Es ist ein bisschen wie in einem Sketch, oder?
Die Vorstellung, dass demnächst Polizisten durch die Gaststätten wandern werden, um die Beachtung der protofaschismus-meets-Gutmenschentum-Antirauchergesetze zu kontrollieren, klingt nach einem Monty-Pythons-Gag. Ist aber tatsächlich in Planung, wie Spiegel Online berichtet.
«Ähm, n’abend. Wachtmeister Schulze ist mein Name, ich bin von der neuen Raucherpolizei.»
«Yo.»
«Hörnsema, Sie rauchen hier doch. Sie wissen doch, das is’ jetz’ verboten.»
«Nö, ich rauch’ nix.»
«Ich seh da doch Rauch aus ihrem Ärmel kommen…»
«Ne, ich schwitz nur so..»
Und so weiter. Ganz Deutschland wird zur Grundschule gemacht und in der Raucherecke hängen dann die Lehrer selbst.
Und das schreckliche ist, dabei bleib ich, dass es gegen die Prinzipien von Eigenverantwortung und Freiheit geht. Ein übermächtiger, starker Staat hebelt die Verantwortung des Einzelnen für sich selbst aus. Wir werden alle zu Teenagern, die nie zu Hause ausziehen wollen oder dürfen. Und solange wie die Füße unter Papas Tisch haben, dürfen wir eben auch nicht mehr ohne Helm Motorrad fahren oder rauchen oder demnächst vielleicht Schokolade essen, wer weiß. Selbstverantwortung, die süße Last,d as eigene Leben kontrollieren zu müssen, lernt der Bürger so nie. Er wird dumm gehalten, abhängig, apathisch.
Die surreale Idee einer Anti-Raucher-Polizei, an der P.K. Dick ebenso wie Erich Honecker ihre reine Freude gehabt hätten, ist da nur die Spitze des Eisbergs.
Und irgendwie war ich als Nichtraucher immer in der Lage, Raucher entweder zu tolerieren oder aber sie freundlich – oder auch mal unfreundlich – zu bitten, ihre Kippen auszumachen oder rauszugehen. Jetzt ist es auf einmal Gesetz, und ich habe den starken Drang, Raucher zu werden. Einfach nur, weil mich diese Koalition der Spießer, der RASEN-NICHT-BETRETEN-Mentalität so anekelt. Es ist die Politik der kleinen, engstirningen Menschen, die sich hier manifestiert, der Gartenlauben-Faschisten, der Leute die Pssst in Büchereien zischen und bei Nachbarschafts-Partys die Polizei anrufen… nur auf großer Ebene. Es könnte wunderbar surreal und unwirklich sein, wäre es nur nicht so deprimierend real. Dabeigeht es ja weniger um die SoKo Smoke, sondern mehr um die Relation zwischen Bürger und Staat, die dahintersteht. Um das Selbstverständnis der Regierenden und die Ent-Selbstung des Regierten. Darum, dass wir auch dies wieder achselzuckend hinnehmen werden, wie den Fingerabdruck im Ausweis, wie wir auch eines Tages die DNA-Datenbank oder den subkutanen RFID-Chip hinnehmen werden.
Freiheit ist Sklaverei.
Zwei plus Zwei ist Fünf.
15. April 2007 09:02 Uhr. Kategorie Stuff. 7 Antworten.
»Und das schreckliche ist, dabei bleib ich, dass es gegen die Prinzipien von Eigenverantwortung und Freiheit geht. [...]«
Ich bin auch für Freiheit und Eigenverantwortung, sehe allerdings das Problem, dass der gesundheitliche Schade den sich viele Menschen zufügen am Ende von uns allen finanziell getragen werden muss. Auch von denen, die versuchen gesund zu leben. Eigenverantwortung bedeutet für mich auch: Nicht auf Kosten anderen leben.
Verbote sind aus meiner Sicht aber auch überflüssig. Ich würde wahrscheinlich finanzielle Anreize schaffen. Zum Beispiel: Menschen die nachweislich gesund leben müssen deutlich weniger in die Krankenkasse einzahlen …
Aber wie du leider schon richtig sagst, in Deutschland wird lieber etwas verboten als das man sich neue Konzepte überlegt um etwas zu verändern.
In diesem Sinne wünsche ich dir einen sonnigen Sonntag ohne Spießer :-)
Marco, wenn es hier tatsächlich um die gesundheitliche Schädigung anderer ginge, müsste es längst autofreie Städte geben, gewerbeparkfreie Kommunen, fabrikfreie Länder. Zugleich macht das Argument des Schutzes Dritte rbei Sachen wie Helmpflicht und Anschnallpflicht keinen Sinn.
