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IFU-PITCH


Wie gestern versprochen, hier ein ganz alter Pitch vor dem Institut für Unternehmensführung.


Damals,2004, schrieb ich dazu in meinem alten Forum diese Notiz:

Ich mag Pitches nicht. Wettbewerbe bringen weder dem Kunden eine wirkliche Lösung, noch kann man als Designer seine eigentliche Kernaufgabe erledigen und gemeinsam mit dem Kunden eine Lösung tief greifender inhaltlicher Problemstellungen und Möglichkeiten auf dem Umwege des Nachdenkens über visuelle Medien lösen. Spannend ist ja nicht, ein schickes Logo zu machen, spannend ist es, den gordischen Knoten zu zerschlagen. Das kann man nicht bei einem Pitch.

Die meisten Agenturen und Büros fahren zu solchen Wettbewerben mit Fertiglösungen, etwas untermotiviert (weil es gibt ja kein Geld), etwas zu ängstlich bei der Arbeit (man ist nicht mutig in einer Konkurrenzsituation) und präsentieren dabei oft Arbeiten wie aus dem Regal. Der Kunde hat dann die Wahl zwischen einer von drei Variationen (mal der Anzahl der Teilnehmer am Pitch), die irgendwie aber alle auf Nummer sicher gehen.

Für den Kunden ist dies oberflächlich eine tolle Situation… er kann sitzen und wichtig sein und zugucken und mehr oder minder unter Tarif Ideen an saugen und Designern böse Fragen stellen und die ins Schwitzen bringen. Faktisch hat man bei einem solchen Pitch als Kunde aus den oben genannten Gründen a priori verloren und merkt es meist nicht einmal. Die Kunden wären besser beraten, sich die bestehenden Arbeiten der Büros anzusehen und einfach den Sprung zu wagen und mit einem Büro, bei dem das Bauchgefühl stimmt, gemeinsam loszugehen und neue Ideen zu produzieren.

In der Architektur ist dieser negative Aspekt des Wettbewerbs immer deutlicher zu spüren. Die besten Arbeiten entstehen heute nicht bei Wettbewerben, sondern bei einer direkten Zusammenarbeit von Bauherrn und Architekten. Erst aus dem Dialog entstehen wirklich passgerechte und innovative Lösungen… und ein Pitch ist das Gegenteil des Dialogs. Briefings und Wettbewerbe schaffen eine hierarchische Kommunikation (Klient oben, Designer/agentur unten als Diensterfüller), so als ginge es um das Verlegen einer Telefonleitung… aber so läuft das nicht im Design. Da ist Kennenlernen, Durchleuchten, Diskurs Diskurs und noch mal Diskurs angesagt. Streiten, idealerweise. Aneinandergeraten im besten Sinne des Wortes. Sich emotional miteinander beschaffen. Es gehört zur Guten Note, dass sich die Kreativen über die Kunden aufregen und umgekehrt… und dieser Umgang miteinander ist gut und richtig… und beim Pitch verloren gegangen an eine Art anonymes Casting à la Deutschland sucht den Superstar.

Den Wettbewerb um das Institut für Unternehmensführung haben wir also missbraucht, um das Konzept Pitch an die Wand zu fahren. Wir haben das Briefing missachtet und stattdessen intensiv mit der eigentlich Problematik eines wissenschaftlichen Institutes befasst, dass aus acht Köpfen besteht, die alle eigene Kompetenzunits bilden. Eine solche Kolchose-Struktur kann eine Schwäche sein… und wird es eindeutig, wenn man versucht, unter einer Art Logo Geschlossenheit zu heucheln, als sei man eine Art Unternehmen oder Firma und die kooperative wissenschaftliche Struktur des Ganzen wegignoriert. Oder man macht eine Stärke daraus.

Die beiden Ideen waren völlig am Briefing vorbei – das Institut wollte im Auftritt der Ruhr-Uni Bochum laufen, was für uns inakzeptabel ist, da der Auftritt der RUB schon für die Uni an sich falsch ist… Gyrosbude statt demokratische Bildungseinrichtung ist keine gute Richtung. Wir haben also an einem Wettbewerb teilgenommen und extrem hart dafür gearbeitet obwohl von Minute Eins klar war, dass wir zu 99% verlieren müssen, weil die Ideen vielleicht zu mutig sind. («Interessant» sagt der Hobbykoch Biolek ja auch immer, wenn ihm was nicht schmeckt.) Lösungstechnisch funktional und von der Richtung her passend her waren sie trotzdem, nicht brave Dienstleistung wie im Pitch üblich, sondern engagiertes, herausforderndes, fast trotzig-arrogantes Auffordern zum Dialog.

Ich weiß das Ergebnis noch nicht, aber ich kann’s mir denken. Vielleicht schade drum. Aber lieber glorios verlieren als mit dem Falschen gewinnen.

