

Schön ist, daß wir beim Pitch um das Konzerthaus Dortmund gegen einen echten Namen verloren haben – immerhin Jung von Matt in Hamburg. Die sich schon qua Ruf und Ruhm kaum noch Mühe geben müssen, um ein fünfköpfges inhabergeführtes Studio aus dem Ruhrgebiet wegzublasen.
Weniger schön ist, daß es eben nicht nach JvM aussieht. Die können ja eigentlich was, sind aus meiner Sicht unter den «normalen» großen Werbeagenturen noch die im deutschen Einerlei mit frechsten Köpfe. Aber hier ist keine dreiste oder schöne Idee à la JvM weit und breit, die Gestaltung fast wie vom Vorgänger Pantos übernommen, nur eben um 90° gedreht. Nichts gegen Kontinuität, aber whoa, war da was? Langweilige Pressephotos, die gleiche (eher verwirrende) Farblogik. Normalerweise, wenn große Agenturen im Kulturbassin fischen, geht es Ihnen um Awards, ums Geld kann es hier ja nicht gehen. Aber preisverdächtig find ich dieses Heft, das mehr nach Tabellensatz als nach allem anderen aussieht, einfach nicht. Jesus.
Ich trete hier nicht nach, bitte nicht mißverstehen. Im Gegenteil. Mal im Ernst, diesen Job nicht zu kriegen hat mir persönlich weh getan, weil ich Benedikt Stampa absolut mag – ich hätte sehr gerne mit ihm gearbeitet – und weil wir unter extremen Stress eine Lösung gefunden haben, von der ich glaube, daß sie zwar ultrakommerziell und völlig pragmatisch war, dem Durchsatz und Konsumdruck eines großen Hauses angemessen, aber trotzdem einen eigenen Ton und Anspruch des Hauses kommunizierte. Und weil da eine Idee für das Haus, für die Region in der DNS steckte. Weil da viel richtig war, etwa die Bilder von Harald Hoffmann. Aber auch ohne uns… ich hätte Stampa, auch nachdem wir den Pitch verloren haben, ein grandioses, ein kraftvolles, ein mutiges Heft gewünscht. Und auch gedacht, daß er das von einer Riesenagentur, die sich vielleicht nicht auf so viele Kompromiß-Debatten mit dem Marketing einlassen muß, auch bekommen könnte. Eins, das nach vorne geht und ihn als A-Liga-Konzerthauschef zementiert, als den mutigen und cleveren Mann, der er ja ist, der es schaffen kann, gegen die Doppelspitze-Konkurrenz von Konzerthaus und Aalto in Essen das Dortmunder Konzerthaus zum Must-See zu machen. Wenn das einer kann, dann er. Ich hätte ihm einen Auftritt gewünscht, der zu ihm paßt.
Nicht sowas.
Shit, ist das deprimierend…
12. Mai 2006 11:55 Uhr. Kategorie Design. 5 Antworten.
Sowas ist immer schade. Zumal mir euer Konzept sehr gut gefallen hat. Hast Du einen Link oder Fotos auf denen man die Arbeit von JvM anschauen kann?
Ne, zumal JvM das selbst (zu Recht) auf der eigenen Site nicht featured. Das Cover ist noch einigermaßen okay (UV-Lack, aber leider wirklich schreckliche Blocksatzfehler und Worttrennungen, typographisch sieht das aus, als habe da ein Praktikant drangedurft. Auf…. dem… Cover… Und unter dem Cover… ich weiß auch nicht. Ich mag Birgit Hupfeld, Jürgend Kruses Leib- und Magen-Photohgraphin und eine gute, aber die handvoll Bilder von ihr hier sind tot und steif, auch völlig die falsche Frau für solche Bilder, Birgit braucht mehr Punk und Leben. Und das Heft selbst strahlt den Charme einer Broschüre der Bundesbahn aus… nur daß die, nach Erik Spiekermann, wohl besser gesetzt sein dürfte :-D- Schlechte Schrift, schlechte Photos, unübersichtliche Gliederung. Und: Keine Aussage. Einfach nur das programm runtergenudelt. Nichts regt da an, nichts beflügelt. Und ein Haus mit einem grandiosen Programm verkauft sich so einfach unter Wert, finde ich.
Ich muss dir voll und ganz zustimmen. Hab mir das Heft grad am Ticketshop mitgenommen (die Cover-Beschichtung hat mich magisch angezogen). Aber nach dem Cover kommt da leider garnichts mehr.
Da lag euer Vorschlag in Sachen Layout und Konzeption Terrameter weit vorn. Schade.
Naja, unser Cover wäre aus blauschwarzem samtigen Stoff gewesen, mit einer Heißfolienprägung (sofern finanzierbar, aber vergleichbare Bücher mit so einem Cover gibts ab 9 Euro, sollte also gehen). Und unpassenderweise haben die Berliner Philharmoniker gerade auch UV-Lack auf dem Cover, nur etwas gelungener.
Shit happens. Vielleicht kommt Dortmund ja nächstes Jahr wieder auf uns zu und man hat eine neue Chance zusammen. Vielleicht sind sie auch mit der Mega-Agentur total glücklich und zufrieden und insofern ohnehin falsch für unsere Art, über Design zu denken. Dieses Heft ind er jetzigen Form hätte es mit mir nicht gegeben, denke ich. Mein Anspruch und meine Interessen liegen einfach woanders.
[...] Nachdem ich vom Saisonheft des Konzerthauses Dortmund ja eher etwas enttäuscht war, muß ich klar sagen, daß die Site vom Popabo, die ebenfalls von Jvm/Next kommt, absolut gelungen ist. Ich kann so auf den ersten Blick nicht beurteilen, ob die Site statisch oder dynamisch gebaut ist, rein visuell gefällt sie mir aber ziemlich gut, die Bilder aus dem Haus sind solide und die ja meist nicht so berauschenden Künstlerbilder sind brauchbar gelöst und eingebunden. Es gibt keine wirkliche über die reine Sache hinausgehende Ambition, was etwas schade ist, Kultur sollte immer mehr wollen als nur Tickets verkaufen, aber die Site sieht abgesehen von kleineren Typosachen recht smooth und professionell aus, was in der Branche ja schon allein erfreulich ist – und der kleine Gag mit Zigarette, Kaugummi usw. ist schon nett. Beitrag vom 10. Juli 2006 aus der Kategorie DESIGN. // Kommentare durch RSS 2.0 Feed verfolgen. // Kommentar schreiben // Trackback // // zurück zum Blog [...]