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HERE WE ARE NOW ENTERTAIN US

So, genug leichte Kost. Hier jetzt der Text für das BLOG-Magazin der Ruhrakademie. Ich hatte keine vorgaben und wei0 nicht, ob der Text was taugt. Geschrieben in etwa 10 oder 15 Minuten und ohne redaktionelle Richtung oder Vorgaben dementsprechend nicht besonders anspruchsvoll, aber adrenalingetrieben…

Die Frage ist ja nicht, was du als Student von mir willst. Du kriegst von mir, was ich geben kann. Das ist nicht immer genug, wahrscheinlich niemals genug, aber hoffentlich gut genug. Wenn ich kann, überlade ich dich mit Eindrücken, mit Ideen und Ansichten und Bildern… und aus der Flut nimmst du mit, was du tragen kannst. Was vielleicht erst viel später für dich wichtig wird. Wenn ich kann, rede ich zu schnell, zu viel und verwirre dich, wo und wie und soviel ich nur kann, nehm dir deine Sicherheiten. Wenn ich kann, bin ich eine Wand, vor die du deine Bälle wirfst. Dein Vollarsch-Drill-Sergeant und der, mit dem du nachts via ICQ über deine privaten Probleme reden kannst. Was du von mir willst, ist nicht die Frage.Was ich habe, kriegst du.

Was ich von DIR will, ist wichtig. Die Ruhrakademie ist keine FH, sie filtert nicht aus Hunderten von Aspiranten die 50 besten aus, sie nimmt dich nicht wegen deiner Mappe, sondern weil sie an dich glaubt. Das ist erst einmal eine Schwäche. Und dementprechend schlecht sind viele der Arbeiten an der RA manchmal. Die Hochschul-Designer sind oft bereits vor dem ersten Semester schneller, härter, weiter. Weniger naiv. Der Mappentest härtet ab, selektiert ganz sozial-darwinistisch die Schwachen aus. Unterm Strich kein unpragmatischer Weg, an eine Elite zu kommen. Aber ist Elite dass, was durch einen uniformierten Bewerbungsprozess kommt, sinnlose Aufgaben erfüllt, sich anbiedert und anpasst, um die Mappe Dozentengerecht zu kriegen? Ist das Kunst, ist das Design? Ist das der Spirit, den wir brauchen… die Konkurrenz-Mentalität von vielen kleinen egomanischen kleinen Ich-AGs? Man sieht, wie der Design-Markt der Eitelkeiten heute funktioniert und er ist das Ergebnis dieses Prozesses, der Verhochschulung von Design, des Gegeneinanders. Vielleicht ist schon die Idee, dass man sein Können mit einem Diplom besiegelt haben muss, dass ein Diplom dich erst „echt“ macht, schon der falsche Ansatz. Was du hast, sind vier Jahre. Fordere dich und deine Dozenten und nutz die Chance. Form dich. Das ist eine andere Art, vielleicht die bessere, an eine Elite zu kommen. Es ist viel mehr Arbeit, für Dozenten, für die Schule, für die Schüler, aber sie ist viel lohnender und spannender und fairer. Die Ruhrakademie sollte langfristig ein Eliteinstitut sein, es gibt keinen anderen Weg für eine kleine Designakademie im Konkurrenzmarkt als einfach die Besten hervorzubringen, aber der Weg kann und sollte nicht der einer FH sein, im Gegenteil.

Was ich von dir will, ist wichtig. Denn als Dozent arbeite ich hier nicht mit vorgefilterten Semi-Profis, die schon wissen, wie sich die Thesis von der Legato unterscheidet und wer Jürgen Teller und Bruce Mau sind. Die schon von selbst nach Berlin zur Typo fahren oder zur Face2Face. Ich arbeite oft mit naiven blutigen Anfängern und manche von euch sind im Mappentest gescheitert, oder haben’s nicht mal erst an der FH versucht. Versteh mich nicht falsch, ich sehe das nicht als Nachteil. Das du nicht geformt bist, heißt nicht, daß du kein Talent hast. Talent hat nichts mit Mappe zu tun und nichts damit, wie viel Know-How du besitzt. Guck dir David Carson an.Aber nimm die Sache hier auch bitte nicht als gegeben hin. Das hier ist deine Chance, keine Ausbildung wie zum Friseur oder Bäcker. Wenn du das erwartest, hey, wir brauchen bestimmt noch viele Landschaftsgärtner und Fleischergesellen. Tschüß, nett dich gekannt zu haben, it’s nothing personal. Aber ansonsten: Hau rein, Fang jetzt an. Nutz die kleine Schule hier, wo du nicht drei Tage auf einen Dozententermin wartest, wo du in der Cafeteria mit deinen Lehrern zusammensitzen kannst, wo der Gemeinschaftsgeist ein ganz anderer sein kann, wenn du nur willst. Hier zu sein ist nicht selbstverständlich, nur weil du monatlich deinen Beitrag zahlst. Eine gute Design-Akademie ist eine Chance, keine Schule.

