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Janelle Monáe: The ArchAndroid

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Man kann sicher darüber streiten, ob die etwas kopflastige Concept-Story hinter «ArchAndroid», dem 2. und 3. Teil der Metropolis-Suites der jungen Performerin Janelle Monáe dieses Album nun musikalisch besser oder schlechter machen. Faszinierend ist es schon, wenn eine Musikerin sich eine komplette und komplexe Story ausdenkt, die sich nicht zuletzt schon vom Namen her bei Fritz Lang bedient und eine ganze Story rund um die Figur der Androidenfrau Cindi Mayweather erdichtet. Wo andere Künstlerinnen das Fembot-Thema nur visuell und diffus zitieren, und dabei selten weiter kommen als zum schwachen Zitat des dekaden-alten und immer noch überlegenen Björk-Videos von Chris Cunningham, baut Monáe das Thema zu einem ganzen Epos aus, das – fast wie die Handlung eines Musicals – die Texte und Kompositionen prägt. Ein R&B-Konzeptalbum, wer hätte das erwartet? Und tatsächlich hat «ArchAndroid» mit Genres nichts, aber auch gar nichts mehr am Hut. Mit ihrer zweiten Platte hüpft Monáe über Pop, Epos, Soul, Hip-Hop, Rock, 80s-Retro, 60s-Sweetness, Jazz und zig andere Genrehügel, zitiert hier und dort einen Stil, bleibt sich dennoch immer absolut treu und produziert einen zwar konsumierbaren, aber nie zu glatten Sound, der von smarten Harmoniewechseln, starken Refrains, detailfreudiger Produktion und ihrer phantastischen Stimme geprägt ist. Das Album ist, um es höflich zu sagen, überwältigend und lässt andere zeitgenössische Soulsängerinnen unglaublich blass und armselig aussehen, zumal Monáe es überzeugend schafft, vertraute Elemente in neue Kontexte zu rücken und zu verjüngen. Wenn bei ihr Philly-Sounds und Hornsätze auftauchen, dann so wirsch und in neue Kontexte geprügelt, dass man als Hörer permanent das Gefühl hat, etwas absolut bekanntes und doch völlig Neues zu hören. Es ist ein Meisterwerk an Recycling, das mit so vielen Quellen rotzig jongliert und dabei so selten ins Stolpern gerät. Selbst wenn man den kongenialen SF-Mythos, den die Künstlerin ihrem Werk verpasst, beiseite lässt, ist das Album auch rein musikalisch ein «piece of art», das sich selbst überraschend wenig ernst nimmt und aufs wunderbar-postmodernste nur zu spielen scheint. Es ist fast unsinnig, auf einzelne Songs eingehen zu wollen, zu verschieden und zugleich zu kohärent ist das Album, das aufs sympathische die halbe Musikgeschichte zu umarmen versucht und nahezu keinen Stil auslässt – und perfiderweise dabei immer und immer überzeugt. Wenn Monáe etwa bei «Mushrooms & Roses» plötzlich psychedelisch wird, gelingt ihr das so überzeugend, dass das nur 5 Minuten lange Stück wirkt, als dauere es eine halbe Stunde. Wenn Sie mit «Tightrope» den Dancefloor ins Auge nimmt, darf Beyoncé mal dezent über einen Karrierewechsel nachdenken. «Come Alive» ist eine hektische Miniatur-Oper, «Say You’ll Go» zeigt eine meditative (Fast-)Acapella-Vokalistin, die auch ohne dichte Arrangements Magie entwickelt. Die aus allen denkbaren Richtungen kommenden Gastmusiker wie Saul Williams, Big Boi oder Of Montreal zeigen die Bandbreite, die Monáe abdeckt – «ArchAndroid» ist das ein Crossover-Projekt, das zeigt, das HipHop davon lebt, sich an immer neue Stile und Richtungen anzudocken, diese zu durchdringen, zu verändern und zu besetzen. Selten gelingt das so umwerfend wie mit diesem atemlosen, furiosen, übereifrigen, unwiderstehlichen musikalischem Juggernaut.

28. Januar 2011 18:45 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

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