
Nachdem ich gestern einen kurzen und vernichtenden Einblick in die Arbeit von Designstudenten hatte, finde ich diese Idee eigentlich auf den ersten Blick sehr charmant – um den von Hochschulen wie Arbeitgebern kommenden Beschwerden über die Qualität der Studenten zu begegnen, bietet die Leipzig School of Design eine Art Vorstudium an, bei dem bis zu 40 angehenden Designer ihre Mappen optimieren, erste Grundlagen kennenlernen und etwas vorbereiteter in den Bachelor gehen sollen. Das Vorstudium dauert sechs Monate und kostet monatlich 340 Euro. Aus der Ferne kann man die Qualität der Sache schlecht beurteilen, und Photos/Texte auf Homepages sind immer so eine Sache – aber die Idee an sich klingt vielversprechend, wer das Geld hat und sich auf das Studium und die Auswahlverfahren vorbereiten will, sollte sich die Sache vielleicht näher ansehen.
20. Juli 2010 09:13 Uhr. Kategorie Design. Tag Studium. 7 Antworten.
So etwas gibt es auch in auch an anderen Hochschulen, in Bielefeld zum Beispiel. Bei einer Freundin hat das für das bestehen der Mappenprüfung geholfen. Die Kosten sind ähnlich.
Das gibts ja institutionalisierter schon seit Urzeiten in der Schweiz – hier wird das als Bauhaus-Überbleibsel behandelt, wobei ich nicht weiss ob das überhaupt von dort gekommen ist. Ohne Vorkurs/Propädeutikum kommt man hier (ohne HAMMER HAMMER Mappe) auch gar nicht in die Bachelorstudiengänge rein.
In den meisten Fällen ist dies ein einjähriges Programm, in Zürich wurde es (mit dem Wegfallen der staatlichen Unterstützung) umgebaut auf ein freieres Modell, bei dem man mit vorheriger Erfahrung im gestalterischen Bereich (Praktika, Lehre, etc.) auch nur ein halbes Jahr machen kann.
Ich hab auch in Zürich das Propädeutikum gemacht. Dabei geht’s natürlich einerseits darum Mappenstücke zu produzieren, aber auf tieferem Level auch nur schon darum, rauszufinden, in welche Richtung das Studium denn genau gehen soll – viele wussten am Anfang noch nicht, welchen BA sie machen wollen, sondern nur, dass es an die Kunsthochschule weitergehen soll.
Insofern fungiert der Vorkurs als Orientierungshilfe, aber eben auch als Sieb – einige merkten während dem Kurs dass sie doch lieber etwas bodenständigeres studieren wollen, jemand hat glaube ich danach sogar auf Jus gewechselt. Und für jeden, der nachher nicht nach drei Semestern das Studium abbricht, spart die Hochschule ja auch wieder Geld.
Du kannst es dir ja auch gerne aus der Nähe betrachten und einfach nach Leipzig kommen! Willste nicht wieder Dozent werden? Böte sich das nicht an? Hmmm? ;-)
Aber ob diese 6 Monate Vorkurs wirklich etwas an der Qualität der Studenten ändern, wage ich zu bezweifeln. Mit Sicherheit haben sie bessere Mappen, sind besser vorbereitet auf den künftigen Stdiengang, aber ihre Qualität ist ja neben den handwerklichen Fertigkeiten ihr Talent und das kann man nicht erlernen und schon gar nicht in einem 6 Monatigen Vorkurs…
Ach, mal wieder nach Leipzig zu dir wäre ja super (zumal du dich ja nicht meldest, wenn du HIER bist *hust*) :-D.
Wobei das schon eine Menge Fahrt für Dozent wäre, oder – keine Ahnung.
Und ich glaube ja fast, ich bin besser geeignet für Studenten auf dem Weg zum Diplom oder im Diplom, keine Ahnung. Das hat an der RA jedenfalls im Endeffekt den meisten Spaß gemacht.
Nein; Talent kann man nicht erlernen und ein Vorstudium, zumal kommerziell, wird sicher niemandem ehrlich sagen: Hey, du kannst das nicht, werd was anderes. Aber ich weiß aus eigener Erfahrung, das Designstudenten, die vorher zB eine Ausbildung zum Mediengestalter gemacht haben oder etwas ähnliches, deutlich besser aufgestellt sind, weil sie die Werkzeuge besser beherrschen.
Und bei Thierry kann ich mich noch an Propädeutika-Arbeiten erinnern, glaube ich – die waren an sich schon wirklich gut. Das Schweizer Design(studium) hat wahrscheinlich nicht ganz ohne Grund den guten Ruf – Härte und Auswahl bedingen am Ende ja auch eben ganz einfach Qualität. Was anfangs und für den Einzelnen sicher ungerecht und «unfair» wirkt, bedingt am Ende unweigerlich Exzellenz.
In den Schweizer Vorkursen kann man glaube ich überall auch Software-Kurse belegen. Also auch etwas aufholen auf diejenigen welche die Werkzeuge schon beherrschen. Gleichzeitig sehe ich aber in Zukunft nicht allzu viele Design-Jobs, für welche man nicht neue Werkzeuge erlernen können muss – durch Bücher, Kurse oder durch DIY. Und schlussendlich – unabhängig von Talent – ist im Vorkurs wie im Hauptstudium meistens der Einsatzwille entscheidend, ob am Ende ein gutes oder ein schlechtes Projekt rauskommt.