschlossenen Daumendruck, um zu reagieren. Ich fand auch durchaus gelungen, die Zurück-taste, die man einfach häufiger einsetzt, einen Tick größer zu machen. Hier ist die Back-Taste immer noch einen Hauch länger, aber lange nicht mehr so ergonomisch wie zuvor. Aber gut, das ist Kleinkrämerei von mir :-D.

Der Laser. Hätte ich drauf verzichten können, liebe Logis. Nicht nur, weil die Auflösung des Lasers gefühlt weniger fein reagiert als die der LED-Mouse (trotz runder 800 dpi Auflösung), sondern auch, weil er abstruserweise NOCH sensibler auf Untergründe reagiert als meine LED-Mäuse. Ich bin sicher, da wird die Zukunft noch einiges bringen, aber derzeit verstehe ich Laser einfach nicht. Zu hoher Stromverbrauch, zu wenig Auflösung, zu unsicher. Ich weiß nicht, ob es am Laser liegt oder an der Verbindung zwischen der Mouse und dem USB-Stick, der als Empfänger dient (und der absolut problemfrei installierbar war, allerdings eben einen eigenen USB-Port belegt, normales Bluetooth wäre vielleicht praktischer gewesen…), aber es gibt mehr oder minder spürbare Aussetzer bei der Maus. Die Feinpositionierung ist gegenüber meiner alten Maus etwas ruckeliger und als der USB-Stick an der Rechnerrückseite unter dem Schreibtisch steckte, war die Mouse fast nicht in Betrieb zu nehmen. Das sollte man GANZ schnell fixen, Logi. Empfangsstörungen scheinen sich bei Logi zu häufen, der Laser-Desktop diNovo hatte bereits ein ähnliches Problem. Ich hoffe, es ist jetzt einigermaßen aus der Welt, aber eine Entfernung von nicht einmal einen Meter sollte keinen Empfang beeinträchtigen dürfen. Zumal die 2,4 Ghz-Technologie eigentlich sichere und weitere Reichweite gewährleisten sollte.


Ob Bonus oder Manko, wird die Zeit zeigen. Die MX Revolution hat einen eigenen Lithium-Ionen-Akku. Der ist natürlich effizienter als zwei oder vier normale wiederaufladbare AA-Akkubatterien, aber er ist eben auch fest eingebaut. Wenn man also mal vergisst, die Maus aufzuladen, wird das schnell böse enden, befürchte ich. Auch darf man die Maus wegwerfen, wenn der Akku durchgenudelt ist. Was mir recht egal ist, da ohnehin alle ein oder zwei Jahre eine neue Maus fällig ist, aber viele User abschrecken dürfte. Die Maus schaltet sich zwecks Energiesparen nach zehn Sekunden Nichtnutzung automatisch ab, ist aber sofort wieder startklar, die sanft einblendende LED-Kette der Batterie signalisiert die Funktionsbereitschaft elegant. Die LEDs zeigen zudem klar den aktuellen Ladezustand an. Die Ladestation selbst ist eine kleine, elegante Lösung. Nur leider sehen solche Stationen auf dem Schreibtisch immer schrecklich aus, wegen der beigefügten Kabel. Wenn Logi – und anderen Anbieter von Ladestationen für den Desktop  – wenigstens einmal attraktive Kabel , etwa transparente, nutzen würden… seufz. Ich bin so oder so kein Freund festverbauter Akkulösungen und gespannt, wie sich das in der Praxis bewähren wird. Li-Ion ist sicher ein Vorteil, aber Wechselakkus, die man in der Ladeschale einfach vorladen kann wären mehr als sinnvoll gewesen. So kann man einen beruhigt leerziehen und dann wieder ganz aufladen. Das Logo ist übrigens wieder siebgedruckt – wer Logi kennt, weiß, dass es binnen sechs Monaten von der Transpiraton der Hand aufgelöst sein wird. Ich würde mich freuen, wenn Logitech an solchen kleinen Details etwas verbessern könnte.

Die zusätzliche Mitteltaste dient eigentlich als Suchfunktion, mit deren Hilfe man ein beliebiges Wort markieren kann und dann – etwa via Google – den Begriff sucht. ich selbst habe sie mir als Doppelklick belegt, das ist im Alltag für mich sinnvoller. Zudem bietet die Maus die üblichen Vor- und Zurücktasten fürs Web und das 4-Wege-Scrollwheel ist für horizontales Scrollen in beide Richtungen wippbar. Die Vielzahl an Knöpfen klingt komplex, ist aber in der Praxis einfach zu bewältigen – vielleicht auch nur, weil ich seit 16 Jahren an Logi gewöhnt bin :-D. Was seltsamerweise fehlt, sind die LEDs für Mail und IM-Benachrichtigungen, mit denen die M610 aufwartet. Auf die man aber auch getrost verzichten kann, wie ich finde. Wer schaut schon auf seine Maus, um festzustellen, dass ihn jemand via ICQ anfunkt?  Tatsächlich hätte man in dem schwarzen Acryl-Block, in den die LEDs unsichtbar eingebettet sind, so dass man sie nur sieht, wenn die Maus aktiv ist, sicherlich noch einiges an Info-Funktionalität einbauen können. Kommt vielleicht noch.

Unterm Strich ist die MX Revolution sicherlich der Stand der Dinge in Sachen Mouse. Und wie jedes Early-Adaptor-Gerät verlangt sie dem User einiges ab, weil die Technologie einfach noch nicht 200%ig ausgereift ist und man das Gute mit dem Schlechten nehmen muß. Das MicroGear-Scrollwheel ist eine reine Offenbarung, die Ergonomie ist unübertroffen. Zu Arbeiten ist an der Präzision des Lasers und an einer reibungslosen Funkverbindung, beides witzigerweise Sachen, mit denen ich bei älteren Logimodellen (wie etwa dem ersten diNovo-Desktop) keine Probleme hatte, das scheinen Sachen zu sein, die erst mit dem Schritt zur Lasermaus aufkommen. Wäre schön, wenn die Schweizer da möglichst schnell nachbessern könnten. In den letzten Jahren leidet der Ruf der Marke etwas unter dem schwächelnden Support und der eher mauen Software, die der Perfektion der Hardware nicht gerecht wird. Wäre gut, wenn sich da was täte.

26. Dezember 2006 16:56 Uhr. Kategorie Technik. 26 Antworten.

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