
Schon wieder der iPad, der nicht nur hier, sondern ja auch auf Twitter gerade monothematisch bei mir ist – aber ich stieß heute morgen auf einen Tweet von Erik Spiekermann, der als Reaktion auf die plötzliche Apple-ist-gefährlicher-als-Google-Welle den iPad als eine Art Fernseher bezeichnet, den man zudem ja durchaus nicht kaufen müssen.
Zum einen werden ihn ganz viele Leute nicht kaufen. Apple gewinnt mit iPod, -Phone und eventuell auch dem -Pad an Boden, ist aber immer noch kein Massenprodukt, einfach von der Preisstruktur her. Es wird billigere Pads geben, die die bei Windows und Linux offeneren Vertriebswege anbieten werden und nicht glorifizierte Verkaufsbuden für iTunes sind. Zum anderen ist tatsächlich beachtenswert, mit welcher Verve Jobs – dem man vielleicht zu Recht unterstellt, hier seinen Abgang von öffentlicher Präsentation bei Apple abgeliefert zu haben – derzeit nahezu jeden großen Namen seiner Branche disst. Microsoft seit eh und je, aber in der Keynote gab es einen unter die Gürtellinie gehenden Vergleich zwischen dem Kindle und dem iPad, der Bezos sicher nicht glücklich gemacht hat, und kurz darauf erklärt Jobs Google als Böse und Adobe als faul, denen der Umgang mit Carbon und vor allem Flash derzeit auch nicht allzusehr gefallen dürfte. Jobs Schläge gegen HDMI und BluRay bei der MacBook-Präsentation noch frisch in Erinnerung, darf man sich fragen, wie ausgeprägt der Größenwahn in Cupertino inzwischen ausgefallen ist oder ob Jobs und Co nur die These des «Viel Feind, viel Ehr» auf die Spitze treiben wollen. Als Consumer will ich möglichst offene und kompatible Systeme, die miteinander auskommen und austauschbar sind – und Apple driftet, bei aller Genialität der Produkte, langsam aber sicher zurück in die Inselmentalität der 90er. Das ist ganz akut aufgrund der schieren Marktmacht sicher gut durchhaltbar, langfristig aber an sich keine für den Kunden akzeptable Lösung, weil sie immer wieder – uns schon seit Einführung des ersten iPod – zu massiven Interessenkonflikten und absichtlich funktionsbeschnittener Hardware führt.
Zentral ist aber, dass Erik dem iPad vielleicht etwas Unrecht tut, wenn er es als eine Art Mini-TV abtut. Tatsächlich ist das Pad bei allen Mängeln und v1.0-Problemen ein Paradigmenwechsel oder vielmehr die konsequente Deklination des stattgefundenen Wechsels mit dem 3G-iphone, der aber mit dem Pad erst richtig greifbar wird. Bereits mit dem 3G iphone ist das Internet von einem Ort, in dem man sich einloggt, zu einem Äther geworden, der einen permanent umgibt. Mit dem iphone, idealerweise (in der Realität scheitert es am crappy UTMS-Netz), ist man immer bereits im Internet und verlässt es nicht mehr. Man ist immer sozusagen mitten IN Googleville. Dieser Wechsel – ebenso wie der zu einer direkten Interaktion via Touchscreen, was in Sachen Interface ebenfalls ein Quantensprung ist, dessen Konsequenzen noch gar nicht zu Ende gedacht sind -, der so klein und bescheiden in Form eines «Telefons» daherkommt, nimmt mit dem iPad auf dem Sofa und Konferenztisch, aber auch auf dem Küchenschrank und im Bett seinen Platz ein. Der Rechner als solcher existiert nicht mehr – als Idee eines Gerätes, das man einschaltet und gezielt benutzt, um damit zu arbeiten oder sich zu unterhalten. Er wird «überschrieben» durch ein Konvergenzmedium, das always on und always there ist. Alles noch sehr eingeschränkt – selbst bei angeblichen 10 Stunden Batterie – aber die Idee ist da: Ein «Computer», der keiner mehr ist, sondern so selbstverständlich wie eine Armbanduhr wird, so selbstverständlich wie eine elektronische Verlängerung der eigenen organischen Wahrnehmung. Das iPad ist die Vorstufe eines «eingebauten» Internets.
Wobei es – und damit wird eine alte Prophezeiung von mir wahr – das Web mit dem iPad in seiner bisherigen Form auch nicht mehr geben wird, oder nicht mehr lang. Aus drei Gründen. a) Erstens werden herkömmliche Homepages an Bedeutung verlieren und funktional ersetzt. Es ist heute eigentlich schon wichtiger, in der Sozialsphäre des Webs präsent zu sein als eine klassische Site zu haben. Facebook, Twitter, Youtube, Myspace, WordPress, Squarespace – das Angebot ist so groß, dass man nicht nur fast kein Webdesign mehr braucht, sondern eigentlich gar keine Homepage mehr. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen, zeichnet sich aber ab und wird sich intensivieren, wenn sich die Communties einerseits öffnen, andererseits Massenphänomen werden, ein Netz im Netz. Der geradezu atemberaubende Erfolg von Facebook in den letzten beiden Jahren sollte da für sich sprechen. b) Das Web wird als Konvergenzmedium alle anderen Medien vereinnahmen. TV, Radio, Buch, Theater, Musik – all das wird aus dem Äther kommen. Das Internet wird kein eigenes Medium mehr sein, sondern ein Äther. So wie wir bei Luft auch nicht mehr die molekulare Zusammensetzung hinterfragen, sondern einfach atmen, wird die Trennung im Web von Inhalten, Speichermöglichkeiten, Formaten zunehmend hinfällig werden (aus Usersicht!), es wird einfach nur bedeuten, Information und Medien jederzeit abrufbereit zu haben. c) Wir werden diesen Äther anders wahrnehmen. Das iPad ist der erste Schritt in diese neue Wahrnehmung. Bereits hier und beim iPhone sind die meisten Programme webbasiert und rufen ihren Inhalt quasi verdeckt von Servern ab. Als User aber nimmt man diese Programme – noch durch das mangelnde Multitasking und schlechte Rechenleistung sehr klobig – eher als Sprung zwischen Sendern oder Tätigkeiten wahr, die simultan sein werden, wenn man erst einmal die Power hat alle zentralen Apps gleichzeitig on zu haben. Wir werden also IMMER geocachen, immer Hinweise aus unserer Umwelt kriegen, immer Twittern/Facebooken/Flickrn, und das alles in Echtzeit. (Wenn ich heute höre, dass es Marketingleute gibt, die «Web2.0-Strategien» verkaufen, wird mir seltsam – es wirkt so, als würde jemand eine Strategie zum «Atmen» anbieten und vermarkten. Es gibt kein Web 2.0, es gibt schon gar keine Strategie, es gibt nur den Sprung in eine neue Form, über Kommunikation zu denken, sich loszulassen, sein Leben online abzubilden – und idealerweise non-manipulativ, was all die Strategen gern völlig außer Acht lassen… wer das Web als verlängerte Ladentheke oder interaktivere Visitenkarte begreift, hat’s noch nicht kapiert.) Wir werden ohne Nachdenken Videoclips schauen, ohne dafür eine App zu starten, warten zu müssen oder ins «Web» zu gehen. Es wird alles einfach aus dem «Äther» eines extrem schnellen kabellosen Funknetzes gezogen werden. Zugleich wird sich die – stetig effektiver werdende – Hardware unseres «Pads» (und das ist hier nur die Metapher für ein Universalgadget, das eine Körper-Web-Schnittstelle darstellt) mit anderer Hardware mehr und mehr verzahnen. Bluetooth, vor allem RFID, und andere kabellose Technologien werden den gesamten Haushalt, unser Auto und natürlich auch den Körper nahtlos verzahnen. Wer jetzt schon sieht, dass eine Fakeware wie SleepCycle ein Verkaufsschlager wird, kan nsich ausmalen, was passiert, wenn