
Das Londoner Quintett um Sänger Bnann legt das stets schwierige zweite Album vor – und scheitert am eigenen Erfolg. Wo die erste Platte einen schönen tanzbaren Mix aus Gitarre und Spätachtziger Rave-Sounds hatte, recht simples aber beherztes Songwriting mit einer guten Ladung Dreck aus den Boxen rotzte und live auch absolut überzeugte, wirkt die zweite Plate seltsam überproduziert und zugleich lahm. Die blubbernden Roland-Acid-Sounds sind mehr Klavier und bombastischer Produktion gewichen, die Songs wirken geradliniger, mehr Stadionrock als Dark Disco.
Es ist eine kritische Sache für eine Band, ihren Sound weiterzuentwickeln – zu wenig und die Fans werfen dir Stagnation vor, zu viel und du vergraulst sie direkt. Aber es gibt Entwicklingssprünge, die respektierst du als Zuhörer, weil die Band sich offenbar entfaltet und weiterentwickelt – sie fordern viel von dir und verschrecken vielleicht sogar, aber zugleich ist klar, dass hier eine Neudefinition, eine Spektrumserweiterung stattfindet und du mitgehen kannst. Universe in Reverse ist das genaue Gegenteil. Das erschreckende an diesem Album ist, dass es die typische zweite Produktion ist, auf der das Management und/oder die Band einfach einen Hit wollen. Das Ergebnis ist straighter Indierock ohne Ecken und Kanten, Mitsing-Refrains und Frankenstein-Melodien, die man irgendwie irgendwo alle schon mal gehört hat. Nicht selten erinnert diese Melange aus Rockpop und Bnanns ja durchaus markanter Stimme dann frappierend an einen härteren Robbie Williams – beileibe nicht die Sorte Assoziation, die man haben will, wenn man eine Indie-CD einlegt. Was vorher nach engen heißen Clubs klang, ist jetzt für die große Bühne, den großen Pathos umgestrickt – und dabei erreicht nicht ein einziger Song auch nur näherungsweise das Niveau des Debuts, wobei Code 1 noch am nähesten dran ist. Schon das Debut war kein großes Abum, aber immerhin die Sorte Platte, die du ganz durchhören kannst und die mit Love Like Semtex und Jagger67 zwei großartig tanzbare Songs vereint.
Während also der Erstling dem Britpop 3.0 ewas halbwegs neues mit auf den Weg gab, diese seltsame Mischung aus Elektro und Indiepop, ist Universe in Reverse die Sorte Platte, die beim ersten Hören ein Kopfschütteln kriegt und die man auch so bald wirklich nicht wieder herauskramen wird, weil sie unehrlich wirkt und mehr auf Kommerz, Open-Air- und Radiotauglichkeit ausgerichtet als auf die natürliche musikalische Weiterentwicklung einer Band. Das Ergebnis ist einfacher Haudrauf-Prolorock für Menschen, die auch Fury in The Slaughterhouse gut finden dürften. Schade drum.
27. Juli 2008 10:56 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.