Wie ich ja öfter angedeutet habe, liegt die mittelfristige Zukunft wahrscheinlich darin, daß wir alle unsere Daten – Musik, Filme, Bilder, Texte – online speichern und mit Broadband direkt auf verschiedene relativ schlanke und insofern auch mobile devices herunterladen werden, sei es Fernseher, Hifi-Satelliten, Cellphone, Auto und und und. Man hätte so seine persönlichen Daten im Grunde global überall und jederzeit in Echtzeit verfügbar, als Stream sozusagen. Mit Ausnahme von echten Arbeitsstationen, im Grafik-, Audio- oder Filmbereich etwa, wären herkömmliche Rechner damit fast so etwas wie Dinosaurier, vom Aussterben bedroht, während Technologien wie UMTS Broadband (noch besser: stadtweite WLAN-Netze), serverbasierte Datenspeicherung und RFID im Grunde nahezu jedes nur denkbare Gerät internettauglich machen würde. DVD-Player, herkömmliche CD-Spieler, herkömmliche Fernseher, herkömmliche Laptops und PDAs und Handys würden verschwinden, wir hätten kleinste mobile Universalgeräte.
Microsoft macht jetzt den ersten Schritt, unter dem denkbar uninspirierten Namen Live Drive, zu solchen Serverfarmen. Vielleicht nicht wirklich die Firma, der die meisten Leute ihre Daten anvertrauen werden.
Denn der Schritt von local zu remote Datenverwaltung ist eine Vertrauenssache. Hier wird sich entscheiden, ob der User über seine Daten verfügt oder die Industrie. DRM und microsofteigene Spyware lassen da nichts Gutes ahnen (nicht daß Apple besser wäre, die iTunes-Songs sind auch alle mit seltsamen Digital Rights Management ausgestattet). Auch der Umgang mit internationalen Copyrights wird da spannend werden, schließlich lassen sich für solche Online-Drives wahrscheinlich sehr schnell kreative illegale Verwendungen finden.
Richtig technologisch aufregend ist das Ganze eigentlich nicht, da man sich ja ohne weitere inzwischen auch so einige GB als Server leisten kann (es ist eher so, daß der Zugriff mobil noch zu langsam ist, das wireless internet muß viel schneller werden), und es gibt ja auch berewits ungezählte Anbieter von Onlinemöglichkeiten, Bilder und andere Daten zu hinterlegen… ausschlaggebend wäre also vielmehr die Frage, ob es Gates und Co gelingt, die Technik massentauglich zu bekommen. Schließlich gab es MP3 und auch kleine tragbare MP3-Player schon lange vor dem iPod, aber erst die Marketingpower von Apple hat die Sache breitenkompatibel gemacht.
21. April 2006 08:46 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.