iPhone/Pad TATSÄCHLICH physiologische Prozesse abbilden können und sich nachhaltig in unsere Gesundheit einmischen werden. Nike+ und das von Apple vorgestellte Blutdruck-API-Hardwaregerät sind hier nur ein Vorgeschmack. Das iPad ist das Gerät, dass unsere Vorstellung von «Computer» und «Internet» auflöst, zermahlt. Wer jetzt darüber nachdenkt, dass so eine «einfache» Gerätschaft ideal für die Großeltern sei, hat den Clou verstanden – das Pad ist der erste Computer, der relativ leistungsfähig GAR kein Computer mehr ist. Noch ist das Gerät klobig und funktioniert eher wie eine Art Fernbedienung, wo man für jeden «Kanal» (itunes, Facebook, ein Spiel, ein Buch. eine Notiz, ein Film…) einen groben Knopf drücken muss und selbst so ist die schiere Bandbreite der medialen Angebote unfassbar. Der nächste Schritt, nach einer langen Phase der Optimierung, wird sein, auch noch diese Knöpfe wegzulassen, symbiotischer zu werden. Für viele Nutzer, aber sicher für die kommenden Generationen, wird das iPad so selbstverständlich und natürlich sein wie für uns Stift und Papier, und die Frage, was ein «Computer» ist – also das Fremdeln mit der Hardware – wird nicht mehr stattfinden. Jeder iPhone-User wird das bestätigen können, die «Experience» ist ganz anders als die am Rechner, in jeder Hinsicht. Das Pad ist eben genau ein vergrößertes iPhone, aber die zusätzliche Akku/Rechen/Bildschirm-Power dürfte ein Gamechanger sein. For better or worse - iPhone und -Pad sind einer der drastischsten Paradigmenwechsel seit einigen Dekaden, sicherlich noch so wenig raffiniert wie die erste Lok oder das erste Automobil oder die kruden Flugmaschinen der Wrights. Aber die Idee ist im Raum. Tatsächlich ist der Elefant im Raum so groß, dass Apple ihn nicht wird kontrollieren können. Bereits jetzt werden iPhones gehackt, bereits jetzt lässt sich das sehr gesandboxte OS durch die Nutzung eigener Web-Ressourcen recht weiträumig umfahren. Zugleich ist das iPhone-OS das simpelste Betriebssystem, einfach nur ein minimales Interface für Apps. Es ist fast zu befürchten, dass es so einfach nicht lange bleiben kann – aber bisher ist es an Stabilität kaum zu toppen. Wann habt ihr euer iphone das letzte Mal wirklich AUSGESCHALTET? Das iphone ist der erste Computer, der «always on» und immer dabei ist, aber die kleine Bruttofläche des Bildschirms macht es für viele Dinge unbrauchbar. Ergo das iPad, das auch nur ein Babyschritt zu einer besseren Lösung ist – für Apple aber den langfristigen Abschied vom Desktop-PC einleitet.
Das iPad ist insofern kein glorifizierter Fernseher sondern so eine Art Cargo-Cult-Version der SF-Idee eines symbiotischen Computers, eines wirklich Personal Computers. Womit sich die Kritik, dass das Web – der Äther – zu allwissend, zu intrusiv, zu nah an uns herankommend ist, weitgehend erübrigt. Deine Unterhose weiß auch zu viel über dich – und so intim und privat wie die Unterbekleidung, wie die Luft, die man atmet, wird der «Äther» auch sein. Es wird die komplette Transparenz geben, weswegen wir auch neue Umgangs-Regeln und neue Respektsformen miteinander auch aber auch durch die den Äther vage dominierenden Anbieter untereinander und uns Usern gegenüber werden finden müssen. Und ja, das klingt natürlich bedrohlich nach Huxley. Und in einer von egoistischen Politikern und Konzernlenkern geführten Welt darf man diese Gefahr nie unterbewerten. Den Prozess aufhalten wird man aber kaum können – hier wären die religiösen Fundamentalisten die letzte Bastion der Antitechnologie – ebenso wenig wie man Feuer oder Rad aus der Weltgeschichte ausradieren hätte können. Die Katze, mit anderen Worten, ist aus dem Sack – und das ehemalige «Internet» wird zum vollwertigen exogenen Körperorgan, zur Sinneswahrnehmung, zum Gedächtniselement, zum Teil unserer gesamten Wahrnehmung von Welt, so wie wir das Lesen über die Jahrhunderte längst als weit über die Informationsaneignung hinausgehendes Paradigma des Denkens, des analytischen Zerlegens und Ordnens von Wirklichkeit, oder auch die Sprache an sich als quasi-fiktionale Brechnung und Greifbarmachung von Welt angenommen haben. Was gerade passiert, mit Ächzen und Gurgeln, ist die Geburt einer neuen Sprache, eines neuen medialen Systems zur Weltaneignung, zum Denken – und der sprunghafte, hypertextuelle Charakter, der so viel kritisiert ist, zeichnet ab, wie sehr wir uns von der Links-Rechts-Oben-Unten-Geradlinigkeit der Gutenberg-Denke verabschieden werden, die ja sogar unsere Wahrnehmung von Zeit und Leben so entscheidend geprägt hat.
Es klingt hochgestochen, weil der iPad natürlich nur ein Symptom ist, wie der VHS-Rekorder oder das Radio oder die Filmkamera nur ein Symptom ist – aber in diesem Jahrhundert beginnt die neue Moderne, die unser gesamtes Denken verändern wird.
4. Februar 2010 08:46 Uhr. Kategorie Technik. Tag Denken, Gesellschaft, Medien, Zukunft. 27 Antworten.
Ich hasse das, wenn ich sowas tun muss, aber in diesem Fall muss ich doch mal einschreiten. Es heißt “das iPad”, nicht “der”. Siehe einfach http://www.apple.com/de/ipad/, da schreibt Apple selbst “das iPad”, und die sollten es ja wissen.
Sorry für den blöden Rechtschreibkommentar, aber ich konnte nicht anders.
Oha, HD ist Geocacher!? Das wird ja immer besser… ;)
Wenn du mal eine Hamburg-Tour machen willst, sag Bescheid. Hier gibt es eine ganze Menge sehr geiler Caches und ein paar atemberaubende LPCs!
Grüße
Alex
das ist interessant, das iPad ist die erste kiste, die ich meinen eltern, beide über 70 und ohne jede computererfahrung zum spielen geben würde. ich denke in der tat, das ding ist wirklich zu begreifen, weil man dazu nicht wissen muss, was ein computer und was ein betriebssystem ist. das iPad, der touchscreen, verkürzt die bedienung des gerätes auf so elegante art und weise, aus sicht des erfahrenen users natürlich durch fehlen jedes vom herkömmlichen betriebssystem gewohnten umgangs mit dateistrukturen und ordnern, das die berühungsängste vor so dingen, wie tastatur mouse etc. einfach weg ist. wenn man abgesehen vom »äther-gedanken« hier inhaltlich und technisch weiterdenkt, hätte apple vielleicht nicht sagen sollen »magical usw.«, sondern eher »we reinventend the personal computer«. darin sehe ich die eigentliche idee des iPad. :)
sooo… für mich wirds immer DER ipad sein, egal was wer sagt. DAS ipad klingt beknackt. Es ist der iPod, so why the fuck not DER iPad? Grammatik ist, wenn man trotzdem lacht. Beides wird sich durchsetzen, denke ich. Was Apple ins Deutsche übersetzt, ist eh nicht immer dem Gelbe vom Ei ;-)
Geocacher bin ich nicht, ich komm doch nicht aus dem Büro, my dear. Ich hab mir Gowalla mal angesehen, fänd die Idee gut, wenn es ohne Spielaspekt wär und tatsächlich funktionieren würde.
Thomas, ich stimme dir voll zu – es geht nur noch viel weiter. Der iPad ist (neben das iPhone) dem erste Mensch-Web-Interface, wo haaaalbwegs das Bediener vergessen kann, dass es ins Internet ist.
Hugh!
> Der iPad ist (neben das iPhone) dem erste Mensch-Web-Interface
>Grammatik ist, wenn man trotzdem lacht.
