
Gerade vor dem Hintergrund des fiaskösen Fantastic-Four-Films, der derzeit links und rechts verrissen wird, fällt mir beim Lesen des telefonbuchdicken Fantastic-Four-Essentials vol 4, das die ursprünglich Ende der 60er Jahre erschienen FF 64-83 in schwarz-weiß reprinted, auf, wie falsch der oberflächliche SF-Look des Films eigentlich ist. Ich bin kein großer Fan von Jack Kirby, John Romita war immer mehr, neben Curt Swan, Jim Aparo und Neal Adams, der Zeichengott meiner Kindheit, aber während all diese Herren einen eher der Realität verpflichteten – und insofern auch heute noch modern anmutenden – Stil fuhren, fällt mir erst heute rückblickend auf, wie ungeheuer kraftvoll und visionär Kirby eigentlich war.
Als Kind weiß man vielleicht nicht zu schätzen, wie surreal, wie drogenintensiv und wie BAROCK die Bilder von Kirby sind. Jedes noch so kleine Panel ist vollgepackt mit verspielten Details – und Kirby hat immerhin bis zu vier Hefte im Monat produziert, weit mehr als selbst die schnellsten Zeichner heute –, Details, die vor allem komplett ohne jedwedes Vorbild sind. Ganz abgesehen davon, daß die Anatomie von Kirbys Protagonisten weitab jeder Wirklichkeit war, jede Pose, jede Geste, jedes mimische Detail überzeichnet und mit mehr Energie, mehr Story aufgeladen, hypertropher und hyperrealer war als die steifen Zeichnungen vor ihm, ist auch seine (fiktive) Technologie immer etwas, was bis ins Detail, bis in die letzte Dekoration einer Uhr oder eines Apparates ausgetüftelt wirkt… und doch völlig funktionslos, sinnlos, reine Spielerei, reine Dekoration ist. Aus dem Stand erfindet er phantastische Maschinen, surreale Gebäude, und selbst winzigste technologische Details wirken wie reinster Steampunk – so, als wäre man direkt aus dem 18. Jahrhundert in die Zukunft gesprungen, ohne jemals auch nur die Moderne, das Industrielle Zeitalter, zu erleben. Gott weiß, woher King Jack die Eingaben für seine Maschinenträume, die man heute wohl retrofuturistisch nennen würde, hatte, aber Tatsache ist, daß er der einzige war, der diese Visionen hatte, die doch so gut in die Welt der Comics passen. Die meisten anderen Zeichner, zumal heute, versteigern sich in einen Realismus, der seinen Höhepunkt in Alex Ross todöder photographischer Technik findet, ander abstrahieren zur reinen leeren Kunst, wieder andere imitieren Kirby 1:1… aber nahezu niemand hat es weiterentwickelt oder seine eigenen Visionen entwickelt. Kirby ist bis heute der einzige Comic-Zeichner, der in diesem Stil das Ornamentale, das Barocke mit PopArt gemischt zu Alltagskunst gemacht hat. Eigentlich schade…













16. Juli 2005 00:24 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.