Wichtig ist also, was ich von DIR will. Denn wegen dir bin ich ja hier. Nicht wegen dem Gehalt und Ruhm oder Ehre. Sondern um zu sehen, was du mir geben kannst. Was ich sehen will, ist, dass du arbeitest. Härter als du es gerne willst. Wenn da Blut unter den Fingernägeln ist, prima. Ich will, dass du nachts meinen Namen verfluchst. Ich will Ringe unter den Augen sehen bei Präsentationen. Man wird kein Profiboxer ohne permanent in den ring zu steigen, zu verlieren und immer wieder neu anzufangen. Man wird kein Photograph ohne Tausende von schlechten Photos, kein Designer ohne zig verkackte Entwürfe. Keep moving. Beschwer dich nicht, wenn es anstrengend wird, der Job ist anstrengend. Das Leben ist anstrengend. Lerne, mit weniger Schlaf auszukommen, wenn du Designer werden willst, Stress und Frustration sind in diesem Job deine treuesten Gefährten. Wenn du weich sein willst, mach was anderes. Bitte. Schlechte und faule Designer gibts doch genug, oder? Und das hat nicht nur mit dem eigentlichen Arbeiten zu tun. Ich will, dass du die vier Jahre nimmst, um mehr Bücher zu lesen als je zuvor in deinem Leben. Nicht nur Design-Bücher, sondern auch Philosophie, Soziologie, Kunst, Kultur, Musik, Managementtheorie. Mach dich dreidimensional. Gewinn Tiefe. Lass dich verändern. Vergiss´, was bisher deine Vorstellung von gut und schlecht, hübsch und hässlich war. Geh in die Breite und in die Tiefe und schau, was du ans Licht zerren kannst, welche Theorien und Ideen dich begeistern. Hab keine Angst, auch einfach ziellos, explorativ zu driften. Du kommst schon an dein Ziel. Mach Fehler, imitiere, was dich begeistert, mach Fehler, verlass dich nicht auf die Tools, die du schon kennst, schalte deinen Computer aus, mach Design mit der Kettensäge, mit Essen, mit Schrott… mach mehr Fehler, erfinde neue Systeme, geh feiern, verzweifele an dir selbst, lerne zu spielen, streite dich, arbeite mit anderen zusammen, besprich dich nicht mit deinem Kopf. Lerne, zu brennen. Und fang jetzt damit an, irgendwo, sofort. Vergiss, dass du später mal mit Design dein Geld verdienen wirst und vielleicht in einer B-Agentur Anzeigen für Damenbinden layouten musst. Vergiss, dass du später mal der nächste Mike Meiré sein willst. Das kommt alles von selbst, dafür hast du jetzt keine Zeit. Fang einfach an. Denke bösartiger, denke subversiver. Entwickele Ideen, die mich anekeln, schockieren, begeistern. Studenten, die ich nie vergesse, dass sind die, die sich bei einer Präsentation die Haare abrasieren und sich mit Mett oder Kuhaugen bewerfen. Die Motorhauben beschriften und zehn Meter lange LKW-Planen. Die aus Frühlingsrollen Alphabete formen. Die ein Booklet daraus entwickeln, dass sie ein Huhn gekauft, geschlachtet, gekocht und gegessen haben. Die mich fiktiv entführt und getötet haben. Die halb Dortmund mit „Sinnlos“-Stickern bekleben. Die einen Tag im Bärenkostüm durch die Stadt rasen.

Wichtig ist, was ICH von DIR will. Ich will mich in dich verlieben dürfen. Das ist alles.

Und jetzt fang an.

10. Juni 2005 00:00 Uhr. Kategorie Stuff. 7 Antworten.

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