Na dann ist ja gut! ;-)
okay meine grammatik ist auch für das arsch, wie ich gerade sehe. who fucking cares. lehrer only. :)
Ich find der iPod/der iPad trotzdem irgendwie cooler…
:-D
Auch wenn ich einigem hier tendenziell zustimme: «b) Das Web wird als Konvergenzmedium alle anderen Medien vereinnahmen. TV, Radio, Buch, Theater, Musik – all das wird aus dem Äther kommen. Das Internet wird kein eigenes Medium mehr sein, sondern ein Äther.» halte ich in mehrfacher Hinsicht für ausgesprochenen Unsinn.
Das Internet war noch nie ein Medium, sondern immer schon ein (ziemlich vielgestaltiger) Äther. Da ging es nie um etwas wesentlich anderes. Es sei denn, man verwechselt die Kombination von WWW und Browser auf einem Desktoprechner mit dem Internet.
Weiterhin gibt es immer mediale Eigenschaften, die ästhetisch (in der wörtlichen Bedeutung) nicht reduzierbar und nicht in andere Medien übertragbar sind. Für digitalisierte Objekte gilt allgemein das gleiche wie schon zuvor beispielsweise für Fotografien: reproduzierbar sind niemals die Dinge selbst, sondern immer nur deren (meßtechnisches) Abbild. Bisher haben auch die allerwenigsten neu aufkommenden technischen Aufzeichungs-, Übertragungs- und Wiedergabeverfahren ein bereits bestehendes wirklich obsolet gemacht – es sei denn, es ließen sich ALLE wesentlichen Eigenschaften übertragen (das könnte man z. B. vielleicht noch für technische Krücken wir das Fax mit seinen Komponenten Bilderfassung → Bildübertragung → Bildausgabe behaupten, wobei das mediengeschichtlich auch bis weit ins 19. Jahrhundert reicht – frag’ dazu mal z. B. Christian Kassung [HU Berlin]). Das Theater beispielsweise KANN aber nicht aus dem Äther kommen, denn das Theater lebt u.a. ganz wesentlich vom unmittelbar erfahrbaren Raum, von physischer Präsenz, von der Unmöglichkeit perfekter mimetischer Illusion/der Sichtbarkeit des Apparats etc. Dass man die körperlichen (Zeit-)Räume des Theaters mit vernetzter Computertechnologie gewissermaßen «perforieren» kann (und damit auch eine Erweiterung der kulturellen Form ermöglicht): selbstverständlich. Es lässt sich aber nicht durch diese ersetzen. Und bei der Musik muss man u.a. unterscheiden in die «reine» Distribution von Aufzeichnungen (inkl. der Interfaces dafür), den sinnlichen und sozialen Erlebniswerten (inkl. dadurch ermöglichter zwischenmenschlicher Interaktionen) den ein objekthaftes Produkt/Artefakt wie z. B. eine Schallplatte mit allem Drum und Dran bietet (ließe sich z. B. sicher auch gut als Objekt-plus-Äther-plus-Software realisieren, konvergiert dabei aber nicht in Äther-plus-universelles-Repräsentationsgerät), und den eines Konzerts im weitesten Sinn. Insgesamt findet im Wesentlichen immer eher eine Differenzierung statt, die das jeweils wirklich spezifische der (technischen) Träger kultureller Formen herausfiltert. Und was auf diesem Spezifischen aufbaut bleibt meistens zumindest erhalten oder erlebt ggf. sogar eine neue Blüte.
Das Web wird es eh nach wie vor in seiner bisherigen, seit 1991 existierenden Form geben. Es wird bloß endlich zunehmend besser verstanden, als das was es eigentlich schon immer war: «small pieces, loosely joined» und mit Rechenleistung auf Basis formaler Logik versehen (was äußerst wesentlich ist, was aber viele offenbar die meiste Zeit über nicht wirklich kapiert haben – ich hoffe nach wie vor, dass sich das endlich auf breiterer Front ändert). Das WWW war von Anfang an eine softwarebasierte Plattform mit hochgradig modularer, verteilter und vernetzter Struktur auf Basis von standardisierten Internetprotokollen (hier: Paket-Kommunikation via TCP/IP) und mit unterschiedlichsten Ausgabekanälen. Unzutreffende Metaphern wie «Seite» und Co. waren daher auch nie mehr als bestenfalls rudimentär funktionierende mentale Krücken – nicht das WWW an sich wird daher verändert, sondern die Lahmen lernen langsam endlich laufen.
Ein paar wesentliche Charakteristika von iPhone und iPod finden sich übrigens z. B. bereits in den alten PDAs mit Palm OS, darunter Transportabilität, Simplizität, Stabilität, Statusspeicherung bei den Anwendungen, soweit wie möglich verborgenes Dateisystem(!!!), Synchronisation, …. Nicht dass u.a. Multitouch und universelle Konnektivität die möglichen Anwendungen & Interaktionen etc. nicht signifikant verändern würden. Trotzdem haben wir allgemein in der Medien- bzw. Technikgeschichte erheblich mehr Kontinuitäten und erheblich weniger Brüche, als dies vielen bewusst zu sein scheint. Da beginnt und endet meistens gar nichts so deutlich, sondern das allermeiste setzt sich schlichtweg fort bzw. wird langsam transformiert: _Evolution_, nicht Paradigmenwechsel. (Apple versteht sich dabei bisweilen recht gut auf die entsprechende Popularisierung, m. E. unter anderem deswegen, weil sie schon schon länger primär die Nutzer-/Konsumentenerlebnisse in den Vordergrund stellen [und das i.d.R. auf Basis von gut erfahrbaren Problemlösungen, das lässt sich u.a. ziemlich gut anhand von iPod/iTunes/iTMS zeigen], und weniger Technologie bzw. Produkte an sich.)
Ein nicht ganz unwichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang: die (popularisierten) Erscheinungsformen von Technologie bestimmen m. E. sowohl eindeutig den bestehenden Verfügungsrahmen der Nutzer über die Leistungen der Maschine und die damit möglichen Handlungen als auch die weithin die _Vorstellungen_, man sich von deren Möglichkeiten macht.
P. S.: «Hypertext» ist in der gängigen Form nach wie vor nichts als eine ziemlich substanzlose religiöse Behauptung, die aus Gründen, die ich nicht verstehe, einfach nicht sterben will. Nicht-lineare Erzähl-/Rezeptions-/Denkmuster sind uralt und haben nichts, aber auch gar nichts mit den Medien zu tun, die dafür benutzt werden. Das aristotelische Theater beispielsweise hätte sich kaum so sehr über die Einheit von Raum und Zeit etc. ausgelassen, wenn diese so selbstverständlich wäre. Mit Songlines, Talmud & Kabbala, Gedächtnistheater, Lexika & Co. will ich dabei gar nicht erst anfangen. Was übrigens nichts daran ändert, dass die lineare Zeit- und euklidische Raumstruktur in der Wahrnehmung der allermeisten Menschen ziemlich unveränderlich zu sein scheint, der ganzen Physik des 20. Jahrhunderts zum Trotz.
P. P. S.: Zum Thema «Gutenberg-Denke» empfehle ich Michael Giesecke: Der Buchdruck in der frühen Neuzeit [1991]; bei Gutenberg gibt’s auch tatsächlich einen ziemlich radikalen Paradigmenwechsel: weg vom bis dahin dominanten Denken in Exempeln, hin zu Typisierung, Modularisierung und Serialisierung. DAS war letztlich die wesentlichere (kulturelle) Revolution – und diese wirkt ziemlich deutlich bis heute. («Geradlinig» mag im übrigen vielleicht noch das mittelalterliche _Manuskript_ gewesen sein, der _Text_ der Neuzeit mit all seinen Ein- und Unterteilungen, Indizes, Seitennummern, Fußnoten, Referenzierungen etc. war es dagegen mit Sicherheit nicht mehr.) Nebenbei erhielt durch das Lesen außerdem der Gesichtssinn eine so bisher nie dagewesene Dominanz – was sich ebenfalls bisher fortsetzt. Es wäre eigentlich an der Zeit, dass man sich von dieser unsäglichen sinnlichen Verkrüppelung durch die Fixierung auf Bildschirme verabschiedet. Wenn man die Technologie zunehmend noch stärker an den menschlichen Körper koppelt, kann das kaum im Wesentlichen nur über ein einziges Sinnesorgan funktionieren.
