
Unglaublich aber wahr. Wir haben termingerecht den ersten Entwurf des Saisonheftes der Bielefelder Philharmoniker gegen alle Tücken der Technik geschafft. Fünf Nachtschichten und der geniale Einsatz von Steffi, Raffael und Marian, nicht zuletzt das Verständnis anderer Kunden und meiner Studenten, die alle warten mussten, bis dieses Stück Weg geschafft war, haben sich also hoffentlich gelohnt… und gleich doppelt. Denn wir sind nicht nur in time fertig, sondern ich kann auch müde aber happy zur Typo, morgen früh geht’s mit Marian, Sean, Chris und Steffi los, richtig dekadenter Roadmovie mit Chris’ 5er BMW. In Berlin selbst muss ich mich noch um Details und das Covermotiv kümmern, aber das schaffe ich schon. Es ist witzig, wie sich dieses Heft quasi selbst bestimmt hat und viele unserer ursprünglich geplanten Ideen einfach nicht mit den Planetenbildern harmonieren wollten, deren eigenwilliger Look einfach nach eher schlichter Typographie verlangte. Und so kommt die fast HD-typische rotschwarze Typographie wieder zum Vorschein, etwas widerwillig vielleicht, aber es war die richtige Lösung, alles andere sah «unecht» aus. Die ersten Versionen waren dann noch zu streng und somit langweilig, aber ich finde, jetzt haben wir gegen Ende einige lustige Dinge drin. Ach, das Heft müsste 280 statt 112 Seiten haben, wir hatten noch so viele Ideen dafür. Ich hoffe, in den Korrekturen bleibt es möglichst unverändert – die Philharmoniker sind in der Hinsicht seit jeher eigentlich traumhafte Partner-, denn die Sache ist eigentlich recht … äh… rund :-D. Es ist hier und da etwas eng geworden, weil 112 Seiten natürlich sehr wenig sind. Die Hälfte der Arbeit war, das auf diese Seitenzahl zu begrenzen.
Großartig war die Synergie im Büro bei diesem Job, der wirklich alle technischen Grenzen gesprengt hat. Die fertigen Planeten sind – schon als Kompromiss heruntergerechnet – bei 350 dpi 2,25m² groß. Irgendwann kann ich da noch mal Faktenhuberei machen, wenn man wieder durchblickt, welche Files wo auf welchen Rechnern sind. Auf jeden Fall hat es hier ordentlich trotz mehrerer Terabyte Speicher wirklich fast alle Festplatten gesprengt und mein Rechner war der einzige, der die Bilder überhaupt noch durch ein zwei Filter jagen konnte, und selbst das hat Stunden gedauert. Und so saßen wir hier zwischenzeitlich mit sieben Rechnern, um wie Irre Panoramas und Planeten zu rendern, Marian kam zwischenzeitlich mit seinem eigenen PC ins Studio, überall waren Laptops vernetzt, überall wurde retuschiert (aus jedem Bild muss ja z.B. der Tripodschatten entfernt werden) oder an Bildern gewerkelt und Raffael, Steffi und ich haben im Layout recht nahtlos zusammengearbeitet, während Marian mir heute mit der Übernahme eines Fototermins den Rücken phantastisch freigehalten hat. Es war eine irrsinnig anstrengende Woche, hat mir aber trotzdem viel Spaß gemacht. Solche Jobs mit etwas mehr Zeit und Budget und ich wäre ein Happy Cowboy. Ob das Heft wirklich ausgewogen und gut geworden ist.. keine Ahnung, sowas weiß ich immer erst mit Abstand. Es ist jedenfalls komplett anders als im Vorjahr, opulent statt streng, Barockserifen statt DIN. Und ich denke, die Bielefelder selbst haben ihre Stadt so noch niemals gesehen, was sicher an sich schon eine feine Sache ist. Ich hatte große Angst, dass die Stereoskopie ein leerer Digital-Gag bleibt, aber die großartigen Photos von Raf und Marian, die auch an sich – als normale Panoramas – sehr schön sind, machen die Sache zu mehr als einen reinen Visual Pun. Wirklich grandios sind die Bilder aber eigentlich erst in Originalgröße, weil sie einfach so detailreich sind. Ich bin sicher, man könnte sie problemlos bis 5 Meter ausgeben. Ich hab selten so Lust auf ein größeres Format gehabt – A3+ – wie bei diesem Heft.
Ein paar hastig-schlechte Shots vom Bildschirm als Festhalten dieses Arbeitsstandes und als Vorgeschmack… jetzt noch fix 30GB für die Nachtschichten in Berlin aufs Laptop schaufeln und ich bin in jeder Hinsicht fertig :-D….














































