Keine Photos diesmal, wir hatten weder Kamera noch Handy dabei. Wozu hat man Technik, wenn man sie nicht benutzt :-D? Das Photo hier stammt also von Popmonitor.
Das ist das dritte Infadels-Konzert, dass ich sehe, und vielleicht ist man deshalb weniger enthusiastisch dabei als die wenigen versammelten Leute im Lxor, dass nicht ganz leer ist, aber auch nicht annähernd so voll wie bei den Klaxons oder sogar bei den Rakes. Die Stimmung der Fans vorne vor der Bühne, wo es reichlich leer ist, ist trotzdem gut, was aber vielleicht auch am Alkohol liegt, eine Gruppe wirkt etwas arg angetrunken und macht – ganz auf japanischen Tourismus gebügelt – permanent Photos von den einzelnen Leuten vor der Bühne mit der Band im Bildhintergrund. MySpace olé – die Mutti photographiert sich vor dem Eiffelturm, der Sohnemann eben vor Bnann Watts.
Die Band selbst wirkte angesichts der kleinen Venue und des überschaubaren Publikums etwas gedämpft in Vergleich zu anderen Auftritten, auch wenn Bnann immer wieder «Cologneeee» rief und uns versicherte, dass die Stadt rockt – da fragt man sich spontan, wie leer es in anderen Städten so vor der Bühne ist. Die Infadels spielen einen lockeren Mix aus den beiden Alben, wobei leider die neuen Songs etwas überwiegen, die allerdings live größtenteils deutlich besser wirken als in der überproduzierten Sterilität des Albums – etwas Dreck tut den Songs gut, mit Ausnahme von Free Things for Poor People, das einfach so oder so nicht zu retten ist. In den Händen der Smiths wäre das vielleicht eine passable B-Seite aus der müden Endphase der Band gewesen, aber bei den Infadels schleppt sich der Song live wirklich nur gruselig durch. An diesem Abend fällt auch extrem auf, dass der sonst brauchbare Drummer Alex Bruford (übrigens der Sohn von Legende Bill Bruford) an diesem Abend ein Schwachpunkt der Band ist, die in grimmigem Joker-Make-Up und -Outfit über die Bühne rast. Die Songs wirken – obwohl oft von Richie Vernons Sequenzern getrieben – seltsam schleppend und kommen selten wirklich nach vorne, was auch am Sound liegt, der einfach extrem schwach ist – das Schlagzeug kann sich kaum durchsetzen in der Klangsuppe. Das Circus of the Mad-Motiv rundet ein grandioser Superheld im Wrestler-Outfit ab, der zwischen zwei Songs die Bühne betritt und das Publikum anheizt. Passt perfekt zu dem Mädchen im Publikum, dass im Glücksbärchen-Kostüm herumtanzt (gab’s freien Eintritt mit Kostüm?) und sauber Spaß an dem Gig hat, vor allem als die Infadels bei Can’t get enough, der einen Zugabe, die Leute auf die Bühne holen. Stagecrowding gehört im Luxor irgendwie dazu, oder?
Die Infadels touren derzeit im Tages-Ochsentour-Takt durch Europa – und Gigs vor kleinen Crowds sind da kein Highlight, die Bühnenarbeit mutiert zu einem Mix aus echter Arbeit und gedämpften Drogenexzess.Das alles ist aber echt keine Entschuldigung, von allen Liedern auf der Erde nun ausgerechnet Sweet Dreams von den Eurythmics zu covern – eine gruselige Ü30-Nummer, von der man einfach die Hände lässt, es sei denn, um sie zu demontieren. Bei nicht selbst komponierten Songs fällt oft auf, ob eine Band wirklich virtuos ist oder nicht, und die Frage beantworten die Infadels leider mit einem überzeugenden Nein und schrammeln sich durch Dave Stewarts Song, kaum besser als eine miese Schul-Partykapelle beim Abiball. Dass dafür andere Songs vom ersten Album unters Messer kommen ist etwas bizarr. Vielleicht passend, denn Dave ist ja selbst auf diesem Niveau angekommen und verwurstet seine eigenen alten Songs noch einmal auf dem Songbook-Album:-D.
Mit dreimal so viel Publikum, mehr Alkohol, vernünftiger PA und einer deutlich besser gelaunten Band wäre der Gig natürlich großartig gewesen – wenn die Infadels gut drauf sind und laut und es heiß und eng ist, herrscht Party. So ist das hier nicht der Circus of the Mad, sondern eine leere Tanzfläche mit semibetrunkenen Leuten, die sich etwas traurig anpogen, vor einer Band, die angestrengt versucht, den Abend zu überstehen. Eigentlich schade, denn die Infadels können definitiv ein Publikum und eine Show wirklich nach oben treiben – aber so wie das neue Album eher schlechter als das erste ist, wirkt auch die Liveshow einerseits geplanter und gewollter, aber eben alles in allem weniger ausgelassen, weniger energetisch, weniger echt, weniger Rock’n'Roll.
19. Oktober 2008 09:16 Uhr. Kategorie Live. Keine Antwort.