
Joakim Bouaziz ist als Chef von Tigersuhsi ohnehin für seinen treffsicheren Geschmack bekannt, präsentiert auf Monsters and Silly Songs eine seltsam verpeilte Mischung aus Elektronica und akustischen Instrumenten. Was irgendwie überraschend nach frühen Trisomie 21 klingt, nach Soundtracks für John Carpenters Filme, nach Wodkalaune im Studio. Die Platte macht es den Kritikern einfach, sie nicht zu mögen, weil sie sich etwas sperrig gegen jeden Trend lehnt und absolut nicht zu verorten ist, weil Joakim und seine Liveband (die nötig wurde, weil das bereits fertig elektronisch produzierte Album komplett bei einem Festplattencrash verloren ging) bei den Aufnahmen in etwa so trashig vorgehen wie auch auf dem Coverartwork. «Silly Songs» finden sich da also unter den 16 Tracks der CD zu Hauf und sie sind alle prima so wie sie sind, irgendwie spontan, irgendwie Samstag nacht und Sonntag vormittag.

Der Geist der frühen 80er weht allgegenwärtig durch das Album und das gibt der Scheibe eine vulgäre, etwas billige Atari-Qualität, die man lieben darf. Eine Nummer wie Lonely Hearts etwa darf man nicht zu ernst nehmen, sondern muss sie eher relaxt genießen, als albern gefühlswabernde, schwerelose Proto-Pop-Nummer. Die Virtuosität dieser Platte zeigt sich in den Nebengeräuschen der Song, den kleinen Ornamenten im Soundgerüst sowie in den wunderbar soundtrackartigen psychedelischen Einlagen, die das Album skizzenhaft, spontan und doch diffus konzeptionell wirken lassen. Stimmungsvoll und emotional, einen Bogen spannend von bolleriger Partylaune zu müder Katerstimmung, ist Monsters & Silly Songs eine Freistilübung, die man entspannt nebenbei weghören kann, die aber bei konzentrierter Auseinandersetzung unerwartete Tiefe enthüllt. Hier scheppert ein Echo der Doors vorbei, hier ein Anhauch von elektronischen Frühklängen, alles bleibt ungeschliffen, roh, grobkörnig, wie ein Nouvelle-Vague-Film. Die Platte wirkt mitunter verstimmt, atonal, rausgerotzt und das macht sie um so wertvoller für ein Album, das von einem High-End-Remixer und Elektronikfreak kommt. Es ist ein bisschen wie Death Proof - man darf es nicht zu ernst nehmen, muß es als ungeschliffen, herausgerotzt, absichtlich trashig sehen… aber dennoch und eben deshalb hat es eine Frische und Experimentierfreude, eine Breite und Tiefe, die absolut beeindruckend ist und keine Sekunde langweilig wird. Der Vergleich mit Tarantino bringt es auf den Punkt – Joakim zaubert aus seinem eigenen wildwuchernden Musikgeschmack eine neue, hypnotische Indietronika-Melange, die den Titel «Monster» absolut verdient hat.
13. Oktober 2007 15:24 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.