
In Leonie Swanns Schafkrimi löst eine Schafsherde rund um das superschlaue Schaf Miss Maple den Mord des Schäfers der Herde auf. Klingt putzig, ist putzig – und Leonie Swann schafft es tatsächlich, dieses haarsträubende Konzept durchzuziehen. Dem schuldet sie zwar allerlei bizarre Handlungsentwicklungen – wenn die Schafe etwa auf Beerdigungen und in Kirchen auftauchen oder ganz eigenständig eine Art Theaterstück auf der örtlichen Kneipenbühne des Mad Boar vorführen, aber selbst diese Abstrusitäten entwickeln sich im Verlauf des Buches noch zu wichtigen Handlungselementen, wenn der Metzger Ham langsam aber sicher eine Art Schaf-Verfolgungswahn entwickelt. Obwohl Swann mit Glennkill offenbar nicht viel mehr will als charmant und leicht unterhalten, gelingen ihr in den Details schöne und ambitionierte Beschreibungen, vor allem rund um den rätselhaften Widder Melmoth, der die Herde verlassen hat und wiederkehrte (und dessen Name sich entsprechend auf Maturins Roman zurückbezieht – einer der vielen, mitunter leidigen Namensgags im Buch.). Das Buch schleppt sich zu Beginn etwas arg daher, weil nahezu jede Information nur indirekt vermittelt werden kann und man als Leser eine ganze Weile braucht, um in diesen Modus des Hörensagen hinein zu kommen und die Auflösung des «Falls» ist sicher enttäuschend für alle, die etwa einen echten Krimi erwartet haben – aber dennoch ist Glennkill ein solider Badewannen-Zeitvertreib. Die sehr lineare Handlung, die oft etwas aufdringliche Niedlichkeit der Protagonisten und die schablonenhaften irischen Dorfcharakter Charaktere legen eine Verfilmung des Erfolgsbuches irgendwie nahe, und genau wie die Sorte Film, die man bei dem Gedanken um eine mordfall-lösende Schafsherde vor Augen hat, handelt es sich eben auch bei dem Buch… Tiefgang sollte man bei beidem nicht wirklich erwarten. Wobei der Film gleich viel besser wäre, würde er von einem kleinen britischen Filmemacher gedreht oder doch von einem Norweger, aber bitte nicht von jemanden aus Deutschland. Das Buch kratzt manchmal an Grasgeflüster um dann doch wieder bei Ein Schweinchen namens Babe anzukommen, ist dabei aber so niedlich, dass man nie richtig wütend werden kann. Glennkill ist witzig dabei seltsamerweise eher langsam statt spritzig, manchmal etwas bemüht, kommt erst in der zweiten Hälfte langsam in Fahrt, macht dann aber durchaus auch Spaß und das Ende mit der fast vorprogrammierten Fortsetzung ist so happy, dass man nicht umhin kommt, sich von so viel guter Laune irgendwie dann doch mitreißen zu lassen. Und ganz nebenbei lernt man noch, wie Schafswolken an den Himmel kommen – das ist doch auch was wert.
27. Januar 2008 20:33 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.