Der Kommunikationsdesigner Kim Poerksen, mit verantwortlich für die (früher mal) recht geniale Joop-Site, und das Fox-Hotelprojekt in Kopenhagen, sagt in der aktuellen Galore 11 ein paar schöne Dinge:
Nur daß ich sie [die Industrie] nie als Feind betrachtet habe, sondern als Verbündete, deren Bewusstsein sensibilisiert werden muss. … Und plötzlich befruchten sich sonst verfeindete Branchen und Genres in einer ungewohnten Weise und treten in einen echten Dialog. …
Die [VW] haben relativ schnell … eingesehen, daß dabei die Marke ganz bewußt in den Hintergrund treten muss, um letztlich effektiver zu kommunizieren.
[Der VW Fox war als Kleinwagen]… vom Ansatz her erst mal ätzend. Aber auf einmal hast du dann eine erste Idee, und dann spinnt man los. Man kann, denke ich, im Prinzip aus jeder noch so unaufregenden Aufgabe etwas besonderes ziehen. Man muß nur danach suchen und das dann durchsetzen wollen. Es geht nur um Intensität.
Abgesehen von den Mäzentum-tatt-Sponsoring-Sachen, die ich voll unterschreibe… gerade letzteres Zitat resoniert sehr bei mir, zumal ich eine ähnliche Attitude auch bei Bill Cahan wiederfinde, den ich als Großmeister betrachtem, wenn es darum geht, eine zunächst staubig wirkende Materie redaktionell so aufzuladen, daß sie bahnbrechend wird. Es gibt keine langweiligen Jobs. Jeder Kunde, jedes Metier, jede Branche hat etwas, aus dem man etwas besonderes machen kann. Man muß es nur suchen… und man muß vor allem eben einen Klienten haben, der dann den Mut hat, gegen die Regeln seiner Konkurrenz anzuspielen, mehr Geld auszugeben, mutiger zu sein, wahrscheinlich bei einigen Kunden auch anzuecken und der keine Angst hat, sich auch mal mit einem Fehler vielleicht zu blamieren. Der, kurzum, statt Sicherheit Erfolg sucht. Wovon es einzig und allein abhängt, ist also, ob der Kunde wirklich Erfolg im klassischen kapitalistischen Sinne des Venture (und somit des Adventure, des Abenteuers) will, wirklich selbst ein Entdecker, ein Reisender, ein Innovator ist, oder nur ein Manager, ein Verwalter, ein Bewahrer, ein Controller. Insofern ist weniger der Job an sich, das Metier, wichtigf, sondern die Frage. Ist dein Klient ein Jäger oder ein Sammler. Ist da jemand, der sich mit dem Status Quo langweilt und ein bißchen Action braucht. Der unter hohem Einsatz und mit solider Risikobereitschaft persönliche Erfolgziele hat, hungrig ist. Auch eine gewisse Lust am Aufmischen hat, sich einfach freut, wenn er der – zumeist größeren – Konkurrenz eine Nasenspitze voraus zu sein beginnt, weil er quecksilbriger, flexibler agiert, mehr arbeitet, witziger und aggressiver zugleich ist. Wenn das alles da ist, und wenn dann alle hart arbeiten und die Sache gut zusammenläuft, gibt es keine langweiligen Jobs mehr. Es gibt eben nur manchmal das, was Poerksen mit Blick auf Greenpeace – unabhängig von einzelnen Menschen persönlich, auch in einem Umfeld von wirklichtotal netten Menschenkommst du manchmal einfach insgesamt nicht voran – ein «Korsett an Charta», ein institutionell bedingtes ängstliches Beharren auf dem Etablierten, nennt. Ein Korsett, das zwar nicht wirklich funktioniert, nichts mehr zusammenhält, aber sicherer und einfacherer scheint sportiv zu werden und loszujoggen. Hat man aber einen Kunden, der losrennt, kann auch eine Kampagne für Waffeleisen oder Toaster plötzlich spannend werden.
Das ist die eine Sache, die ich meinen Studenten immer in den Kopf zu schlagen versuche: egal wie langweilig eine Aufgabe wirkt, gehe hin und suche das Goldnugget. Es ist immer, absolut immer da. Es geht nur um Intensität, um den ganz persönlichen Kick, eine seltsame Idee zu haben.
Nebenbei: Gutes Interview in einer guten Zeitung, die zweckdienlich und schlicht gestaltet ist, (wenn auch die Brotschrift etwas leseunfreundlich-modisch ist), die zum Preis von 2,90 € solide Photos und Texte bietet, eine schöne Zusammenstellung von Interviewpartnern hat (wobei ich es spannend fände, wenn diese thematisch gebündelt wären) und der ich zunächst mal so gar keine Überlebenschance gab, die sich aber zu behaupten scheint. Toitoitoi.
21. August 2005 08:36 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.