
Noch einen Hauch mehr Ruhe fordern Laura López Castro und Freundeskreisler Philippe Kayser auf ihrem dritten Album ein – wie immer mit einem Sound, dem man seine Herkunft nicht mehr anhört, Weltmusik aus dem Wohnzimmer. Trotz langer Gastmusiker-Liste (u.a. Hauschka) und zahlreicher akustischer Störungen, die sich fast erst über Kopfhörer entfalten, dominiert die Stimme der spanischen Sängerin das Album, kontrapunktiert von sparsamer Gitarrenarbeit, daran ändert auch ein Minimum an Rhythmus und Percussion nichts. Optativo ist ein sehr pures Album und nach den Vorgängern ist das auch keine Überraschung. Das surrealistische Feeling, das verschneite Tag-am-Meer-Coverphoto und die Retro-Typographie andeuten, scheint manchmal durch, wenn die Musik zum bitteren Soundtrack nicht gedrehter Filme wird, und generell klingt das Album offener, freier, durchaus auch sperriger als etwa «Mi Libro Abierto». Die Musik schafft zwar immer noch den kommerziell cleveren Spagat zwischen der Lehrer-Weltmusik-Teetrinker-Crowd und einer moderneren, urbanen Cillout-Wellness-Zielgruppe, aber sie ist nicht mehr so «wohltuend» wie früher, nicht mehr so zum «Abschalten» geeignet – und das ist eine gute Sache. Optativo ist im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten einen Hauch anstrengender, einen Hauch trauriger, weniger affirmativ, gereifter und erwachsener. Es gibt deutlich mehr Brüche, mehr Irritationen, mehr Zitate («Sin Miedo»), coolere musikalische Posen und Gesten, mehr Augenzwinkern – und das tut dem Album sehr gut. Es wirkt manchmal fast so, als würden Castro und Kayser ihren eigenen Sound ironisch (auf)brechen und dekonstruieren und die Möglichkeit, die Platte auf zwei komplett verschiedene Arten hören zu können, macht Spaß.
14. Februar 2011 08:20 Uhr. Kategorie Musik. Tag Pop. Keine Antwort.