
Die musikalische Struktur von Lali Puna ist eigentlich so, dass ein Live-Konzert nicht nur selten ist, sondern auch unwahrscheinlich wirkt oder zumindest wenig vielversprechend. Die ruhige, kontemplative, vielschichtige Klangwelt von Valerie Trebeljahr, Markus Acher, Christian Heiß und Christoph Brandner sollte auf einer Bühne kaum funktionieren dürfen oder zumindest so hypersteril wirken wie die von Kraftwerk. Von steril kann keine Rede sein, die Bühne im Gebäude 9 wirkt eher wie ein Proberaum, mit improvisierten Tischen, zahllosen Mikrophonen und Synths, Kabeln und Amps – aber tatsächlich suchst du Showeinlagen hier natürlich vergebens, Trebeljahr wird seltsamerweise immer dann am lockersten, wenn etwas schiefgeht und ein Song falsch losgeht oder sich einer der Musiker verspielt, und während Mastermind Heiß und die deutsche Indie-Legende Acher sichtlich Spaß an ihrer Sache haben, sind sie halt meist mit ihren Instrumenten beschäftigt oder sorgen für den perfekten Sound. So wundert es fast nicht dass Brandners Schlagzeug vorne am Bühnenrand steht – die Musiker sind sozusagen entgegen dem typischen Bandaufbau alle gleich wichtig positioniert -, denn in Sachen Action dominiert er das Konzert… traditionelle Instrumente haben halt live doch ihre Vorteile. Gerade in einer recht kleinen Venue ist der Mix von synthetischen Sounds und echten Drums eine Herausforderung, an der viele Konzerte scheitern, aber Brandners geradezu stoisches, geradliniges, kontrolliertes und trotzdem druckvolles Spiel fügt sich größtenteils auf den Punkt in die Soundstrukturen ein, die Heiß vorgibt. Mehr noch: Nach einer Weile erinnern die Drums in ihrer straighten nüchternen Art massiv an Holger Czukay, den großen Can-Trommler, der wie kein zweiter mit elektronischer Musik verwobenes Akustikschlagzeug liefern konnte. Und so überrascht es vielleicht nicht, dass die besten Tracks die sind, bei denen Lali Puna sich aus möglichst weit aus dem Morr-Music-Flair ihrer Alben herauslehnen und eine Art Neo-Krautrock spielen, der in seinen besten Momenten hypnotisch und fesselnd ist, in immer gleichen Harmonieschleifen mit druckvollen Drums und immer neuen Klangschichten minutenlang einfach vorwärts läuft und bei dem man sich wünscht dass die Songs die gebührenden 30 Minuten dauern würden, anstatt einfach irgendwann aufzuhören. Gerade die letzte Zugabe, der Klassiker Fast Forward von dem 99er Album Tridecoder, entwickelt sich am Ende zum reinen Monstertrack. Live verlieren Lali Puna so die leicht sterile, zu cleane, zu perfekte Notwist-artige Überproduktion und Geschliffenheit und tauscht die sanft fließende Magie der Platten gegen eine rauhere, rohere Fassung, die durchaus mehr Energie hat und mehr Spaß macht und bei der man sich wünscht, dass die Studioalben mehr von dieser Direktheit haben würden.

















17. Mai 2010 10:01 Uhr. Kategorie Live. Tag Electronic. 2 Antworten.
Interessanter Bericht. Ich habe auch Photos gemacht, allerdings in Kassel (http://mainstage.de/?p=27199). Wobei ich sagen muss, dass es mir, trotz ungewöhnlichem Stageplan und etwas rauerem Spiel im Vergleich zu den Alben, dennoch teilweise noch etwas zu steril war.
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