
Die vierköpfige britische Combo um Sam Eastgate bringt auf ihrem Debutalbum einen epischen Cocktail aus jedem, aber wirklich jedem nur denkbaren Einfluss. Als ginge es darum, das definitive postmoderne Album rauszuklotzen, wird von Gary Newman bis Queen alles wegzitiert, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist, und zu einem seltsamen Gemisch aus Britpop und Electro püriert, der hysterisch und verschroben wirkt. Nicht von ungefähr erinnert das punkigtrashige Gitarren-Synth-Gebräu etwas an die Klaxon, ist aber deutlich nervöser, collagierter, zappt hyperaktiv von einer Idee zur nächsten und ist dabei so voller exzellenter Momente, dass man das Album ohnehin mehrfach hören muss, zumal in der Produktion permanent winzige Details versteckt sind, die sich bestenfalls über Kopfhörer extrahieren lassen. So verwandelt sich der NewWave-Sound der bereits bekannten Single Space and the Woods im Cenzo Townshend Mix zu einer schnelleren, härteren Dancepunknummer vom feinsten, der letzte Track Dose A erinnert an eine Art deutlich härtere The Faint, eine fast pure dreckige Rocknummer, Bathroom Gurgle lässt alte Nik Kershaw-Erinnerungen aufkommen, The Enemy are the Future erinnert ein wenig an goldene Roxy-Music-Zeiten, Focker ist einfach nur musikalischer 8-bit-Wahnsinn, das Instrumental VW ist das gitarrenlastige Gegenstück und klingt nach der Titelmelodie einer nie gedrehten MTV-Serie, Random Firl ist Schunkel-Britpop, Broken ist eine fast dreiste Math-Rock-Kopie, Hot Tent Blues klingt nach Queen via Chemical Romance und so weiter. Es mag auf diesem Album wenig ganz eigene Ideen geben, aber selten hat eine Band so im Sinne von Tarantino ihre Einflüsse zugleich offen gelegt und doch weiterentwickelt. Fantasy Black Channel klingt dadurch seltsamerweise sehr wenig nach einer Band, sondern wie eine Compilation, auf der wie zufällig der Gesang immer ein wenig gleich bleibt, eine Compilation, die mal tanzbar, mal atemberaubend schön, mal abwegig wirsch wird, aber immer makellos bleibt. Wo die Klaxons noch Durchhänger hatten, ist Late of the Pier in jedem Song auf der Höhe, leichtfüssig durch die Genre hüpfend und doch stets mit der Hand an der Gurgel des Zuhörers, der mit wummernden Bässen, verschlungenen Melodien, Uptempo-Beats und Eastgates mal falsettigen mal fast atemlos-tonlosen Gesang gefügig gemacht wird. Es ist eine pornographische Platte, auf der die Band fast gnadenlos zeigt, was sie kann, sich ausbreitet, sich überproduziert und sich keine Sekunde zurücknimmt, von einem Highlight zum nächsten hechelt, ein Album mit dem die Band den durch die zuvor erschienen EPs bereits angemeldeten Anspruch auf eine der spannendsten UK-Neuerscheinungen definitiv zementiert. Man darf gespannt sein, wie man diesem 2008er Debüt noch eine zweite CD folgen lassen will, was es hier noch hinzuzufügen geben kann, zumal man sich eine so seltsame, ausgedehnte Produktion wohl kaum noch wird leisten können… aber 2009 soll ja das zweite Album bringen und man darf gespannt sein. Fantasy Black Channel jedenfalls darf getrost als Meisterwerk gefeiert werden, lässt seine NuRave-Wurzeln weit hinter sich und präsentiert eine der besten Bands der letzten Jahre.
25. August 2009 07:44 Uhr. Kategorie Musik. Tag Alternative. 2 Antworten.
bin ganz deiner meinung, das ist ein absolut tolles album. ich hätte es nicht besser beschreiben können!
hey, das ist mal ein genialer beitrag über late of the pier. lang habe ich nicht mehr so gespannt einen artikel über eine band gelsens. hut ab. das album ist wirklich mega. doch live sind die vier jungs noch tausendmal besser finde ich. dieses live konzet wird mir wohl mein leben lang in erinnerung bleiben.