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Irgendwo schüttelt Steve Ballmer seine Gigantischen Fäuste…

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Der iMac von 2008 war einer der Gründe, warum wir den Switch zurück von Windows zu Mac gemacht haben. Nach Jahren von eher etwas albern anmutenden Plastikkisten (wobei der Stanley-Kubrick-iMac sicher nicht unschick war auf seine seltsam retrofuturistische Art)  hatten Jonathan Ive und sein Team hier so gründlich eine reduzierte, klare Version von PC vorgestellt, die mit 10.5 auch zudem ein verglichen mit Vista ziemlich gutes Betriebssystem anbot, das ich zumindest neugierig wurde. Noch 2008 haben wir im Büro komplett mit fast allen Rechnern (bis auf einen) auf Mac umgesattelt – und ich bin bis heute sicher, dass ich nicht der einzige bin, den Vista derart verstört hat, dass er oder sie zu Apple wechselt.

2009 ist Windows kurz davor ein neues Vista vorzustellen, dass zwar immer noch aussieht wie ein japanisches Autoradio, aber zumindest solide laufen soll – und nennt es deutlich bescheidener einfach Windows7. Und ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass Apple nicht ganz zwei Tage vor dem Release der diversen Windows-Softwares einen ganzen Kanon von Mac-Produkten auf den Markt wirft, die sich fast unisono an Einsteiger wenden. Ein ziemlich gut gemachtes Plastik-Unibody-MacBook ab 999 Euro, ein 21″-iMac in der gleichen Preisliga und sogar noch den schon totgesagten MacMini in einer Server-Variante. Bemerkenswert dabei ist vor allem das Flaggschiff-iMac-Modell, das mit stolzen 27″Display  aufwartet, einem i7-Nehalem, bis zu 16 GB RAM und bis zu 2 TB Festplatte… und das alles für etwas über 2000 Euro und mit einer Maus, die sich zwar erst wird bewähren müssen, die aber vom Konzept her derzeit einzigartig am Markt sein dürfte. Damit ist der iMac absolut kein Spielzeug mehr, sondern dringt in die Workstation-Klasse vor, mehr als genug Power für jeden Heimanwender und der vielleicht kompakteste Rechner, den man sich derzeit mit so viel Leistung, einem so großen Display, ohne jedes Kabelwirrwar (immer wieder toll ist die Frage: «Und wo ist der Rechner?») und komplett mit einem stressfreien OS kaufen kann. Abgesehen davon, dass der neue iMac mit dem durchgehenden Glas, dem Alurücken (endlich) und der schmaleren Silhouette definitiv besser in ein Wohnzimmer passt als irgendein PC derzeit auf dem Markt, von Büros ganz zu schweigen. Ich selbst habe einen MacPro und einen deutlich überlegenen Quato-Bildschirm und schaue trotzdem manchmal neidisch zu den Kollegen, die keinen Rechner mehr unterm Tisch stehen haben, sondern nur noch ein schmales Nichts vor sich (leider sind iMac-Screens nach wie vor nicht hardwarekalibrierbar, obwohl es gerade bei den iMacs als integrierte Lösung doch so einfach sein könnte). Die Strategie, Kunden mit iPod und iPhone auf Mac neugierig zu machen und dann mit solchen Einstiegsdrogen auf der Computerebene abzuholen, scheint aufzugehen. Bei allen Problemen, die Apple in letzter Zeit hat (Bugs in Snow Leopard,MobileMe-Launch, ein iPhone, das drei Generationen braucht, um alltagstauglich zu werden, Appstore-Verirrungen und und und), scheint der Siegeszug von Steve Jobs fast unaufhaltbar.

Und das ist natürlich etwas beängstigend – denn jede gute Firma braucht auch eine starke Konkurrenz, die sie mobil hält. Und da Apple zu kleinen Sonderbarkeiten neigt und gerne mal technische Standards komplett ignoriert (BluRay, Flash, eSata usw) oder ad hoc neu definiert (DisplayPort), ist das essentiell auch für Apples R&D selbst – wo keine Herausforderung mehr ist, werden die Controller ansonsten die Forschung und Entwicklung ausbremsen, um den Profit zu maximieren.

Und es ist verwirrend. Denn schließlich ist Apples Erfolg relativ leicht nachvollziehbar und auch plausibel, insofern lässt sich deren Strategie leicht auf andere Bereiche, aber eben auch auf das Computer/Entertainment-Geschäft selbst anwenden. Umso seltsamer, dass offenbar keine andere Firma – und wir reden hier ja von Weltkonzernen – in der Lage scheint, diese Strategie zumindest nachzuahmen. Geschweige denn eine eigene, bessere Option zu entwickeln.  Microsoft hat mittlerweile nur noch desaströse Software und nahezu keine Hardware im Angebot, Dell und Sony ihrerseits keine ernstzunehmende Software – integrierte und nahtlose Lösungen, die (wie bei Apple) mit jedem hinzugefügten Baustein mehr Sinn machen, können so nicht entstehen. Es wäre an der Zeit, dass ein großer Player der Branche ein eigenes Betriebssystem entwickelt – offener, schneller, kompatibler als alles bisherige – und eine ganze Reihe von nahtlos darauf abgestimmter Hardware. Ich glaube auch nicht wirklich, dass Apples Erfolg nur an der «architektonischen» Vision von Steve Jobs liegt und insofern nicht wiederholbar ist. Mit der gleichen Logik dürfte es auch nur einen Marc Newson oder nur einen Norman Foster geben – in Wirklichkeit wimmelt es aber von exzellenten Produktdesignern und Architekten. Warum also nicht von Plattformanbietern?

Wie die Dinge derzeit stehen, möchte man nicht in Steve Ballmers Haut stecken, der ohnehin ein zwei extrem frustrierende Jahre hinter sich haben dürfte und dem entsprechend mangels eigener Argumente zunehmend nur noch die Option bleibt, die Konkurrenz anzugiften, die ihm nicht nur wenige Wochen vor Win7 ein komplettes OS-«Upgrade» (Snow Leopard lässt sich auch ohne 10.5 komplett installieren, ist also mehr als nur ein Upgrade) für 29 € vor die Nase setzt und damit zeigt, wie überteuert Windows vergleichsweise ist, sondern jetzt auch noch wenige Tage vorm Start eine komplette «Hey komm rüber zu uns»-Attacke startet, die so kurz vor Weihnachten auch sicher fruchten könnte. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Studenten und Heimanwender auf ein MacBook oder einen iMac wechseln werden.

Es ist entsprechend krude, wenn man anfängt, mit MS so etwas wie Mitleid zu entwickeln – keine Firma hätte das weniger verdient als diese -, und sich wünscht, irgendjemand würde diesen Koloss wieder sportiv und aggressiv kriegen und endlich mit Inhalten und Ideen füllen… wir alle würden davon profitieren.

21. Oktober 2009 08:21 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . 9 Antworten.

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