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Iron Man

Die Figur des Iron Man ist natürlich ein Kind des nicht allzu Kalten Krieges, noch vor dem Vietnamkrieg 1963 von Stan Lee und seinem Bruder Larry Lieber gemeinsam mit Don Heck und Jack Kirby erfunden, aber schon deutlich von der Krise dort geprägt. Er verkörpert die Vorstellung eines brillanten Waffenschmiedes in der Gußform von Howard Hughes, ein brillanter und von den Frauen umschwärmter Erfinder im Dienste der USA, der schließlich selbst zur ultimativen Waffe mutiert – zu einem Menschen, der in einer Art eisernen Rüstung zum fliegenden Panzer wird. Wie bei den Silver-Age-Marvelcomics üblich, war der Mann in der Rüstung, Tony Stark, zwar nicht so ein Everyday Man wie Peter Parker, aber eben doch auch alles andere als ein perfekter Held – Lee verpasste Stark ein Herz, das nach einer Granatenattacke ständig davon bedroht war, durch zur Herzwand driftenden Schrappnell zerstört zu werden. Selbst wenn Iron Man der strahlende postatomare Ritter der amerikanischen Fortschrittsgesellschaft der Sechziger war – Tony Stark saß am Ende unglücklich in der Ecke und lud sein im wahrsten Sinne des Wortes gebrochenes Herz an einer Steckdose auf, um nicht zu sterben. Jeder Einsatz als Iron Man konnte seinen Tod bedeuten, und sein Leben als Playboy war kaum mehr als Fassade – und nicht ohne Grund wurde Tony irgendwann fast zum Alkoholiker.

Die Verfilmung der Comicserie greift die Figur nicht in ihrer ganzen Gebrochenheit auf, obwohl er sehr eng an der Ursprungsgeschichte des «goldenen Rächers» bleibt. Jon Favreau verlegt die Geschichte von den Fernen in den Nahen Osten, aber es ist fast erschreckend, wie wenig man ansonsten an der Sache drehen muss, Krieg bleibt eben Krieg. Der Tony Stark im Film ist zu Beginn – deutlicher als der in der Vorlage – ein arroganter, versoffener Womanizer, der sich in seiner eigenen Brillanz langweilt, weil ihm offensichtlich eine Herausforderung, ein Ziel fehlt… und wie so oft in amerikanischen Filmen führt erst der Absturz einer Person, die persönliche Tragödie, und idealerweise der Tod einer nahestehenden Person, zur Ich-Findung des Helden. So auch hier. Die scheinbar willkürliche Entführung durch afghanische Rebellen und das Zusammentreffen mit dem warmherzigen Dr. Yinsen wandeln Tony – während er sich eine eiserne Rüstung für den Körper baut, wird der um sein Herz demontiert. Und ja sicher, das ist Campy. Die Wandlung vom Waffendealer-Saulus zum eisernen Paulus, der die von ihm selbst in die Welt gesetzten Raketen zu vernichten versucht, ist ohne Frage grobhölzern, ebenso veraltet wirkend wie die Moneypenny-ergebene Pepper Potts oder der ab der ersten Sekunde offensichtlich oberschurkige Obadiah Stane – ganz zu schweigen von dem lahmen Endkampf der beiden Antagonisten Iron Man und Ironmonger. Was den Film aber rettet, sogar sehenswert macht, ist Robert Downey Jr., der mit fast traumwandlerischer Sicherheit die Rolle von Tony Stark ergreift und sich zu eigen macht, ohne dabei auch nur für eine Sekunde pathosschwanger zu werden. Downeys selbstironische süffisante und trotzdem ernste Auslegung der Rolle macht die platten Gags erträglich und verwandelt den Film, der bei schlechterer Besetzung sicher elendig krepiert wäre, zum schnellen und humorvollen Popcorn-Actionfilm. Auch Paltrow und vor allem Jeff Bridges legen ihre stereotypen Rollen mit offensichtlichem Spaß an der Nuance aus und so wird es zur Auslegungsfrage, ob Potts wirklich nur das treuherzig ergebene Sekretärinnen-Dummchen ist oder ob es zwischen ihr und Stark nicht eher eine Art Scully/Mulder-Verhältnis gibt. Und Bridges brilliert so in seiner Bad-Guy-Rolle, das man sich wünscht, der Mann würde den Lex Luthor bei Superman Returns gegeben haben.  Marvels Strategie, auf hochkarätige Besetzung zu achten, zahlt sich hier spürbar aus. Iron Man ist – trotz einiger Schwächen – eine der besseren Comicverfilmungen, und hängt die Spider-Man-Trilogie um Längen ab.