Und hier die Screens vom Pitch:

Hier kurze Vorstellung von nodesign und Kritik am Pitch, bei dem man wie bei einem Automaten oben Geld einwirft und unten kommen Standardprodukte heraus…


Man hat dann die Wahl zwischen drei vier Produkten und kauft Design wie Kaugummi oder Anzüge von der Stange.

Während wir eben gern mit dem Kunden zusammen arbeiten, ihn umkreisen und durchleuchten, kennenlernen.


Dann kurze Kritik am Auftritt der RUB, der uns an griechisches Restaurant und bestenfalls noch an VfB erinnert.





Lösungsansatz eins: WORT



Jedes der acht Mitglieder wählt sich seine eigenen Zitate, die seine Sicht auf Wirtschaft und Theorie fassen. Auf allen Medien erscheinen verschiedene dieser Zitate.







Im Endeffekt hat so jedes Mitglied seinen «eigenen» Briefbogen, der aber doch deutlich an das Institut anknüpft und eine optische Klammer bildet. Die 6-12 Bögen bekommen jeweils eine eigene Metallic-Farbe zugeordnet.







Analog bei Shortcards und Visitenkarten. Jedes Mitglied hat seinen eigenen Auftritt. Vielfalt in der Einheit.



PPt-Templates. Gott, Ich hasse Powerpoint.

Die Broschüre ist völlig fiktiv. Die Bilder stammen von Oliver Edelbruch und wurden seinerzeit für ein leider nie beendetes Projekt für das Bistum Essen geschossen. Wunderbare Bilder, die hier einigermaßen die Seriosität und Wärme dieses Ansatzes unterstrichen.

Das Cover von der einen Seite – Metallic-Pantone. Von dieser Seite aus stellt sich das institut vor, das bei mir nicht IFU hieß (finde ich schrecklich, sondern i/u).





In der Mitte ist die Broschüre drehbar, d.h. als Flipbook lesbar. Von der einen Seite befaßt sie sich mit der Wirtschaftlichen praxis, auch in den Zitaten, von der anderen gelesen mit dem theoretischen Zugang zur Unternehmensführung.





Die andere Cover-Seite des Flipbooks, auch Metallic.

Der zweite Ansatz basierte nicht auf dem WORT als Bindeglied, sondern auf Bildern:









Aber zuerst einmal erkläre ich das i/u als Namen. Statt ifu, was für mich nach Ufo oder einem Schlagersänger klingt, ein kurzes i/u, bei dem der Schrägstrich das f nur noch andeutet, zugleich aber mit dem «I» und«You» ein paar schöne Assoziationen denkbar sind.















Bildwelt hier beispielhaft von einer Photodisc-CD. Idee war, ganz alltägliche Bilder von der Uni und iuhrem Alltag zu machen, diese Arbeitsatmosphäre, das profane, einzufangen, in dem leicht angeblitzten Look, der damals akut war und den ich auch immer noch mag.








Hier fehlt eine kleine Flash-Ani von Marian. Der Cluster ist eine Idee, die ich irgendwann in irgendeiner Form noch mal als Logo nutze. Ich liebe lebendige Logos. Die Idee hier ist, daß sich jedes der Institutmitglieder seine eigene Konfiguration der Matrix von Quadraten aussucht und so sechs bis zwölf Permutationen der Matrix entstehen, die lebendig aber immer erkennbar als visuelles Element nutzbar ist.







Die Kombination von Bild und Matrix ergibt also wieder einzelne Sub-Briefbögen. Durch den sehr preiswerten 4c-Druck heutezutage ja machbar. Ungewöhnlich allein dadurch, daß man ein Photo so prominent auf einem Briefbogen verwendet. ganz dezent dagegen das kleine i/u oben im Kopf.







Analog Visiten- und Grußkarten.



erwähnte ich bereits, daß ich Powerpoint nicht mag???

*

Wieder fiktive Imagebroschüre. Arbeitet sehr intensiv mit Bildern und dazu harmonierenden Farben und dem Cluster. Das Ding mag ich immer noch, auch wegen der kleinen winzigen Photos, die im Farbblock auftauchen. Hier ist kein Flipbook vorgesehen. Ich fand beide Ansätze sehr konservativ und simpel, aber ganz anders als das ikf°, das ja einen Flur weiter sitzt, und denke immer noch, sie hätten systematisch funktioniert und die bestehenden Probleme effektiv gelöst. Das ganze sieht solide, dabei auf nicht sonderlich aneckende Art moderner aus und ist durchaus auf einem Level mit dem, was die Kunden des ifu in ihrer eigenen Kommunikation fahren. Mit anderen Worten: ich fand beide Ansätze ziemlich brav. Der Gewinneransatz aber war noch bescheidener: Es ist einfach ein schlechter Nachbau des ikf-Logo. Naja, jeder wie er’s braucht.









30. August 2006 11:32 Uhr. Kategorie Arbeit. 16 Antworten.

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