16. Mai 2007 22:02 Uhr. Kategorie Arbeit. 32 Antworten.
sieht sehr nice aus … aber stören die bedingten Ligaturen nicht? passen wunderbar zur klassischen typografie, aber sind teilweise beim lesen doch etwas holprig.
Da habe ich auch eine Weile überlegt, aber dann dafür entschieden. st und ct sind mitunter anstrengend, aber dafür hat man auch wunderbare andere… mal sehen, wie die Bielefelder darauf reagieren, zur Not wieder raus. Wäre aber sehr schade drum…
Geil. Diese Planeten.
Also auch doch bei der Typo dabei? @Stichwort: Nachtschicht in Berlin.
Wow! Sieht einfach super aus! Schön, wenn man Kunden hat, die so etwas Innovatives mitmachen… Gerade die Kunden aus der Kulturszene sind da ja oft etwas schwieriger, weil sie die “besten Ideen” schon selbt im Kopf haben. ;-)
So viel Innovation würde ich mir für Bochum auch wünschen ;)
Nee echt sehr schön auf den ersten Blick.
Sehr schönes Ding! Würde mich wundern wenn die da was auszusetzen haben…vorallem an den leckeren Ligaturen :P
Nick, ja wir sind unterwegs, 5 übernächtigte Leute im Stau?
Katja… ich haben bisher in Kultureinrichtungen sehr gute Erfahrungen gemacht. Gerade mit den Kreativen, also Dramaturgen und Intendanz, verbindet oft eine gemeinsame Denkart. Aber auch im Marketing, etwa beim Schauspielhaus Bochum und jetzt bei den Bielefelder Philharmonikern hatten und haben wir tolle Partner. Ohne geht auch irgendwie nichts.
Sebastian, in Bochum haben wir ja fürs Schauspiel und die Symphoniker gearbeiitet und dabei auch sehr viel Spass gehabt. Matthias Hartmann und Steven Sloane und ihre Teams waren großartig.
WO kann man das ding bestellen, kaufen?
WANN macht ihr die webseite der philharmoniker? das passt ja leider gar nicht zueinander
Heft sollte ab Juni verfügbar sein…
Für die Site haben wir den Zuschlag bekommen, die g4ht nach dem Heft in Arbeit…
thumbs up.
viel spass auf der typo wünsch ich euch.
Sehr, sehr geile Bilder ! Ehrlicherweise habe ich nicht genau verstanden, wie Du sie jetzt so hinbekommen hast, aber ich glaube, ich will sowas auch mal von ‘nem großen Bühnenbau machen; sieht bestimmt klasse aus.
leg schon mal geld zurück für die ganzen wettbewerbseinreichungen. ;-)
ich hab dieses jahr noch nirgends was eingereicht…
willst du auch nicht? wäre fast schade um so eine schöne arbeit. auch wenn der kunde und du alle happy seid …
die meisten einreichungen habe ich verpasst, weil zu viel arbeit war. ich finde auch, dieses jahr nichts einreichenswertes produziert zu haben. und die oben gezeigten arbeiten sind entwürfe… davon ist noch nichts ab- oder gar angenommen. Und ob es wettbewerbstauglich ist… bin ich mir auch nicht so sicher… ich kann sowas nie beurteilen, lass ich steffi entscheiden.
stimmt den »entwurf« hatte ich vor lauter begeisterung schon wieder vergessen und deine permanente tiefstapelei auch ;-)
wow einfach nur wunderschön!!!!!
[...] [...]
Das mit dem Entwurf ist eben das Ding, Thomas. Es ist eben gerade vom Kunden ein wichtiger Änderungswunsch gekommen, der bedingt, dass das gesamte Layout sich jetzt ändern wird.
Wäre auch zu schön gewesen, in diesem Jahr auch nur eine Sache zu produzieren, die halbwegs glücklich macht.
Du hast mein volles Mitgefühl !
Gehört zum Job.
Das ist mir schon klar. Trotzdem ist es ja frustrierend. Das ist wie bei mir: man macht ein Bühnendesign, überlegt sich 1.000 Kleinigkeiten und dann schmeißt der Kunde alles um — warum auch immer — und übrig bleibt eine Lösung, die Du als Profi zwar baust, aber eben nicht glücklich bist damit.
naja vermutlich bringt die frage nach dem »warum« nicht so viel, es sei denn man ist eben so ein »knallharter hund«, der es drauf ankommen lässt. trotzdem ist sowas immer in höchtem maße enttäuschend und es hilft auch nichts das ding in die schublade für ideen zu packen, weil es vermutlich nicht wieder so auf etwas passen wird.
schade. ich hätte dir das wirklich gegönnt, denn ich fand das, was hier zu sehen war super.
ich habe ja schon hinter dateien geschrieben »kundenwunsch« um klar zu machen, dass das nicht das ist, was ich mir dafür vorgestellt habe.
