
Während ich mich durch das rund 500 Seiten starke Volume 2 Showcase von Brave and The Bold - mit Team-Up Geschichten von Batman aus den Siebzigern, die fast ausschließlich von Bob Haney verfasst wurden – kämpfe, fällt mir auf, welchen massiven Unterschied in der Tonalität der Erzählungen das Artwork von Jim Aparo ausmacht. Aparo, 1932 geboren, hatte bereits in den sechziger Jahren als Comic-Zeichner bei Charlton Erfahrungen gesammelt, aber aus meiner Sicht hat er seine Hochzeit in den Siebzigern bei DC. Insgesamt gilt heute Neal Adams als derjenige, der einen realistischeren Stil, ein «street feeling» in den Batman der 70er eingebracht hat, aber wenn man mich fragt, hat Aparo einen zumindest ebenso großen Anteil am Aufkommen dieses Looks – und er hat zudem den deutlich höheren Output gehabt und wie ein Arbeitstier jahrzehntelang konsistent an Batman gearbeitet. Auch wenn sein Stil sich in den 80ern verändert hat, weniger detailliert wurde und er nicht mehr selbst als Inker sein eigenes Artwork den letzten Touch gab, ist es nahezu atemberaubend zu sehen, wie Aparos Stil sich von den eher kindlich-naiven Batman von Ross Andru, Bob Brown oder selbst dem talentierten Nick Cardy abhebt. Neben Neal Adams hat niemand auch nur näherungsweise einen so atemberaubenden Stil eingebracht, der Haneys oft seltsame Geschichten auf ein völlig neues Niveau wuchtete. Wenn ich an Superman denke, sehe ich Curt Swan, wenn ich an Batman denke, sehe ich unweigerlich Jim Aparo. Obwohl im Gegensatz zur Primadonna Adams eher ein Arbeitstier, das unermüdlich Seiten produzierte, hat Aparo gerade im Zeitraum 1973-1975 unglaublich Experimente auf die Seite gebracht, die den bisher bekannten US-Comicstil völlig transzendierten und denen man ansieht, das Aparo davor für die Werbeindustrie gearbeitet hat – was nicht zuletzt dazu führte, das Aparo auch noch sein eigener Letterer war und auch die Typographie seiner Comics selbst lieferte, womit er den gesamten Look seiner Seiten voll bestimmen konnte und den doch oft eher albernen «Camp»-Stories aus jener Zeit, die oft immer noch das Feeling der grellbunten Batman-TV-Sendung in den Knochen haben, eine ganz andere Richtung geben konnte und den deutlich erwachseneren und dunkleren Batman von heute vorwegnimmt (wobei Batman heute sicher zu düster geworden ist). Die Grittyness, die Dynamik, die Experimente mit Panels und Schattierungen, das souveräne Gefühl für dramatische Körpersprache und seine atemberaubend detaillierten Alltagspersonen (man beachte einfach mal, welche Pattern Aparo beispielsweise auf Kravatten zaubert) springen förmlich von den Seiten, wo das Artwork von anderen Künstlern eher dazu einlädt, zu überblättern. Seine Professionalität, aber ebenso seine Liebe, seine Leidenschaft für das, was er tut, ist auf jeder Seite zu spüren. Aparo hat weit über 100 Hefte von Brave and the Bold produziert, dazu – neben Aquaman, Phantom Stranger und The Spectre - weitere anderen Batman-Geschichten in Detective Stories und Batman and the Outsiders… und gehört zu den wenigen Künstlern, die in einem Pulp-Medium wie Comics, ohne High-Art zu sein, sondern in den tiefsten dunkelsten Tiefen des Genres arbeitend, eine Energie und ein Können entfalten, dass jede Liebe zu dieser an sich so trashigen Literatur rechtfertigt. Jedes Panel von Aparo bebt vor Energie. Im Gegensatz zu anderen Künstlern ist er nie wirklich ein Star geworden, nie wirklich berühmt. Er teilt dieses Schicksal mit John Romita Junior, einem anderen verlässlichen Arbeitstier (bei Marvel), das ebenfalls sehr fest mit einem Charakter identifiziert wird (Spider-Man) und der zwar bekannt und beliebt ist, aber eben nie ein Superstar wurde. Aber gemeinsam mit Bob Haneys oft seltsam politischen, den Geist der Siebziger und des Rassen- und Generationenkonflikts perfekt aufgreifenden Stories, hat Aparo, der 2005 verstorben ist, einen Stil, einen Look, einen «Klang» für Batman eigenhändig erfunden, der bis heute, über 30 Jahre später, modern und frisch und kraftvoll wirkt und der besser und ehrlicher ist als vieles, was heute produziert wird.
20. Januar 2008 13:35 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.