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Isabelle Faust: Bach Sonatas & Partitas

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So einfach und klar wie das Coverphoto, das so wenig will und doch überraschend gelungen herkommt, so einfach und klar wie Isabelle Fausts Outfit auf dem Bild, so ist dieses ganze Album. Der jungen Violonistin gelingt ein kleines Meisterwerk – ein Album, das ohne große Manierismen, aber mit viel Kraft und einer immensen Intimität daherkommt und sich niemals anbiedert, niemals «angenehm» klingt, dessen glasreiner Klang die Kratzigkeit und sanfte Härte der Violine nie abfedert oder schönfärbt, nicht mit Vibrato verzuckert. Zwei von Bachs Partiten und eine Sonate bietet diese Einspielung und als Zuhörer hast du das Gefühl, allein im Raum mit Faust zu stehen, und zugleich in er kühl-zugigen Ferne einer Kirche, so nah und doch distanziert ist das Spiel, das mal verführt, mal wegzustoßen scheint, das in sich ist und doch extrovertiert wirkt, mal kühl und architektonisch wirkt, mal wie flambiert daherkommt, zügig, eilig, innerlich brennend mit der Lust, die nächste Note, den nächsten Akkord zu spielen. Es ist verblüffend, wie virtuos ein Musiker wirken kann, wenn er sich nicht mehr beweisen will, und sich fast detektivisch an die Musik heranbegibt, wie ein Schauspieler per Method Acting in das Barockgefühl hineinschlüpft und eine mitreißende Performance aus den Noten macht. Es ist Musik, in denen die Blätter durch den Wind wirbeln, in denen Sonnenaufgänge und Schneefall möglich ist, gebrochene Herzen und großer wirbelnder Tanz, in der das atemberaubende Können von Faust niemals die Musik verdrängt – schwer genug an der Violine. Leidenschaftlich zieht dich dieses Album in den Bann, in eine Musik, die so persönlich, so minimiert und so intim ist, anstrengender, weniger schmeichelnd, körperlicher vielleicht als ein Klavier-Soloalbum, in einen Klang, der keinen Zweifel daran lässt, wie minimalistisch, wie rein diese Kompositionen sind, in der Faust entfesselt klingt, als sei sie mit einem unsichtbaren Zwilling im Raum, würde sich zu zweit die Noten hinwerfen – so oft makellos und doch menschlich ist ihr Spiel. Eine Solo-Violinen-Einspielung kann schnell eine nervende, eine sogar schmerzhafte Sache sein, weil sie so nackt ist und das Instrument nicht viel Raum für weiche Verklärung bietet, der Interpret selten einfach mal einen sanften Akkord schweben lassen kann, sondern immer und immer rastlos in Bewegung sein muss, weil die hohen Lagen die Ohren oft anstrengen, weil die barocke Klarheit, der Kontast in der Musik, alles andere als «Wellness»-Klassik ist. Faust aber zaubert aus ihrer Stradivari eine Musik, die zu keiner Sekunde nervt, sondern dich binnen Minuten in eine andere Sphäre mitnimmt, deren Reinheit wie klares Quellwasser den Kopf freispült, die belebt und anregt und inspiriert, deren bloß liegendes Gerüst eine Belohnung ist in jeder Sekunde. Es gibt Klassik, die verkleistert und verkitscht, die dich nach unten zieht und wie Schlagermusik fungiert – und es gibt Klassik, die dir die Hand reicht, ohne große Geste, um dich ein Level höher zu ziehen, die ein Geschenk für die Sinne ist und allein die zu hören das Leben besser schmecken, intensiver wirken lässt. Diese Platte gehört ohne jede Zweifel in die zweite Kategorie. Es ist schwer festzunageln, was genau an dieser Platte einfach perfekt und elegant und leicht und richtig ist und es wäre zu einfach, Faust als typisches, junges, gut aussehendes Klassik-Wunderkind abzutun – aber Gott, diese Einspielung ist eine Platte für die Ewigkeit, geniale Kompositionen interpretiert von einem Talent, das hier einerseits die Visitenkarte für die Oberliga der klassischen Musik abgibt und andererseits eine Einfachheit zeigt, die andere kaum in ihrem Alterswerk treffen.

28. Januar 2011 19:15 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

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