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JOANNA NEWSOM: YS

Mir tut Van Dyke Parks ja irgendwie leid. Es ist sicher kein leichter Job, die floral reichen Kompositionen und Arrangements für die er berühmt geworden ist über die karge und schroffe Harfe-Gesang-Landschaft von Joanna Newsom zu legen. Aber dem Star-Arrangeur gelingt scheinbar mühelos, den Liedern Kohärenz und Würde und Reichtum einzuhauchen und einen harmonischen Kontrapunkt zu der quietschenden, kieksenden und überbordenden Stimme von Newsom zu stiften. Wobei Newsoms Harfenspiel so weit abseits dessen liegt, was man so allgemein mit «Harfe» assoziiert. Newsom mutiert das klassische Instrument zum perkussiven, intuitiven Multi-Instrument, das durch die opulenten Streicher flirrt wie eine Wespe auf Ecstasy. Die überlangen Songs erinnern in ihrer Exaltiertheit an den verkopften Ansatz des Medulla-Albums von Björk und ähnlich wenig als reine Hintergrundmusik eignet sich Ys. Schmuseklassik ist anders. Als seltsames Marginal-Album verbindet es Indie und Klassik in einer seltsamen neuen ADHS-Fusion, die am eheste Klingt, als sei ein Disney-Soundtrack durch hartes LSD durchgeschleust worden. Man sieht förmlich Bambi und Mary Poppins in fluoreszentgrellen Farbschwaden durch die Luft wirbeln wie Blätter. Alles an diesem Album ist hyper. Wehende, lebendige Kompositionen, Folkanklänge, ein seltsamer tastender Brückenschlag, der sich allen Kategorisierungen komplett entzieht. Du kannst Ys lieben oder hassen, egal wird dir die Platte nicht sein. Die Platte steht als Unikat, als Kubricksches schwarzglänzendes Monument in der Landschaft und kratzt sich keine Sekunde an unserer Meinung. Und das ist auch gut so.

9. März 2007 02:05 Uhr. Kategorie Musik. Eine Antwort.

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