Auch finanzielle Anreize – es gibt ja eine Tabaksteuer – sind eher kritisch.
Das fängt mit Zigaretten an und klingt so logisch Und dann… ungesunde Ernährung. Und Risikosportarten. Und dann NICHT-Risikosportarten. Und dann die Geburt eines nicht DNA-optimierten Kindes. Und so weiter.
Das Ding ist, irgendwie weigert sich der Staat – und mit ihm viele Einzelne – einzusehen, dass wir in einer Risikogesellschaft und -welt leben. Diese Rundumgarantie auf Bildung, Luxus, Arbeit, Geld, dieses Verwöhnversprechen… das ist nicht einlösbar.
Ich gebe dir recht, dass es schwer ist eine definierte Grenze zu ziehen ab wann das Risko zu lasten der Gesellschaft geht. Aber müssen wir uns manchmal nicht vor uns selbst schützen?
Natürlich Leben wir in einer Risikogesellschaft und es gibt für nicht so vieles eine Garantie – als Selbstständiger kennt man das ja nur zu gut – dennoch wird es für mich dann Problematisch, wenn ich das Risko anderer mittragen soll.
Was wäre den eine angemessene Lösung, außer auf die Rücksicht meiner Mitmenschen zu hoffen.
@Marco
Fähst du Auto, fliegst du in Urlaub benutzt du fabrikproduzierte Prosukete, Liebst du deine Wohnung warm??
Wamt ,ore questiosn. Nur weil du zufällig nicht rauchst (so wie ich) hast du noch keine Engel verdient. Man kann nciht nur verdammen, was man selber nicht braucht, und mit en geringeren KK-Gebühren ist da auch so’n Ding . Soll ich für dich die Pflege zahlen wenn du nach einem Schlaganfall oder Unfall im Rollstuhl sitzt, nur weil du ein braver Junge warst und nicht geracuht und gesund gegessen hast??
Mann ich bin doch Virus geschädigt wenn ich mir meine Schreibfehler so ansehe. Aber – not to worry – mein KK-Gebühren simd bezahlt und wenn ich die mal ab und zu zu meinem Besten nutze – so what??
Hier haben alle Rechner, Autos, Freundlinnen mit Rechnern und Autos und man hört Musik, kocht Kaffee (oder Tee) kocht mehr oder weniger gesund und – macht euch mal nix vor – auch der Strom aus der Steckdose kommt eigentlich nicht wirklich aus der Steckdose.
Wir sind alle Philister außer naturlich denen, die im härenen Gwand mitten unter ihren Schafen leben. Aber ehrlich, ich kenne solche nicht, Ihr???
[...]Wir sind alle Philister außer naturlich denen, die im härenen Gwand mitten unter ihren Schafen leben.
Sind wir nicht eher alle Pharisäer -? Wer wäre sonst der David und wer die Philiister -?
Warte, warte noch ein Weilchen …
dann haben wir einen noch “perfekteren” Staat als die DDR es je war. Aber viel subtiler, viel gerechter, viel bürokratischer, viel spitzeliger, viel steuereinnehmender, viel buhmannhafter, viel … ach, ich weiss nichts mehr ;-)
Vor allem ist es im großen wie im kleinen so. In der aktuellen Brand Eins ist ein guter Artikel über Schwarzarbeit als vernünftige Lösung auf eine unvernünftige Politik.
http://www.brandeins.de/home/inhalt_detail.asp?id=2289&MenuID=8&MagID=86&sid=su846011367065174&umenuid=1
(Am besten aber kaufen, die Zeitschrift braucht die Unterstützung…)
Und so ist es tatsächlich so, dass die Bürger sich mit einem nicht-funktionierenden Staat arrangieren, so wie man auch früher in der DDR die Absurditäten des Systems im Privaten versucht hat, zu unterlaufen.
Das Problem an absurden Gesetzten freilich ist, dass sie nach Vollstreckung rufen. Eine weltfremde Politik verlangt, dass die Welt sich IHR anpasst, nicht umgekehrt.
Und ergo: Raucherpolizei. Was, mit Verlaub, vor zehn oder zwanzig Jahren für schallendes Gelächter in der Bundesrepublik gesorgt hätte. Und jetzt wird über sowas ernsthaft gesprochen…