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LESS IS MORE

Volvo wirbt damit, dass der S40 ein Musterbeispiel skandinavischer Designprinzipien ist. Nur schade, dass ausgerechnet der S40 eben alles andere als ein gut designtes Fahrzeug ist, sondern eins der Paradebeispiele für neuer globaler Fahrzeugproduktion. Basierend auf einer Ford-Basis ist der S40 einfach eher ein umgestyltes Weltauto, bei dem die eher auf den Mittelklassefahrer zielenden Marke Ford seit Ende der 90er Jahre mittels Marketingstrategien und etwas Produktdesign auf eine höhere Zielgruppe in der unteren Oberklasse umgelabelt wird. Mit anderen Worten: Design, das nicht vom Produkt und seinem SEIN herkommt, sondern reine Augenwischerei betreibt. Wer einen Volvo kauft, hat in aller Regel – ähnlich wie übrigens bei Mazda und zum Teil bei Jaguar – einen Mondeo oder Focus unterm sogenannten Designerblech, ebenso wie unter einer digitalen Leica eben meist nur Panasonic steckt. Der S40, wie überhaupt Volvo in den letzten Jahren, ist insofern leider kein Beispiel für Premiumdesign, sondern für den Niedergang einer einst wirklich bahnbrechend schönen Automarke, die bis in die sechziger Jahre hinein tatsächlich Fahrzeugdesign-Geschichte geschrieben hat mit Buckelvolvo, Duett oder Amazon. Das Ford Volvo zunächst auf die Weltautostrategie eingenordet hat und jetzt erwägt, sich von der schwächelnden Marke trennen will, ist Musterbeispiel für die Hire-and-Fire-Mentalität von Firmenkäufen. Ein eher gesichtsloser Weltkonzern kauft sich einen einst großen Markennamen aus Renoméegründen, erstickt bei der Remodellierung des Unternehmens unweigerlich alles, was es früher einmal ausgezeichnet hat, und trennt sich schließlich frustriert wieder.

So wie die Marke derzeit steht ist Volvo solide, attraktive, ultimativ aber irgendwie gesichtslose Mittelklasse für Leute, denen Mercedes zu konservativ, BMW zu aggressiv und Audi zu kalt ist… ein Auto für all jene, die glauben, allein qua Kauf dieser Marke zu Individualisten zu werden, weil das Volvo-Marketing das ja (neben der Sicherheit der Marke) auch aggressiv promoted. In Wirklichkeit ist das angeblich so individualistische Gefährt allerdings nur ein Brand-Spinoff, der gleiche Quark wie bei Ford unter anderem Namen, mit etwas anderem Design, mit etwas anderer Werbung. Was in vielen anderen Bereichen ja gang und gäbe ist, dass eine Marke ihre Artikel mit leicht veränderter Präsentation noch einmal verkauft, einfach um den Markt abzugrasen und den Konzernanteil am Markt auszubauen. (Anders lässt sich etwa Saturn/Mediamarkt wohl kaum erklären). Insgesamt eine Tendenz, die Marken verwässert (sowohl Ford als auch Volvo), und die eher aus den Hirnen von Controllern als von Designern kommt. Volvo ist insofern heute Testament einer Marke, die ausverkauft, vergewaltigt und schließlich entsorgt wurde, entkernt, geopfert auf den Globalisierungs- und Effizienzträumen von Managern, die als reine Bürokraten vergessen haben, worum es bei den ihnen anvertrauten Firmen ursprünglich einmal ging, die keinen Gründergeist mehr besitzen.

Less is more, damit beginnt der schick gemachte Werbeclip von Volvo. Vielleicht brauchen wir auch einfach ein paar weniger Automarken. Oder wieder mehr Marken, die sich auf sich selbst besinnen, auch wenn sie dann vielleicht nicht mehr global player sind.

via 37signals

22. Juli 2007 11:32 Uhr. Kategorie Design. 10 Antworten.

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