P. P. P. S.: «das ehemalige «Internet» wird zum vollwertigen exogenen Körperorgan, zur Sinneswahrnehmung, zum Gedächtniselement, zum Teil unserer gesamten Wahrnehmung von Welt, so wie wir das Lesen über die Jahrhunderte längst als weit über die Informationsaneignung hinausgehendes Paradigma des Denkens, des analytischen Zerlegens und Ordnens von Wirklichkeit, oder auch die Sprache an sich als quasi-fiktionale Brechnung und Greifbarmachung von Welt angenommen haben» → es gab & gibt in der abendländischen Ästhetikgeschichte immer zwei wesentliche Pole, zwischen denen die Auffassungen oszillieren: einen synthetischen/immersiven/mimetischen/zeitverräumlichenden/… und einen analytischen/emmersiven/diegetischen/sequentialisierenden. Die jeweilige Hoffnung wird interessanterweise beidseitig sehr oft in (Kultur-)Technologie verortet: beispielsweise im 19. Jahrhundert waren das einerseits u. a. das Panorama (wesentlich ins Spiel gebracht von Heinrich von Kleist im Zuge seiner sog. «Kant-Krise» als Reaktion u.a. auf die optischen Apparate der Aufklärung) und andererseits die Tabelle (und deren zunehmend maschinelle Verarbeitung/Auswertung). Damit haben wir auch die lustige Situation, dass des öfteren auf Basis 100% analytischer Technologie (vernetzte Computer) eine primär immersiv-synthetisch gedachte Ästhetik erzeugt werden soll.
Tolle Antwort Sascha – fast zu wertvoll für die schnell hingehauene Notiz.
>Das Internet war noch nie ein Medium
Dochdoch. Es ist im Grunde auch immer noch eins. Nicht vergessen: Rein technisch ist Luft auch ein Medium. Aber auch im McLuhanschen Sinne als Erweiterung menschlicher Sinnesorgane ist das Web ein Medium. Was ich meine – es hört nur auf, als solches wahrgenommen zu werden und wird für den Konsumenten mehr zu «Luft» (oder «Energie»), weil es amorpher/polymorpher wird und man nicht mehr das Gefühl hat, überhaupt nocht mit dem Medium in Kontakt zu sein. Gefühlt ist es also irgendwie keines mehr. www/browser ist übrigens für die meisten User das, was «heute» Internet als Metapher ausmacht, so wie vorher BTX oder Bulletin vielleicht «Internet» war. Demnächst sind es eben Apps.
Ich würde nicht behaupten – und nicht hoffen wollen – dass das Web irgendetwas anderes endgültig überschreibt oder ablöst. Mit Ausnahme des Fernsehens, wo mir das am wahrscheinlichsten erscheint. Theater lebt, wie du richtig sagst, von Aura, Kino wird sich auf mittlere Frist durch technischen Vorsprung (3D), Größe, Ambiente und Aktualität versuchen zu retten, Buch hat den haptischen und «gediegenen» Vorsprung. Bei der Musik ist ja nahezu bezeichnend, wie mit der Massendistribution von MP3 die «echte» Musik (also das Live-Erlebnis) wieder in den Mittelpunkt rückt.
Bei all dem darf man aber auch nicht außer acht lassen, dass 3D-Brillen seit Jahren besser werden ;-).
>allgemein in der Medien- bzw. Technikgeschichte erheblich mehr Kontinuitäten
Absolut. Im Grunde ist das ein evolutionärer Prozess mit ein paar Mutationen hier und da – auch der iPod kam ja nicht aus dem Nichts. Paradigmenwechsel hier verwendet, weil ich denke, dass es einen Bruch in unserem Denken über die Interaktion mit «Computern» geben wird, der hier – auch wenn es ein gleitender Prozess ist, klar, der technologisch von Apple ja auch bewusst geradezu heimtückisch in Salamitaktik eingeführt wird – aus meiner Sicht eine deutliche Demarkationslinie hat. Allein deshalb, weil Apple es mit ungeheurer Marketingmacht so kommuniziert – so absurd es ist, es ist eventuell ein Bruch, der als historisch herbeigeredet ist, weil Jobs diesen «full circle» in seinem Leben vielleicht braucht (die Keynote fühlte sich jedenfalls so an), und weil ein Gigant wie Apple diesen Bruch forciert, wird er auch wahrscheinlich kommen :-D.
Es geht mir dabei auch nicht um die Technologie per se – die gibts ja lange. Den MP3-Player hat Apple ja ebensowenig erfunden wie jetzt das Slate-Konzept. Es geht nur darum, wie die Verzahnung von Software, Hardware, Promotion und Marktoligarchie dann einen Shift in der breiten Nutzung forcieren kann. Wie du so richtig zusammenfasst: Das Sein bestimmt ja auch hier das Bewusstsein.
Hypertext ist ein böses Wort, ja – so 80s :-D. Das nonlineare ist in der westlichen Welt aber eben nicht so verbreitet. Und entsprechend ist das westhemisphärische Denken eben doch sehr von der Vorstellung eines Anfangs, einer Mitte, eines Endes geprägt, selbst links/rechts und oben/unten (Leserichtung) haben sich tief in uns als Werte an sich eingebohrt. (Lexika sind aus meiner Sicht keine Erzählung, und selbst die vermitteln pro Eintrag ihr Wissen oft linear, es geht ja gar nicht anders – ohnehin ist auchin Texten, religiös oder lyrisch die Möglichkeit nicht gegeben, IM BUCH selbst, also ohne einen medialen Wechsel, auf einmal komplett etwas anderes, aus dem Text inspiriertes, fortzuverfolgen.) Über den Bruch, der diesem lineares Life-as-text-Denken (bis hin zur Lebensplanung, Religion, Philosophie) bevorsteht, kann man gar nicht oft genug staunen. Wir werden, vermutlich, etwas näher an fließende Vorstellungen kommen, die sogenannte Postmoderne ist ja ein Vorgeschmack davon, und das scheinbare Erstarken religiöser Sinnstiftungsangebote die (erwartbare) Reaktion, sozusagen die Maschinenstürmerei des Mir-san-mir-Linearen gegen das von allen Seiten hereinträufelnde Anything-goes. Aber du hast recht – der Mensch ist das natürlich dickfellig und bleibt bei seinen Ansichten. Nur – solche Prozesse der Schaffung gesellschaftlicher Realitäten dauern Generationen, auch wenn sie heute beschleunigt sind. Bis Dinge so tief sitzen wie ein Inzesttabu oder Birth-School-Work-Death, das dauert. Und die Auflösung genauso. Ich glaube, die Orientierungslosigkeit vieler Menschen heute liegt genau an dieser Bruchstelle, dass ein tief drinnen verankerter erwarteter Lebens-Rhythmus zunehmend nicht mehr in der echten Welt zu realisieren ist, egal ob in Beziehung, Job oder auch nur in der Tagesplanung.
Gutenberg ist der erste Kopiervorgang, ein vorweggenommener Taylorismus, aber eben unter den Vorzeichen der Renaissance, also unschuldiger, besser gemeint.
