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Imogen Heap: Ellipse

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Auf ihrem dritten Album erfindet sich Imogen Heap auch nach fast vier Jahren ohne Album sicherlich nicht neu, Laptop-tronica, Vokalschichttorte und diese seltsame, Mischung aus Saccharinsüße und Uhrwerk, die immer an Pee Wee Hermans Frühstücksmaschine erinnert, nicht zuletzt, weil durch Heaps musikalische Mechanismen auch immer ein Hauch Danny Elfman schimmert. Die komplexen Computerbeats und Over-Autotuned-Vocals können kaum verbergen, dass hinter der hochglänzend polierten und absolut grandios produzierten Fassade im Grunde eine fast folkige Singer-Songwriterin alter Schule lauert, die einen ganz eigenen Mix aus Sprechgesang und Chorarbeit etabliert hat. So ätherisch und surreal und zugleich irgendwie sympathisch wie das Coverbild ist tatsächlich die ganze Platte, die voller eleganter leichter Sounds und ansteckender Ideen steckt. Die emotionale Intensität und Klarheit von Hide&Seek sucht man hier vergebens (auch wenn der Anfang von Wait it Out den großen Hit vom Speak for Yourself-Album zitiert) , aber für Überraschungen wie das minimalistische Instrumental «The Fire»ist man dafür um so dankbarer. Ellipse ist eine Platte, die ein wenig nach Mainstream klingt, und voller potentieller Radio-Hits steckt (wie etwa Canvas, Tidal oder Trains) diesem aber irgendwie zugleich auch misstraut und fern sein möchte, und so selbst die geradlinigen Songs mit Breaks, perkussiven Zaubereien und ungewöhnlichen Gesangsriff vollsteckt, bis sie zu kleinen Schmuckstücken werden – einzige Ausnahme ist Swoon, der fast irritierend straight ist. Songs wie Half Life (ein bißchen Tori Amos gefällig?) oder Little Bird sind auf eine sperrige Art ruhiger, weniger verspielt,  2-1 tänzelt in Richtung Massive Attack/Björk. Das Ergebnis ist eine abwechslungsreiche, aber doch homogene Produktion, die sich manchmal nicht richtig entscheiden kann, ob sie die weichgespülte Starbucks-Schiene fahren will oder eben doch eher kantig und karg sein möchte. Die inhärente Komplexität bewahrt Ellipse vor Pop-Beliebigkeit, aber gerade die «normaleren» Songs zeigen ansatzweise, wie dünn das Eis ist, auf dem Heap sich bewegt. Mit etwas Pech ist Heap ihr letztes wirklich gutes Album – die Zeit wird zeigen, ob sie langfristig auf faden Retortenpop zurückfallen, oder exzentrisch bleiben wird und ihren eigenen Clockwork-Style weiterentwickelt. Alles in allem ist Ellipse aber ein Album, dass zu den derzeit wirklich besseren Erscheinungen weiblicher Popmusik zählt und ein absolut würdiger Nachfolger zu Speak for yourself.

15. Februar 2010 10:33 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

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