
Rap aus Schweden – das klingt etwa so authentisch wie Hiphop aus Stuttgart. Irgendwie gibt es einen deutlichen Mangel an Bronx-Feeling in Skandinavien. Der Producer David Astöm, alias Kocky, umgeht das Problem auf seinem ersten Album, indem er Hiphop und aktuelle Dancesounds zu einem eigenen Sound verwebt. Kingdom Came wartet mit ungezählten Gaststars auf – darunter Jens Lekman – und erinnert vom Klang in manchen Tracks ein wenig an Kanye West, dann blitzen M.I.A.-Referenzen auf, und überhaupt ist Kingdom Came ein flirrender Mix aus Dancefloor, Hiphop, Soul, Funk, 90s-Disco und Electro. Dieser als «Rapclash» bezeichnete Sound ist ein zeitgemässer polyvalenter Soundmix, bei dem wenig Langeweile aufkommt.

Die Sache leidet ein wenig unter zu braver Produktion, der Sound ist insgesamt nicht druckvoll genug und die stilistisch lange nicht so auf der Höhe der Zeit wie vergleichbare französische Klangbastler. Das etwas nach Homerecording klingende Soundgerüst des Albums mag Teil des Konzeptes sein, und mindert nicht deutlich den Spaß an der verspielten und gutgelaunten Platte, aber hier und da wünscht man sich, dass das Rohmaterial in den Händen wirklich guter Remixer landet, die der Platte das Hausbackene aus den Knochen schütteln und mehr Piepsen, Klirren, Basswummern einbauen. Kingdom Came ist von der Idee her goldrichtig, in der Produktion aber zu sehr braves Midi-Programming geblieben und damit einen Herzschlag hinter dem liegt, was man von Kavinsky, Para One oder den unvermeidbaren (und insofern in kürzester Zeit abgenutzten) Justice gewohnt ist. Die Ideen sind da, aber handwerklich nicht gut umgesetzt. Die etwas piefig klingende Produktion, ein Mangel an Konsequenz in der Arbeit mit digitalem Klangmaterial und vielleicht auch zu wenig akustische Zusatzelemente machen das Album seltsam steril und rein klanglich ein wenig langweilig. Was schade ist, weil die Kompositionen ganz klar machen, wo es hingehen soll – Kocky könnte mit etwas mehr Budget und druckvollerer, smarterer und vor allem frecherer Produktion auf einem nächsten Album also ganz klar den Sprung zum internationalen Act schaffen. Kingdom Came ist aber auch so ein hörenswertes Lofi-HipPop-Album, von dem einige Tracks schon heute gut in den Indietronic-Discotheken funktionieren dürften.
3. November 2007 09:19 Uhr. Kategorie Musik. Eine Antwort.
(weiss vielleicht jemand welche schrift das auf der rückseite des covers ist – oder kennt eine, die dieser ziemlich nahe kommt?)