
Eins ist mal klar: Diesen Gig werden die Klaxons so schnell nicht vergessen. Im ziemlich vollgestopften Kölner Prime Club haben die New Raver aus London ihre Tour beendet und schienen selbst von den «fucking psychos» im Publikum überrascht zu sein – ebenso wie die Security, die von der Moshcrowd komplett überfordert war. Leuchtstäbe, Pogo und ich glaube, wir waren so drei viermal mit ein paar zig Leuten auf der Bühne, bis die Band teilweise nicht mehr spielen konnte. Ich hab selten ein Konzert erlebt, wo das Publikum SO derbe abgeht, selbst bei Deichkind war es dagegen fast noch normal. Reynolds und Co. beginnen den Gig mit einer seltsamen Punk-Nummer, die mal so gar nicht nach den Klax klingt und steigen dann aber sofort mit Atlantis to Interzone absolut voll ein und ab dem Song steht keiner mehr im Publikum ruhig. Nach dem ruhigeren Air-Konzert hab ich mich hier mitten ins Publikum geworfen und damn, ich war froh, am Ende noch meine Jacke am Leib und alle Knochen beieinander zu haben, das war hoher Seegang und mehr Spaß, als man für 18 Euro eigentlich haben dürfte. Die Band bringt die Songs des gesamten Album, überraschend gut (vor allem wenn man bedenkt, dass sie sich bei einigen Tracks vor lauter Publikum auf der Bühne kaum noch bewegen können und Reighton und Reynolds unter dem Druck der Masse gemeinsam gebeugt vor dem Mikrophon der Keyboards stehen… ), aber deutlich härter, mit einer soliden Prise Punk-Flair, die dem eher poppig produzierten Album mitunter fehlt. Live fällt auf, das nahezu jeder Track des Albums ein Hit ist, und die völlig verschwitzt auf der Bühne ackernden Klaxons das Publikum in immer wildere Tanzorgien stürzen. Es ist ein enger, heißer, frenetischer Gig und das Publikum vielleicht ein bisschen geiler, ein bisschen mehr Rave als die Band eigentlich selbst, der eigentliche Kick ist, in dieser wogenden, schwitzenden Masse zu stehen, Leute über Kopf zu tragen und einfach breit grinsend gemeinsam zu feiern. Was unter normalen Bedingungen rein musikalisch ein B-Gig wäre, schwingt sich so zu einem der besten persönlichen Konzerterlebnisse 2007 soweit auf, einfach vom reinen Party-Mach-Level her. Perfektes Tourende für die Band, würde ich mal schätzen :-D.
Nach dem Break ein paar Photos, die Steffi aus sicherer Distanz von der Seite geschossen hat. Ich hätte diesmal die Kam echt dabeihaben müssen, aber ich bin andererseits nicht sicher, dass die Leica das überlebt hätte…














25. März 2007 16:54 Uhr. Kategorie Live. 9 Antworten.
LOVELOVELOVE!
achja, und nix seltsame Punknummer, das war The Bounce! Auf der EP vorher und so! :)
Der Meister weiß Bescheid – danke für den Tipp ;-).
In Hamburg am Abend davor gab es wohl übrigens auch Bühnen-Gestürme. Da mußte die Band wohl aber die Fans noch dezent einladen… :D
Hab ich auch bei deren Myspace-Comments (jaaa, wo auch sonst) gelesen… mich ärgerts weiterhin dass ich fahren musste und etwas unmotiviert hinten stand ;)
Ich war ja auch nüchtern, Pal.
Ich bin aber doch so schüchtern!
Sicher sicher.
[...] Stefanie hat schon recht, ich bin einfach etwas verwöhnt. Gerade nach dem eher orgiastischen Klaxons-Gig wirkt eine Band wie The Shins fast unweigerlich zu ruhig und bedächtig. Aber obwohl ich das aktuelle Album der Shins wirklich großartig finde, war das Konzert insgesamt eher eine Enttäuschung. In der gut gefüllten Live Music Hall – so voll, dass man wirklich nicht nach vorne durchkam und in der zwölften Reihe dicht gepackt stand, so dicht, dass man die Arme kaum zum Klatschen hochbekam, ohne dem Nebenmann dabei zu belästigen – treten die Shins auf einer denkbar unspektakulären Bühne auf. Keine Varilights, kein Bühnenaufbau, einfach nur die Instrumente und ein paar normale Farbige Spots. Da ich weiß, dass in der Live Music Hall deutlich mehr geht – wie man etwa bei Porcupine Tree in der gleichen Location sehen konnte – vermute ich hier Absicht oder falsche Sparsamkeit hinter. Licht und Bühnenbild könnten undramatischer, reduzierter nur noch sein, wenn das Saallicht an wäre. Das gesamte visuelle Flair des Gigs bewegt sich so von der ersten Sekunden auf Jugendzentrum-Niveau. Dazu trägt auch bei, dass die Band zum startenden Sequencing von Sleeping Lessons auf die Bühne kommt und erst einmal ein bisschen an den Gitarren herumstimmt, bevor es losgeht. Das permanente Tuning zwischen den Stücken zieht sich durch das gesamte Konzert, zwischen Songs sind immer wieder fast amateurhafte Pausen, in denen die Gitarren gestimmt oder Effektgeräte umgeschaltet werden. Das sollte bei einer Profiband nicht sein müssen und nein, es ist auch nicht sympathisch, es erzeugt einfach nur – bei einem ohnehin nicht mitreissenden Konzert – unnötige Pausen, in denen der Spannungsbogen eines Auftritts verpufft. Die Band startet mit Tracks von Whincing the Night Away, die souverän, etwas härter als auf dem Album, aber im Grunde unverändert präsentiert werden. Im Verlauf des Konzertes arbeiten sich die Shins in ihre Vergangenheit und das Konzert mutiert etwas. Der Grassroots-Rock-Mix der Shins erinnert teilweise an die Byrds oder die Eagles, an 50s-Rock’n’Roll, bei einer ruhigen Nummer wird man das Gefühl nicht los, beim evangelischen Jugengottesdienst zu stehen und bei vielen Tracks beschleicht mich die Paranoia, das genau die gleiche Musik in Texas auch gut vor einem Publikum um die 50 bis 60 präsentiert werden könnte… grundsolider US-Retrorock mit einer Prise Country. Das Publikum nimmt es dankbar, aber wenig begeistert, wenig frenetisch auf – die Musik lädt sicher auch nicht unbedingt zum Mosh ein. Und die Band animiert auch nicht gerade zur Party, die Musiker machen ruhig und konzentriert ihren Job, ohne großes Feuer im Hintern. Es ist ein ruhiges Konzert, mit einer nur so herumstehenden, am Ende eines Songs höflich klatschenden Audience, erst beim schön frühpunkigen Modern Lovers Coversong Someone I care about und beim finalen Zugabe-Finish So Says I kommt etwas Leben in die Bude. Alles in allem kein wirklich schlechtes Konzert, aber eins, dass mich weitgehend kalt lässt und das routiniert runtergespielt wirkt, ohne wirkliche Leidenschaft, ohne Liebe. [...]