Indizes und Untertitel empfinde ich übrigens GERADE als «straight», als den Versuch, das eigentliche Chaos der Gedanken zu ordnen, zu atomisieren. Das ist ja genau, was letztenendes auch Gutenberg tut – er folgt der Philosophie des ordnenden, teilenden Denkens, er folgt der Zerlegung der Welt durch Sprache in Phoneme, der Analyse von Wirklichkeit in Symbole – und macht diese nun endgültig atomar, einzeln, rekombinierbar, Wortmoleküle, die zu immer neuen Ketten iterierbar sind. Gutenberg hat insofern die DNA geschrieber Sprache (die an sich ja schon ein doppelter Bruch der sinnlichen Welt ist – Glaswand 1 ist die Zerlegung in Lautreflexionen, Glaswand 2 die Übersetzung dieser Laute in Symbole) geknackt. Die von dir genannten analytisch/sequentialisierenden Trends der abendländischen Tradition haben hier ihren Höhepunkt, in dessen Nachhall wir bis heute leben – und in dessen Auflösung wir zumindest partiell gerade stecken. Die analytische Aufklärung weicht der immersiven Verklärung. Die Tatsache, dass die ultimative Rechenmaschine Computer, die ALLES zerlegt in 0 und 1, ausgerechnet die Basis dafür schafft, Weltmetaphorik immersiver zu erfahren, ist übrigens tatsächlich ganz witzig – aber auch ganz passend. Auch das Buch, ja auch eine eher zerlegende Technologie, die Sprache zerhackselt, Gefühle analysiert, in Buchstabenhappen zerlegt, schafft ja paradoxerweise die Möglichkeit für den Leser, «einzutauchen» in die Gedankenwelt des Autors.
Dass wir insofern kurz (im Sinne von mehreren Dekaden) vor der Möglichkeit einer Art computerbasierten Telepathie sind (und Twitter ist der Vorgeschmack davon), halte ich für nicht gaaaaaaanz undenkbar.
Mit der Dominanz des Visuellen gebe ich dir absolut recht – wieder McLuhan, von der Hörwelt des Urzeitmenschen, der seine Welt stark durch (Warn)-Töne definierte, hin zu einer entsinnlichteren Welt der Wahrnehmung mit den Augen. Was sich wieder über die Jahrzehnte ganz ganz tief auch neurolinguistisch verankert hat – ein guter Manager ist ein «Visionär», er hat «Weitblick», usw – und heute immer noch so ist. Wobei ich denke, der nächste große Schritt ist eben, wieder von den Augen zu den anderen Sinnen zu kommen, ergo die Simulation auszuweiten. Womit wir aber vorsichtig bei Dingen wie Welt am Draht sind, oder plötzlich in einem Lem-Roman, zumindest aber bei der Idee von direkten Computer-Hirn-Schnittstellen, die Sinneswahrnehmungen direkt neuronal stimulieren. Alles andere wäre ein absurder Aufwand. Ich glaube, 1920 hätten Menschen es absurd gefunden, sich eine Art kybernetische Ohr-Erweiterung vorzustellen – heute ist ein Bluetooth-Headset doch fast oldschool und ich hab letztes Jahr jemanden gesehen, der sich das Ding auch nicht-telefonierend nicht mehr aus dem Ohr nahm, der lief einfach so rum… always on :-D
Ich war gestern mit meinen Eltern essen und mitten im Gespräch gab es einen Moment, wo – als Teil des Gespräches, nicht als Abschweif davon oder Rückzug daraus – zwei Leute (not me, ausnahmsweise) an ihren iPhones zugange waren, Fußballdaten verglichen, Fakten checkten. Da zeichnet sich eine seltsame, vielleicht auch kritisch zu betrachtende, Normalisierung ein. Das iPhone (et al) wird zum «Buddy».
In alten Green-Lantern-Geschichten hat der Superheld Hal Jordan auf seiner Schuler einen Alien-Organismus namens «Itty» sitzen (http://everything2.com/title/Itty http://asylums.insanejournal.com/scans_daily/720642.html). Das iPhone ist von dieser Rolle nicht mehr so weit entfernt – und der iPad an sich ist natürlich auch nur eine Zwischenstufe, in der Apple den immer paradoxeren Kompromiss zwischen Bildschirmfläche und Mobilität anders ausbalanciert als eben beim Phone.
Allein dieser Kompromiss, der immer belastender wird angesichts der Schere zwischen der Größe, die ein leistungsfähiger Rechner noch braucht und der Bildschirmgröße, die wir fürs Interface brauchen, wird Lösungen hervorbringen, die weggehen vom rein-visuellen. Multitouch (auch auf dem Geräterücken zB) und Feedback-Displays sind da nur ein erster Schritt…
Diese Perspektive und Euphorie habe ich in all den Artikeln von Engadget, Carta, SZ über Zeit etc. vermisst — Danke HD!
Bzw, Sascha – I like your site http://andcreate.eu/
Wenn wir schon bei der Zukunft sind….
Ich habe da noch Ideen: Der, die, das I-Pad ist ein Zeichen, das schon lange faellig ist. Wann die dann einmal das tauchsichere (all-weather) Geraet bringen werden, das absolut keinen oxydierbaren Anschluss mehr hat und auf der Rueckseite mit Solarzellen beschichtet ist? Das wird in den kommenden paar Jahren auch kommen.
Aber dies ist nur technischer Schnickschnack.
So und nun der richtige Quantensprung: Welche Hard und Software- Verbindung koennte einem ungebildeten Laien wie mir denn jetzt erklaeren, was ihr da alles geschrieben habt.
Ehrlich gesagt, ich hab den Eindruck, da muss mann Fachmann sein um das richtig zu verstehen.
Alles klingt irgendwie gut, aber dann wieder wie eine Struktur, welche hoch ueber mir schwebt.
Und jetzt Zukunftsmusik: Wir schreiben das Jahr 2060. Jimmy komt aus der Schule. Er hat Kopfschmerzen, weil ihm eine Uebung einfach nicht gelingt, naehmlich das stabil eingelogt bleiben. Geraete gibt es nicht mehr, in dem Sinn wie wir sie vor 50 JAhren hatten. Heute wird gelernt, wie man per “Gedankenuebertragung” sich zu andern Menschen, aber auch zum All-Wissen einlogt (natuerlich nicht All-Wissen in dem metaphysischen Sinn). Man lernt, sich in “Netze” einzuloggen und man lernt, wie man sich schuetzen kann, damit die eigenen Gedanken nicht von jedem X-beliebigen “User” gelesen werden koennen. Man lernt auf der Schule, wie man bei zB einem “Ferngespraech” mit einer oder mehreren Personen seine Gedanken zu klaren Bildern formen kann und so diese Gedanken und Worte in klarer Form rueberbringen kann.
man lernt die Mechanismen welche es erlauben aus dem Wirrwar der Eindruecke und der Signale, welche im Raum schweben einen fuer uns nuetzlichen Sinn zu machen.
Es brauch ja auch nicht detailliert zu werden welche “Wissensbanken”, Programme etc jedem jederzeit zur Verfuegung stehen .
Denkt nicht, das ist alles nur Science-fiction. Seit Haxley’s Zeiten gibt es Menschen, welche konsequent an diesen Dingen arbeiten.
Und die Entwicklung wird weiter gehen. Schon in einigen Jahrzehnten, also gegen 2100 werden die ersten brauchbaren Ergebnisse erwartet, wo wir unsere Gesundheit durch mentale Kraft kontrollieren und optimieren koennen.
Zurueck zu 2010: letzteres haben wir doch schon laengst.
Wer kann sein “Selbst” zu 100% kontrollieren? Vieleicht einige Fakiere in Indien.
Wird das Netz auch Antworten geben, wie wir gluecklich sein koennen, wie wir Liebe erleben? Wird diese Sphaere etwa auch oeffentlich oder gar von Politikern kontrollierbar?
Es wird die Kompetition weiter gehen wie zuvor. Menschen werden mit ihren ausgekluegelten Systemen probieren andere Menschen, welche durch was auch immer fuer Ursachen weniger “begabte” zu beherrschen, sie auszubeuten, sie zu betruegen.
Fragen ueber Fragen.
Und letztendlich bin ein kleiner Zwerg, welcher noch kleiner wird, wenn er sieht, wie sich das Laub im Wind bewegt, wie die sich der Eisvogel auf die Lauer setzt auf einem Zweig ueber dem Teich.
in diesem Sinne
Alex
jedesmal wenn ich andcreate.eu aufrufe crasht mein safari. im ff funzt sie aber. mighty apple =)
Ich find der iPod/der iPad trotzdem irgendwie cooler…
:-D
Na, dann aber auch der iPhone, oder wie?
