
Der von Michael Bierut anhand der 70er-Jahre-Designs weiterentwickelte neue Saks-Auftritt von Pentagram ist ein nicht ohne Grund gefeierter großer Wurf. Es ist ein Post-Design-Ansatz, der nicht mehr versucht, ein Logo zu schaffen, also ikonisch denkt, sondern dem es gelingt, ein vertrautes Bild zu dekonstruieren und genau dadurch wieder neu und frisch zu machen – ergo ikonoklastisch. Ich glaube, dieser Ansatz ist einer der wenigen Designansätze, die unserer aktuellen Zeit entsprechen. Wir leben inzwischen in einer überdesignten – oder besser über-stylten, denn zwischen Styling und Design ist ein himmelweiter Unterschied – Welt, in der jede Steh-Pizzeria ein Corporate Design zu brauchen meint und man schicke Vektorlogos von der Stange für ein paar Euro online kaufen kann (die leider auch noch genau so aussehen wie die Logos vieler Studenten, weil die es nicht besser gelernt haben). In dieser von Werbung und Styling penetrierten Konsumwelt macht es mehr als Sinn – schon seit einigen Jahren – über die Identität von Unternehmen nicht mehr in Form statischer Logogramme nachzudenken, sondern fluide, dynamische Identitäten zu erzeugen, die schnell, quecksilbrig und modular sind. Wer uns kennt, weiß, dass wir solche «lebendigen» Identitäten meist bevorzugen, wenn die Kunden uns mit diesem Ansatz durchkommen lassen, weil aus unserer Sicht beim Erscheinungsbild einer Firma das Logo die tatsächlich unwichtigste Komponente ist, nur Laien denken, dass Logo = Corporate Design ist.

Bierut aber geht einen Schritt weiter und erzeugt sein Anti-Logo-Modular-Design aus der Schumperterschen Vernichtung des ursprünglichen Logos von Saks. Und hier liegt das wahre Genie. Er erzeugt eine neue, abstrakte, moderne Schönheit aus dem Remix, aus dem Digitalisieren eines 70er-Jahre-Klassikers. Mehr an der modernen Hiphop-Musik orientiert kann man kaum sein. Bierut samplet, zerlegt und arrangiert neu, erzeugt aus den in 64 bits zerlegten analogen Klassiker eine neue Version, die in unendliche Variationen iterierbar wird. Ein statischer, unveränderbares Original wird so zum fraktalen, lebendigen Organismus. Besser kann man das moderne New York, besser kann man aber auch modernes Design kaum fassen. Dahinter steckt durchaus das Zugeständnis, dass man hier nichts neues schafft, sondern nur die Arbeit eines Vorgängers «behandelt», aber genau das zeichnet ja die kreative Arbeit in kulturellen Bereichen wie Architektur, Literatur, Musik und Film und eben auch Design seit zwei Dekaden fast nahtlos aus. Aber selten ist es so beschwingt, so ehrlich und im Ergebnis so mindfucking wunderbar wie hier.

10. April 2007 09:01 Uhr. Kategorie Design. 9 Antworten.
da mag ja durchaus etwas drann sein an der idee, aber eine bank wird auch in 20 jahren noch kein hip-hop sein. die werden nach wie vor etwas statisch verlässliches brauchen. mode ist ja trendbewusst (hilfiger und co) oder stilbewusst (prada und co). das die anders auftreten sollten, ja gar müssen würde ich ausser frage stellen.
btw. mein prif wäre sicher begeistert ob dieser idee, hatte dieser mich doch damals ermuntert fläche/schrift so zu nutzen, damit ich mein verdammtes »es muss ordentlich sein« aus dem kopf bekomme. hat nicht allzuviel gebracht und bin immer noch UNIVERS statt ZAPFINO.
Wobei Banken aus meiner Sicht gar kein LOGO brauchen, sondern einen Schriftzug :-D.
Und guten Servive. Und gute Manager.
true!
(und nix gegen die univers :-D)
niemals!
wie ich es mir dachte. zitat: »es könnte fast von mir sein«. mein prof.
Bescheidener Kommentar :-D
wirklich, wenn du die beispiele sehen würdest, das ist totale R.-schule.
R-Schule?
Hast du mal Beispiele?