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iPod Nano 2010

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Wo ich gerade so schön beim Thema Apple bin, schnell ein paar Worte zum Nano, bevor es viel zu spät ist. Der neue Nano ist bei uns seit einigen Wochen im Einsatz und eine Revolution. Während Apple beim Shuffle ja leider drei Schritte zurückgegangen ist und von dem völlig buttonfreien Design zurück zu einer größeren Variante gegangen ist, die Play/Pause/Skip auch ohne die passenden Kopfhörer erlaubt, ist der Nano ein großer Schritt nach vorne. Faktisch kaum noch größer als der neue Shuffle (wenn auch deutlich größer als der Shuffle davor, der allerdings so winzig war, dass man ihn ständig suchen musste), ist der Nano durch seinen Clip der perfekte Begleiter für Sport und unterwegs und mit 16 GB auch deutlich entspannter, wenn es darum geht, die Songs der letzten sechs Monate dabei zu haben als der Shuffle, der immer irgendwie zu wenig Platz hat, ganz zu schweigen von Features wie EQ, Album Artwork und der Möglichkeit, in einem Track vorzuspulen. Der Nano ist spürbar leiser als die (tatsächlich sehr lauten) Shuffles, aber auch lauter als der Nano 2009/10, der einfach unfassbar leise war. Bei relativ alter, niedrig ausgepegelter Musik ist dieser Unterschied leider deutlich hörbar, dafür ist der Sound insgesamt durch den EQ deutlich ausgewogener und besser. Leider hat auch dieser Nano, wie alle iPods, immer noch einen durch den User selbst einstellbaren Regler. Es scheint Teil der Apple-Philosophie zu sein, dass der Benutzer selbst am besten mal so gar nichts einstellen sollte – was hier sehr stört, da alle Standard-EQ-Einstellungen nicht gut sind. Während aber der Shuffle überhaupt nur mit guten Kopfhörern zu ertragen war, klingt der Nano auch mit normaleren Kopfhörern schon recht gut und mit teuren Headphones ausgezeichnet. Ich benutze inzwischen die Klipsch s4i, die ausgezeichnet zum Sound des Nano passen.

Die wahre Revolution ist aber natürlich eigentlich, dass Apple hier – zumindest oberflächlich – ein weiteres Gerät in die Touch-Familie geholt auch. Auch wenn noch sehr simpel gestrickt, gehorcht die Bedienung des Nano den gleichen Gesetzen wie die des iPhone oder iPad. Im Grunde ist der Nano also so etwas wie ein Experiment in Sachen Mini-iPhone und ich könnte mir durchaus vorstellen, mehr Zeit und Miniaturisierung vorausgesetzt, dass es sogar (simple) Apps für den Nano geben könnte, die das Gerät, das auch jetzt schon wie eine Art Dick-Tracy-Uhr anmutet, weiter aufwerten. Das ausgezeichnete Display, das zwar nicht so exzellent fein ist wie das Retina-Display am iPhone4, reicht allemal, um auch Details der briefmarkengroßen Plattencover schön darzustellen (ich frage mich übrigens, wie iTunes und iPods und die weitere Verkleinerung von Platten- und Buchcovern auf die Typographie auf diesen Medien wirken wird) und das Interface ist ausgezeichnet zu bedienen. Während am Shuffle Playlisten etwa ein Alptraum waren, sind sie hier kinderleicht zu managen und der Benutzer kann sich wie beim iPhone seine eigene Reihenfolge der Bedienbuttons auf den Bildschirmen hin und herschieben, um seine wichtigsten Funktionen sofort griffbereit zu haben. Ein schönes Feature ist auch, dass die Uhr optional beim Einschalten als erstes gezeigt wird – Apple ist hier wirklich nur noch ein zwei Generationen von der iWatch entfernt -, weniger schön, ist, dass das Einschalten noch etwas fummelig mit dem Powerbutton und nicht durch einen Klick aufs Display stattfinden muss. Etwas seltsam ist auch, dass das Voice-Over-System für die Musiktitel versucht, englische Tracks mit deutscher Stimme zu sagen, wenn man als Sprache generell Deutsch wählt. Wer also nicht nur Deutschen Schlager hört, muss mit einem englischen Display leben oder auf die Stimmansage verzichten, zumindest bis Apple das hoffentlich anders löst. Das man das Display drehen kann hält man auf den ersten Blick vielleicht für ein sinnloses Feature, es macht aber durchaus in der Praxis sehr viel Sinn – je nachdem, wie man den Nano anclipt und oft auch durch die Tatsache, dass der Kopfhörerstecker fast so lang ist, wie der Nano selbst und gerade beim Klipsch ziemlich im Weg sein kann, weswegen es Sinn macht, den Nano anders zu zu befestigen und einfach das Display so zu drehen, das es wieder «stimmt».

Für mich persönlich ist der Verzicht auf die Videofunktionen und Coverflow beim Nano zweitrangig, da ich beides nicht benutze. Ich denke, beides wird in kommenden Generationen wieder zum Vorschein kommen, aber hier scheinen erst einmal Miniaturisierung und Mobilität im Vordergrund gestanden zu haben. Mit Erfolg, denn der neue Nano ist weniger, aber besser geworden und macht den Shuffle eigentlich nur noch zur billigeren Version – aber nicht mehr zum einzigen wirklich kleinen Player. Obwohl fast doppelt so groß wie der 2009er Shuffle, und insofern nicht ganz so «nicht da», ist aber trotzdem mehr als hosentaschenfreundlich klein. Während das iPad ja in Wirklichkeit nicht sonderlich «magic» daherkommt, hat der Nano tatsächlich diese Ausstrahlung – es ist nahezu unfassbar, dass dieser Winzling ein Touchdisplay hat, 16 GB Speicher und ordentliche Features wie ein Onboard-Radio, iPhoto-Gallerie, eine absolut vollwertige Uhr und nike+.

Den Eindruck trübt letztlich nur das etwas maue Industrial Design, das aus der Not geboren wirkt. Die untere und obere Kante muss für das Dock und die Bedieneinheiten flach sein, die anderen Seiten sind aber rund angelegt, um Platz zu sparen und handschmeichlerischer zu sein; der Clip wirkt etwas klobig und ist nicht demontierbar (obwohl er die Breite des Nano fast verdoppelt). Wie so oft bei Apple ist man einerseits zufrieden, andererseits wecken gerade die Unzulänglichkeiten die Lust auf ein noch besseres Gerät, das wie das iPhone faktisch nur noch Glas und einem Alurahmen besteht, konsequenter geformt ist. Man versteht auch beim Nano sehr deutlich, warum Apple über Alternativen zum normalen 2,5″-Klinkenstecker nachdenkt, dessen Länge im Inneren des Gerätes spürbar Platz schluckt und im Design zu seltsamen Kompromissen zwingt. Dennoch ist der Nano alles andere als ein Fehlschlag und man kann nur hoffen, dass Apple weiter konsequent in diese Richtung geht anstatt wie beim Shuffle eine Schritt zurück zu machen. Statt dessen wären eine Kamera und 3G so unrealistisch wie wünschenswert – denn dann wäre der Nano eine Art Mini-iPhone-Uhr mit FaceTime und wir wären richtig stilvoll in der Zukunft angekommen. Chester Gould wäre begeistert.

22. Oktober 2010 16:44 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . Eine Antwort.

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