… oder das Moped :-P
>auf der Rueckseite mit Solarzellen beschichtet
War ja eins der haarsträubenderen Gerüchte um den iPad.
>man lernt die Mechanismen welche es erlauben aus dem Wirrwar der Eindruecke und >der Signale, welche im Raum schweben einen fuer uns nuetzlichen Sinn zu machen
Ich finde, das klingt gar nicht so sehr nach SF, sondern nach einem längst sinnigen Fach – und zwar schon seit einigen Dekaden fällig. Eltern, die nicht mit Medien umgehen können, geben diese Unfähigkeit an ihre Kinder weiter, und über die letzten Dekaden ist das eine ziemliche Multiplikation geworden. Bereits heute ist ein Fach, dass sinnvollen Umgang mit Medien und Medienkompetenz vermittelt, wichtig, damit die Jugendlichen in dem Strom aus Angeboten nicht nur technologisch fähig sind (was sie meist eher sind als ihre Eltern/Lehrer), sondern auch kognitiv im Sattel sitzen.
>Wird das Netz auch Antworten geben, wie wir gluecklich sein koennen, wie wir Liebe >erleben?
Jein. Aber bereits heute formen Meiden – Bücher und Filme – unsere soziale Vorstellung von «Liebe» und Beziehung. Schau dir an, wie US-Romantikkomödien bei vielen Leuten die Idee von Ehe und Hochzeit verändern oder wie die medialen Vorgaben davon, was eine «Beziehung» ist, in die tatsächlichen Formen von Zusammenleben hereinfunken und – surprise! – die Leute teilweise total überfordern, weil sich jetzt auch noch dieser Bereich an einem öffentlichen, Hollywood-idealisierten Maßstab messen muss. Ergo: Die Traumhochzeit-Sendung bei RTL, die einzige Chance für Normalbürger, eine Filmhochzeit zu bekommen (und dabei zugleich zum Rohstoff eines zynischen Sendeformates zu werden.)
Im gleichen Maße werden sicher auch weiter mediale Angebote im Web unsere Vorstellungen von Liebe, Trauer, Umgang miteinander formen. Plus natürlich die Ebene einer erleichterten, entregionalisierten Kommunikation via Foren, Social Network usw. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Menschen heute via Facebook, StudiVZ, in einem Forum, einem Flirtchat oder anderen neuen Formen virtueller Öffentlichkeit kennenlernen, steigt sicher. Nicht zuletzt, weil IRL ja die Kommunikationsbarrieren immer höher gehängt werden, weil alle «cool» sein müssen und damit immer unsicherer werden und erst vor ihren Bildschirmen und hinter ihren anonymen Namen wieder relaxen können. Es ist schon etwas seltsam… scheint sich aber seit Jahren als Tendenz durchzusetzen—
ja
“Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Menschen heute via Facebook, StudiVZ, in einem Forum, einem Flirtchat oder anderen neuen Formen virtueller Öffentlichkeit kennenlernen, steigt sicher.”
Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Menschen via sozial network vom realen Leben abgrenzen steigt sicher genau so. Zumal es nicht Ziel des Internets sein kann bestimmte Wahrscheinlichkeiten zu erhöhen. Worin läge da ein wirklicher Nutzen, für das Individuum oder die Gesellschaft? Ich habe noch Freunde aus meiner Abi-Zeit als es mit dem WWW gerade mal los ging in Deutschland, die keine Notwendigkeit sahen, eine Website oder einen Blog zu starten. Facebook, StudiVZ, stayfriends und Co gab es damals ja noch nicht. Wer sich hier zum Einstieg nicht zwingt (Gruppenzwang) is raus. Raus aus dem Adressbuch, raus aus der Kontakliste, raus aus den Informationskanälen. Wenn ich diesen Freunden, um Kontakt zu halten mal einen Brief schreibe, ist das fast schon nostalgisch und traurig zu gleich. Die neue Wirklichkeit hat die Chance verpasst etwas besseres zu sein. Sie ist ein virtuelles Abbild der Gruppen aus dem realen Leben. Vernetzung ist eine Illusion. Es ist eher ein Aufblähen. Beim Internet zeigt sich sehr schön wie dem Schöpfer Mensch das Werk entgleitet, sich der Kontrolle entzieht. Und was macht Homo sapiens sapiens in seiner Not? Er ahmt altbekanntes Verhalten in der Virtualität nach.
Und der Äther ist voll von Spielereien und Ablenkung, welche uns den Schritt ins Freie abnehmen möchten und vorgaukeln wir hätten nun alles zu unserem Glück. Ein Netzwerk hier, ein paar Apps da und jedes Jahr eine neue technische Spielerei die all das noch besser, noch HD-mäßiger, noch virtueller erscheinen lässt. Die Toleranzschwelle steigt. Die Industrie schaft Zwänge für neue Süchte und damit zukünftige Absatzmärkte. Es scheint mir manchmal als sehe man sich selbst im Spiegel zu. Vor zehn Jahren noch hätte ich um diese Zeit mit Freunden im Lokal diskutiert. Heute schreibe ich ein Blog-Kommentar. Ok, schont immerhin die Stimmbander :-)
Da ich in der Zeit vor all diesem aufgewachsen und geprägt wurde, tangiert mich ein neues Spielzeug von Apple nur peripher. Apple ist über die reine Funktion hinaus auch ein Stück Mode, bloßer Stil mit dem man sich schmückt. Denn vieles was Appel in den letzten Jahren auf den Markt gebracht hat ist von geringer Halbwertzeit. Das ist kein Fortschritt, keine Evolution sondern das ist Strategie. Daher würde ich Apple auch nicht unbedingt als Vorreiter bezeichnen, denn dafür sind die Schritte zu sehr vorhersehbar und beschränkt. Apple unterscheidet in erster Linie die Klasse, bestimmte Teilaspekte von Visionen umzusetzen. Salamitaktik, wie du so schön schreibst.
Nun hat man die Wahl dieses System kritisch zu hinterfragen oder mit dem Strom zu schwimmen. Fehlt in der Gesellschaft nicht ein offener Dialog? Das Internet zeigt einen Weg auf, den die wenigsten begreifen. Hemmschuh ist der Profit. Wer mit Verbrennungsmotoren Geld verdient, wird nichts neues einführen, so lange der öffentliche Druck nicht groß genug ist. Und wer mit Apps Geld verdient … dito. Man muss nur mal überlegen wie lange es einen Entwicklungsstillstand bei den Röhrenmonitoren gab, ehe der TFT-Knoten geplatzt war.
Das Internet als Äther war schon immer da. Nur hat man es versäumt diesen Äther wirklich nutzbar zu machen. Statt dessen gehen wir den Umweg über die Krücke Desktop-PC. Ein technisches Vehikel, welches der Schreibmaschine entstammt. Selbst ein Gerät wie das iPad ist da nicht konsequent und schon gar nicht ein Paradigmenwechsel. Dieser wäre vollzogen, durch die Abkehr vom bisherigen Weg der Ding gebundenen Anwendung hin zum nicht verorteten Interface.
Nur ein kleiner Teilaspekt des Artikels, aber vollständige Transparenz wird es nicht geben, Gruppen und Organisationen werden immer die Möglichkeit haben sich irgendwie abzuschotten. Ich halte es für gefährlich wenn Leute dem Individuum sagen, Privatsphäre sei vorbei und es mache keinen Sinn mehr, Daten zurückzuhalten.
Alles was transparent ist, lässt sich strategisch einsetzen. Darum wird es in Zukunft weiterhin und verstärkt Bestrebungen geben, möglichst auf der eigenen Seite möglichst intransparent zu sein. Was wäre ein Mafia-Boss, der die gesamte Kommunikation über einen maximal sichtbaren Facebook-Account führt? Oder ein Politiker, der in einer Talk-Show die Wahrheit sagt?
das internet oeffnet weitere Moeglichkeiten so wie jede neue Errungenschaft der Technik.
Wie wier damit umgehen ist uns selber ueberlassen.