Das liegt vielleicht mit daran, dass sich die waffenstrotzende Rüstung des Eisernen besser für computergenerierte Bilder eignet als ein «lebendes» Wesen. Wo der Hulk nur peinlich wirkt wie ein schlechtes Telespiel und selbst die Spiderman-CGI eher plump war, kann sich der Rechner an Iron Man bestens abarbeiten. AlleVariationen des Iron-Man-Panzers sind liebevoll und detailliert umgesetzt und die Posen glaubhaft den Comics entlehnt. Die Designer des Kostüms haben sich mühevoll an Details abarbeitet, und auch wenn die Stimmen der in den Panzern steckenden Menschen auf Dauer nervig verhallt und verzerrt wirken – was den Telespiel-Charakter der Kampfszenen, die fast zur Gänze CGI sind noch verstärkt – machen die Details, wie etwa Starks Stiefel in den Testphasen, absolut Spaß. Der Film – als erster Teil einer Trilogie angelegt – bietet die übliche Heldenentstehungsgeschichte und erinnert insofern an Batman Begins. Nur das Starks Super-Science eben glaubhafter zu schlucken ist als die eher abgehobenen normalen Superhelden-Geschichten, mehr in der SF/Hightech-Tradition des normalen Actionkinos steckt. Das Favreau und sein Team sich von Marvel-Autoren wie Brian Bendis und Mark Millar bei der Story und bei Iron-Man-Artist Adi Granov beim Design der Mark III-Rüstung haben helfen lassen, ist ein Detail, dass zeigt, wie sehr Marvel entschlossen ist, die Filme näher an die Comic-Mythologie heranzurücken. Iron Man ist natürlich trotzdem ein etwas stumpfer Testosteron-Film ohne sonderlichen Tiefgang, aber die Geschichte vom Waffenhändler, der sich wandeln will, passt- vielleicht unbewusst – natürlich ideal zur Zeit und fasst vielleicht besser als lange Traktate die Sehnsucht der USA nach «Change» zusammen. Dass der Film sich dennoch streckenweise anfühlt wie von der US Army gesponsort – neben der fast unerträglichen, aber eben inzwischen ja leider zur Nor gehörenden Prduct-Placement-Werbung, die sich durch den gesamten Film zieht , ist allerdings fast unausweichbar, Iron Man und das Militär gehören schon fast genretechnisch eng zusammen – Tony ist nicht umsonst im Marvel Universum derzeit der Chef des größten Geheimdienstes SHIELD (der im Film ansatzweise bereits auf auftaucht). So bleibt auch Iron Man natürlich ein vorhersehbarer Nerdmovie, aber einer, der aufzeigt, dass im Spandex-Genre mehr drin sein kann als totale Dumpfbackenfilme, wenn man den Darstellern die Möglichkeit gibt, die Pulp-Vorlagen zur Echokammer von aktuellen Ängsten und Träumen zu machen. Liebenswerte Details, wie etwa Downeys zynische präsentation der Jericho-Raketensysteme oder seine antiautoritär im Sitzen abgehaltenen Pressekonferenz nach seiner Wiederkehr verleihen dem Film eine n eue Ebene, die die Entwicklung des Menschen im Kostüm in den Vordergrund stellen – Stark ist wichtiger als Iron Man – und das ist sicher ganz im Sinne von Marvel, hin zum Human Touch, zur Soap, denn hier liegt der Erfolg der Figuren von Stan Lee. Insofern darf man gespannt sein, wie Favreau im zweiten Teil mit Starks Absturz in den Alkoholismus umgehen wird.

22. Mai 2008 17:27 Uhr. Kategorie Film. Tag .
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