HD Schellnack /// Kontakt iPhoto Twitter s90 Typographie Pop Alternative Aktionen nodesign Apple Licht Photographie Fail Denken Natur Dayshot Fragen Belletristik Software Winter Studium Medien Vernacular Fun Comics Werbung iOS Farbe Gesellschaft Print Web ScienceFiction Electronic Zukunft Magazine Frühling Jazz Hardware Kitsch Drama Retro Klassik Sommer Zitat Herbst Fantasy Sachbuch Kunst Emma Organisation Kultur

KEINE LUST

Ich bin wirklich kein großer Fan von Rammstein, nie gewesen. Angefangen als inhaltliche Kopie des Laibach-Konzeptes, auf billige und durchschaubare Schock-Effekte à la Marilyn Manson setzend, hat mich die Band immer eher so geschienen, als würden sich hier Versicherungsangestellte auf hart trimmen, und dementsprechend hatte die Musik auch immer etwas von ‹Metal für Bankangestellte› an sich, im Kern doch affirmativ und brav. Die zusätzliche Ebene, daß die Band zwar in Interviews treuherzig betont, links zu sein, sich andererseits in Wort und Bild immer wieder mit dem Zeh sanft in den neofaschistischen Gedankenpools wagte (oder dreist bei Tarantino Ideen klaute), macht nicht sympathischer. Umso größer meine Überraschung mit Reise Reise. Die Band selbst sagt in Interviews, dies sei die erste Platte, in der sie sich von Rammstein-Klischees löst, und da ist was dran. Obwohl der Sound unverändert brachial ist, wirken die Kompositionen amerikanischer, durchdachter, die Texte sind immer noch auf der ‹Hihi, wie schockierend›-Ebene (Mein Teil), aber erstmals mag ich, was man so bei MTV hört, so deutlich, daß man sich fast die Platte zu kaufen gewillt wäre. Keine Lust ist in Sachen Song und Video grandios, Text und Produktion gehen nach vorne und der Video ist zwar einfach aber in seiner lasziven Dekadenz einer der besten Videos von Rammstein jemals, Tills angeekeltes Gesicht beim Liebesspiel der beiden Stewardessen in der Limousine ist wunderbar. Die Entwicklung auf dem letzten Album macht es möglich, das stets grandiose Artwork von Rammstein endlich mit etwas weniger gemischten Gefühlen zu genießen. Es ist immer noch recht braver Pop-Metall, immer noch oft unfreiwillig komisch, immer noch zu ironiefrei, zu pathetisch, zu dumpfdeutsch… aber nicht mehr ganz so vorhersehbar und emotionslos wie in all den Jahren zuvor.

PS: Kurz darauf lief Doves mit Black and White City… und dann wird Rammstein natürlich wieder in die richtige Perspektive gerückt, durch einen grandiosen Song und ein wunderbares Video.

22. Februar 2005 08:51 Uhr. Kategorie Musik. 3 Antworten.

3 Antworten

Antworten

Schreibe eine Antwort, oder hinterlasse einen Trackback von deiner Site. Antworten abonnieren.


Creative Commons Licence