Da gibt es keine “oberste Autoritaet die das regelt.
Ich sehe es als einen riesigen “Marktplatz” wo sich jeder tummeln kann gut oder “boese” gemeint.
Es liegt vielleicht an den Eltern und an den Schulen, die richtigen Werte zu vermitteln, damit unsere Nachkoemmlinge das daraus machen, was wir uns fuer unsere Zukunftsvision fuer richtig halten.
Die Chinesische Regierung hat eine riesige Apparatur geschaffen wo alles unerwueschte herausgefiltert wird. Moechten wir auch so einen Filter haben, der uns die Freiheit nimmt, selber fuer uns zu entscheiden?
Die mediale Expansion geht weiter ob wir es wollen oder nicht. Das einzige was wir tun koennen ist uns ueber unsere Werte klar zu werden. Das ist auch Arbeit, Arbeit an uns selbst. nicht immer das einfachste aber das effektivste.
>Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Menschen via sozial network vom realen Leben >abgrenzen steigt sicher genau so
Unbedingt. Was übrigens bei Film und Buch und Musik auch schon so war – jedes Medium bietet Entfaltungs- und Vereinsamungsaspekte. «Lesen macht einsam» :-D. Tatsächlich ist das Web ja eher ein Medium, dass Menschen – wenn auch eben indirekt – zusammenbringt. Gegenüber dem Fernsehen immerhin etwas besser.
>Das ist kein Fortschritt, keine Evolution sondern das ist Strategie
Apple ist eine nomale kapitalistische Firma und hat als solche ganz sicher eine Gewinnmaximierungsstrategie. Jeder, der Apple für eine Art gesellschaftsverbessernde Einrichtung hält, setzt sich permanenten Enttäuschungen aus :-D.
Evolution bei Computergeräten ist auch so ein Ding – es gibt ja keinen Darwinismus bei Computergeräten (abgesehen von den Absatzzahlen), insofern ist jede Entwicklung hier eine Strategie. Apple macht es stets besonders langsam und mit einem oft zum Nachteil der Hardware werdenden Blick auf Absatzmöglichkeiten im iTunes-Store und die entsprechenden Lizenzen. Das jetzt die Leute sich über das «geschlossene System» Apple beschweren, ist großartig – es ist ja seit der ersten iPod-Generation so.
>Das Internet als Äther war schon immer da
Ähm – was? Ist das eine jugendliche Wahrnehmung? Ich bin noch ohne Web großgeworden. Das Ding ist keine Selbstverständlichkeit.
>Selbst ein Gerät wie das iPad ist da nicht konsequent und schon gar nicht ein >Paradigmenwechsel
Der iPad ist der Einstieg in einen ganz anderen Umgang mit Internetangeboten. Das wirkt so harmlos, wie alles bei Apple harmlos und selbstverständlich wirkt, ist aber zusammen mit neuer Interface-Technologie schon sehr bahnbrechend. Nicht, weil die Sache so neu ist, sondern weil es jetzt zur Massenbewegung wird. Es gab auch vor dem iPhone smarte Telefone, aber keines davon war in Sachen Marketing so groß aufgestellt – Apple hat als Megabrand die Macht, memetisch zu wirken, wie es etwa HTC gar nicht kann.
>Es liegt vielleicht an den Eltern und an den Schulen, die richtigen Werte zu vermitteln
Beide haben dafür nicht mehr die ausreichende Position, befürchte ich. Unter diesem Aspekt war die prä-liberalisierte Gesellschaft fast besser ausgerüstet als wir. Familie und Bildung, und damit das «Bürgertum» sind etwas bedrohte Größen.
>>Das Internet als Äther war schon immer da
>Ähm – was? Ist das eine jugendliche Wahrnehmung? Ich bin noch ohne Web
>großgeworden. Das Ding ist keine Selbstverständlichkeit.
:-P hä hä, danke für das Kompliment, aber so jung bin ich dann doch nicht mehr. War eher im übertragenen Sinn gemeint, als Urwunsch des Menschen zur unbeschränkten Kommunikation mit seinen Artgenossen. quasi am Anfang war der Äther, dann wurden die Kabel gelegt und der Mensch sprach es werde Internet :-)
Um Appels memetischen Wirken entgegen zu treten bedarf es wohl eines gut trainierten kognitiven Immunsystems. Nicht das Apple eine Gefahr darstellt, welche die absolute Weltherrschaft anstrebt, aber zumindest werden dessen Visionen mit deutlich mehr Zucker unters Volk gebracht. Fast wie Sirenengesang.
stephan: nein!!!
früher gab es die notwendigkeit von »wissensverschwendung«, wie sie heute existiert nicht. wissen war etwas für leute, die nicht mit handeln oder körperlicher arbeit ihr geld verdienen mussten, heute ist wissen alles. wissen definiert dazugehörigkeit. oder anders gesagt, »nichtwissen« oder nicht bescheid wissen grenzt aus.
ich habe das web von anfang, d.h. als es ÖFFENTLICH wurde mitbekommen, ’93 mit dem mosaic-browser auf einem unix-terminal im forschungszentrum jülich. ich habe damals schon mails geschrieben. bist heute ist daraus keine selbstverständlichkeit geworden, wie ein »hallo« auf der strasse. wir meinen das, aber es ist sicher nicht so.
apple ist eine der wenigen firmen, sie sich ernsthaft bemüht den gedanken und wünschen im sinne von ideen (!!!) wahrheiten und im besten sinne produkte folgen zu lassen, die imstande sind gesellschaften zu verändern/beeinflussen. ich bin ja immer noch der meinung, dass die leute, die krampfhaft gegen apple sind, nicht verstanden haben, was diese firma wirklich darstellt.
das ist jetzt kein anti-ms gebashe, das ist eine realität. nenne mir bitte eine firma, die etwas in der größenordnung geschaffen hat wie apple mit der verwirklichung der idee touch-screen. es geht nicht nur darum auf etwas ein ingenieurspatent zu haben. es geht darum es anwendbar zu machen, berührungsängste abzubauen. darin ist keine firma so geschickt, wie apple. das ist der einzige wahre vorteil, den diese firma bietet.
denk da mal in ruhe drüber nach. ;)
Thomas, in letzterem kann ich dir nur zustimmen.
Die Philosophie von apple war es, zumindest seit der Mac-Einfuehrung Computer ergonomer zu machen. Spaeter kamen andere Geraete dazu wie Ipod und ganz besonders Iphone. Und ich bin sehr froh darueber. Es hat den Zugang zu Maschine Computer wesentlich erleichtert. Gegenueber anderen Systemen ( Linux mal ausgeschlossen ) hat apple die bessere Stabilitaet und den besseren Virenschutz.
Ich kann mich noch erinnern an die Zeiten wo ich Naechte lang probiert habe, den Pc in Gang zu bekommen, ganz am Anfang war man ja noch ein regelrechter Disk-jockey.
Auch kann ich mich noch an Comodore und Sinclair Zeiten erinnern.
Was wir in den James Bond Filmen gesehen haben, vor 30-40 Jahren (und in vielen anderen Filmen) hat unsern Durst geweckt. Wir wollen das Geraet haben, was uns die groesst moegliche Bequemheit und Anwendungspalette liefert, es soll handlich sein und easy to use und natuerlich nicht 10’000 Euro kosten.
Dass Apple eine Firma ist die, wie jede andere in der Branche prifitorientiert arbeitet, ist ja kein Geheimnis. Unsere rationale Denkweise fuehrt uns zum profitorientierten handeln.
Aber man muss apple zugestehen, dass sie es immer wieder fertig bringen einen Funken mehr Intelligenz und besonders Kreativitaet in ihre Entwicklung zu bringen als die allermeisten “Mittbestreiter”.
Und solange diese Philosophie in Cuppertino gelebt wird, werden sich auch die Aktionaire freuen koennen.
