HD Schellnack /// Kontakt iPhoto s90 Typographie Pop Alternative Aktionen Twitter nodesign Licht Apple Photographie Denken Fail Natur Fragen Dayshot Belletristik Winter Studium Software Medien Vernacular Fun Comics Werbung Gesellschaft Farbe Web Print iOS ScienceFiction Electronic Zukunft Jazz Frühling Magazine Hardware Retro Klassik Kitsch Drama Sommer Zitat Herbst Sachbuch Kunst Fantasy Emma Organisation Kultur

HAUSCHKA: ROOM TO EXPAND

Und noch eine Piano-Platte, allerdings ganz anderer Natur. Hauschka, das ist der in Düsseldorf lebende Pianist/Komponist Volker Bertelmann, und sein drittes Album Room to Expand ist bei FatCat Records erschienen, die unter anderem auch Múm herausbringen und Sigur Ros entdeckten. Entsprechend nordisch karg und spröde klingt das Album, das nichts von der Leichtigkeit des Gonzales-Albums aufweist. Bertelmann arbeitet mit einem präparierten Flügel, in den er mit Alufolie, Kronkorken, zwischen die Saiten geklemmten Objekten, Gummi, Gaffatape und so weiter den Klang des Instrumentes verändert, begrenzt und dadurch erweitert, perkussive Töne erzeugt, stumpfere Klänge erreicht und sich so in der Tradition zahlreicher experimenteller Musiker bewegt, die sich mit dem «vorinstallierten» Klang des Flügels oder Klaviers nicht zufrieden geben wollten.

Bei Hauschka klingt das alles aber im Endergebnis weit weniger verkopft, als dieser Ansatz befürchten lässt. Im Gegenteil… die Musik ist klar, eingängig, in ihrer Schönheit sofort erfassbar. Die Frage nach Genre stellt sich nie, so souverän überschreitet Bertelmann die Grenzen zwischen Jazz, Klassik und Pop. Room to Expand ist ein Musterstück an Ruhe, Langsamkeit, Introspektion, geprägt von sich in Zeitlupe entfaltenden sanften Melodien, die fast jenseits der Wahrnehmungsgrenze funktionieren. Und unendlicher Zartheit und Ruhe produziert Bertelmann so filigrane Skulpturen, die wie Eiskristall vertraut und doch bizarr, fremd wirken. Mit absolut minimaler Begleitung durch Streicher und Bläser erzeugt Hauschka einen Klavierkosmos, der sich deutlich von der Tiersenschen Süßlichkeit abhebt, ohne dabei aber an Eindringlichkeit und Melancholie zu verlieren. Das Album ist ungeheuer intensiv, persönlich, intim und einfach rundherum perfekt, makellos, wunderschön. Musik dieser Art wird schnell belanglos, Background, und das vielleicht bemerkenswerteste an Room to Expand ist, dass Hauschka nie in diese Falle tappt. Die präzisen kleinen Miniaturen laden immer wieder zum präzisen Hinhören ein, mit ihren kleinen Entwicklungen, Reisen, den ungewohnten Klangdetails. Viele Stücke haben ein poppiges, fast an The Notwist erinnerndes Flair, manche wie kleine dinge sind Zeitlupenstudien, die eher in Richtung Klassik reisen. Tracks wie zahnluecke erinnern deutlich an Gonzales, andere wie la dilletante sind mit rhythmischen Elementen und Stakkato-Streichern eher fast Steve Reich oder John Cage beschwörende Phasenstudien. Es gibt viel zu entdecken bei Hauschka, soviel ist klar, und selbst bei mehrmaligen Hören wird die Platte nie langweilig.

Selbst das Artwork der Platte ist so liebevoll, so typisch FatCat-grandios, das sich der Kauf des Albums einzig und allein für den grandiosen gefundenen Brief lohnt, den Bertelmann im Booklet abdruckt. Dieser erzählt eine wunderbar surreale, bizarr poetische Liebes-Botschaft, die atemberaubend zum magischen, schwerelosen Flair des Albums passt und so derart nach einer Kurzgeschichte klingt, dass man fast befürchten muss, der Brief sei frei erfunden. Aber kein Wunder, dass das Design stimmig ist: Bertelmann ist ein alter Kumpel von Fons Hickmann :-D. Nichts, absolut nichts an dieser Platte ist verkehrt, aber alles ist richtig. Gar nicht lange fackeln, einfach sofort kaufen.

29. März 2007 18:42 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

Antworten

Schreibe eine Antwort, oder hinterlasse einen Trackback von deiner Site. Antworten abonnieren.


Creative Commons Licence