Marshall steht über Paul, dessen Kopf seitlich gedreht die Texte in seinem Notizbuch verdeckt, die Schrift leicht verschmiert vom Schweiss und Dreck auf Pauls Haut. Marshalls Mund schwebt, nur minimal zitternd, über Pauls Kopf, eine fast väterliche, fast obszöne Geste. Pauls Haare richten sich unter der Aura von Marshalls Handfläche auf.
«Du weißt schon, dass ich wach bin, oder, Marshall?»
«Natürlich.»
Marshall bewegt die Hand nicht, die in der Anziehungskraft beider Körper gefangen scheint, eine seltsam homosexuelle Geste, die Hand eine Raumkapsel, unfähig, den Heimatplaneten zu verlassen.
Die Geste, väterlich gemeint, aber doch zu intim, quittiert Paul mit einem leisen Ausatmen, dann Ruhe. Seit drei Monaten hat er nicht mehr geschlafen und man sieht es ihm an, die Haut blass, Bewegungen fahrig, Unterkiefer schlaff, der Adamsapfel wie ein eigener Organismus in seinem Hals, nervöser Blutegel, der sich verirrt hat und weder hoch noch runter kommt. Paul hebt den Kopf und an seiner Wange ist spiegelverkehrt Text in seiner naiven Handschrift.
Marshall bleibt fast keine Zeit, überrascht zu sein, als Paul ihm mit voller Wucht auf den Mund schlägt.
9. Dezember 2007 21:15 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.