Ich muss gestehen, dass ich auf meinem fuschneu installierten snow leopard mit Quicktime 10 die keynote von Jobs nicht abspielen kann. Da hat sich der Techniker wohl einen kleinen Fehltritt erlaubt. Ist bestimmt nur ein Einstellungsproblem” ( Dazu sei gesagt, dass ich in Thailand lebe und hier ticken die Uhren anders als im hochentwickelten Germany)
Was ich feststellen kann, ist, dass bei jeder Entwicklung in der Technik, soviele Skeptiker, Theoretiker, Moralisten usw. sich laut zu Wort melden. Das scheint irgendwie dazu zu gehoehren. Ein Produkt erhaellt seinen pikanten Akzent oft erst durch die kontroverse Diskussion drum herum. Wenn mich nicht alles taeuscht haben Werbestrategen das laengst fuer sich entdeckt.
Nichts ist frustrierender als wenn niemand von deinem Produkt spricht, sich niemand drum kuemmert. Besser eine negative Werbung als gar keine. Die negative Werbung, wenn es dann Schlagzeilen macht, bietet auch immer die Moeglichkeit die falsch interpretierte positive Seite in die selben Schlagzeilen zu bringen. Das ist “spannend” das wird angeschaut, gelesen, gehoehrt. In unserer konsumorientierten Kultur ist Sensationsgeilheit ebenso wie eine Art Voyeurismus im Betriebssystem eingebaut.
@ thomas
mein letztes posting ist eine rein theoretische Überlegung gewesen :-P Persönlich mag ich Apples Design, weil es augenscheinlich den Menschen mit seinen Bedürfnissen vor die Maschiene stellt. Da darf und muss es in dieser Richtung auch weiter gehen. Die Auswirkungen eines induviduellen, von seinen technischen Beschränkungen befreiten, nicht mehr wahrnehmbaren – denn dahin scheint diese Entwicklung hinzuzielen – Informations-, und Vernetzungsangebot scheinen mir momentan aber recht wenig diskutiert. Meines Erachtens ist die Definition “Wissen = Zugehörigkeit” ja nicht quasi gegeben durch einen intuitiv bedienbaren und überall verfügbaren Zugang zum Internet. Dieses Wissen muss aus den dort verfügbaren Informationen erst einmal erlang werden.
TouchScreen is großartig, innovativ und zukunftsweisend, doch wie geht die menschliche Psyche mit derart leicht kontrollierbarer Technik um. Wie werden sich soziale Kontakte entwickeln oder der zeitliche Druck. Man schaue sich nur mal den Quantensprung von der tagedauernden Post zur E-Mail an. Wer kann heute noch auf eine Antwort wirklich warten ohne täglich, unruhig das Postfach abzurufen.
Die neue Technik ist am Individuum ausgerichtet. Es gibt keinen Gruppengedanken dahinter. Jedem sein Touch-Dingsbums. Die von HD angesprochene Äthergesellschaft ist auch eine Gesellschaft der Abgrenzung. Man muss nicht mehr den direkten Kontakt suchen. Ich vermute, dass wir heute alle mehr Zeit mit technischen Geräten verbringen als noch vor 10 Jahren. Und das meistens allein davor. Eine Aussicht auf diese Zukunft stellen die Hikikomori in Japan dar, wenn auch nicht direkt übertragbar, weil hier auch gesellschaftliche Aspekte eine Rolle spielen. Das kann “auch” eine Folge der immer leichter zu bedienenden Technik sein. Der totale Rückzug aus der Gesellschaft.
Was mich neben all dem Apple Hype eigentlich interessiert ist, ob sich darüber auch jemand Gedanken macht. Nicht nur hier, auch bei Apple. Ich bin kein Pessimist. Aber ich wurde zu einer gesunden Skepsis erzogen und dass es wichtig ist, die Welt wie wir sie gestalten täglich zu hinterfragen.
vor 40 Jahren, als ich zur Schule ging wurden solche Themen gern als Dissertationen gegeben, allerdings damals wurden Maschinen und Automatisierung generell in Frage gestellt, mit all seinen gesellschaftlichen Aspekten.
Was jetzt neu ist ist die Isolierung. Wirklich neu? Meiner Schwester wurde damals manchmal vorwurfsvoll angemerkt, sie isolliere sich mit ihren Buechern (damals waren es Karl May) in ihr Zimmer und taucht knapp zu den Malzeiten auf, und dann noch mit Buch in der Hand, versteht sich.
Ich bleibe dabei, dass die Eltern sowie die Lehrer und Erzieher ueberhaupt hier eine wichtige Rolle haben.
Andererseits, so empfinde ich es, ist die Welt nie so “unisolliert” gewesen wie heute: Brauch ich einen Rat, maile ich mal kurz ‘nen Freund an oder suche in Foren.
Ich kann fast jederzeit mit fast jedem in Kontakt treten.
In Thailand sitzend, kann ich (sogar gratis) mit meiner Schwester in Oesterreich und meiner Mutter in Lux ein Konferenzgespraech fuehren, ganz ohne Stress. Sowas nenne ich nicht Isollierung.
Aber ich kann verstehen wovon du sprichst, schliesslich hab ich einen Sohn, welcher sich tagelang in sein Zimmer zurueckzieht und an seinen Computern herumbastelt, in Foren stoebert, mit Kollegen chattet, und rasante Spiele betreibt, deren “Vertraeglichkeit” mit meiner Vision ueber Erziehung mehr als fragwuerdig ist. (er lebt nicht bei mir und so habe ich keine grosse Influenz auf seine Beschaeftigungen)
Er kapselt sich auch vor Kollegen und Freunden ab, scheint manchmal nur aus virtuellen Werten zu bestehen. Wirklich so sehr virtuel. Haben wir als Kind nicht auch gerne alleine zu Hause Spiele gespielt und uns danach mit Freunden darueber ausgetauscht, uns geruehmt?
Aber wir koennen uns doch darueber freuen, dass wir das Geraet, was uns sooooo fesselt, alleine ausschalten duerfen (noch) ohne dafuer bestraft zu werden, zumindest privat.
Was den Zwang angeht, unbedingt dazugehoehren zu “muessen”: es gibt jetzt schon, und das ist auch bei der juengeren Generation nicht ausgeschlossen, sog. Anti-Bewegungen. Es ist so aehnlich wie mit dem fast-food: man muss nicht immer jeden Bloedsin bis in die letzte Konsequenz mitmachen. Nicht um sonst hat sich in Italien die “slow-food” Bewegung durchgesetzt, mit steigendem Erfolg und mit “Export-Tendenz”.
Der technische Schnickschnack wird unsere Welt nicht zum Untergang bringen, sondern der Mangel an Bewusstsein, wie man mit dem umgehen kann / sollte.
Fast alles kann zur Droge werden, zur Zwangshandlung fuehren, deshalb ist generell angesagt, dass die Werte, welche uns in unserer freien Entscheidung, bewusst zu leben, bestaerken weiter auf dem klassischen Weg vermittelt werden.
Wir koennen den Fortschritt nicht aufhalten, allein die Idee daran ist utopisch. Wir koennen nur lernen, wie damit umgehen. Das war immer so und wird so bleiben. Wir sind doch keine Marionetten, welche nach der Pfeife einiger Politiker, Werbestrategen usw. tanzen!
ich denke sogar, dass es die wichtigste Rolle ist. Erst mit gereiften psychischen Fähigkeiten sind wir doch in der Lage uns in der Gesellschaft zurecht zu finden. Mit dem Internet wurde eine Tür aufgestoßen, die ja nicht mehr zu schließen ist und hinter welcher sich erstmals in der Menschheitsgeschichte die Möglichkeit des Wissenserwerbs für jedermann verbirgt. Einen leichten, menschenwürdigen Zugang dazu zu schaffen ist nur der logische Schritt. Natürlich bilden sich neue Abhängigkeiten, die Möglichkeit der Manipulation und Fehlinformation. Daher ist eine Schulung zur Aufmerksamkeit und richtigen Filterung der Informationen unumgänglich … und leider bisher in unserem Bildungssystem nur vage vorhanden. Ich halte auch die Idee “Open Source” für DAS Kind des Internets schlecht hin. Man darf gespannt sein, was der Mensch aus dieser Möglichkeit macht.