Abwarten.
Die Philharmoniker sind nicht ohne Grund tolle Kunden.
Zumeinen kann ich den Wunsch nach größerer Schrift ja gut verstehen. Es gibt bei zu kleiner Schrift eindeutig Beschwerden der Leser jenseits eines gewissens Alters. Dabei ist imer eine Balance zu finden zwischen Freunden der Klassik um die 60 und denen, die man neu gewinnen will, also ab 30+. Zu große Schrift schreckt letztere oft ab, zu kleine führt bei ersteren zu – verständlicher Verzweiflung. Die Schrift war so groß wie im Vorjahr, die gefühlte Lesbarkeit ist aber bei den Philharmonikern anders. Ich persönlich befürchte es liegt daran, dass sie ihre PDF verkleinert ausgedruckt haben und deshalb alles SEHR klein wirkt, aber dennoch :-D.
Wir haben uns jezt drauf geeinigt, nicht einen Punkt größer zu gehen – was wirklich das gesamte Heft ruiniert hätte, so albern das klingt, weil sich das gesamte Raster aufgelöst hätte und die L/R-Verteilung des Textes nicht mehr funktioniert hätte, sondern auf 0,5 pt, was zwar etwas knirscht, aber mit 9 auf 11,333 pt noch gehen sollte.
Generell ist das Heft ohnehin kein Meisterwerk, wenn auch ganz nett geworden, sondern eine Balance zwischen verschiedenen Informationsebenen – Text, Bild -, die nicht immer einfach zu managen sind. Das Heft ist nicht so sehr «Ich», dass ich da Primadonna sein müsste… aber es wäre schade gewesen um die gigantsiche Arbeit, die Stef, Mari und Raf reingesteckt haben. Bilder und Layout sind diesmal eine sehr organische Teamarbeit – erstmals ist ein Cover nicht von mir, sondern weitestgehend von Raffael… -, da habe ich seltsamerweise das Gefühl, schon für die anderen, die sich so schön reingehängt haben, extra um die Sache kämpfen zu müssen.
Bei anderen Heften war der Schriftgrößenwunsch kein Problem, hier war es diesmal so dicht gepackt, dass ich ins Trudeln kam. Aber generell ist der Wunsch, Text lesbar zu haben, ja nicht so falsch. Ist also beileibe kein Fall von zickiger Kunde, ganz im Gegenteil, wenn mehr Kunden so wären wie Frank Lefers, wären viele Designer in Deutschland nur mit einem Grinsen im Gesicht unterwegs. Selbst bei – weil gestern alle Telefone surrealerweise akkuleer waren – der ja stets etwas heikelen eMail-Korrespondenz, wo vieles härter klingt, als gemeint, kommt Frank immer sympathisch nett und offen auf dich zu, sehr toller Partner, dem es nicht ums Rechthaben, sondern um die gemeinsame Zufriedenheit geht. Gottseidank, denn es ist fast unmöglich zu vermitteln, warum 0,5 Punkt zuviel ein Layout tötet, das versteht kein «Laie» mehr, ich kann verstehen, wenn das schnell für Designer-Zickigkeit gehalten wird :-D.
Ich muss morgen sehen,ob es mit 9 Punkt durchgehend geht… aber ich denke, das ist schaffbar. Alles wird gut. … hoffe ich :-D. Das Cover, wenn die Druckerei mitspielt, wird auf jeden Fall auch toll.
Apropos: Hat jemand von euch schon ein Cover gesehen, auf dem Himmel ist und darin ein schwarzer Kreis, in dem Typo ist? Mir kam das ad hoc vertraut vor… gibts das schon???? Bevor wir unbewusst wo klauen gehen… ? Ich hab via Google nichts gefunden.
die diskussion um die schriftgrößen und alter kenne ich aus dem verlag. wobei es schon so ist, das seit ich da bin die schrift kleiner geworden ist, aber dafür auch lesbarer. umgekehrt geht es auch. ABER wer die FAZ liesst und wird ja wohl bitte auch so ein kleines magazin »lesen« können, denn so 9 pt ist doch wirklich normal für Lesetypo.
wenn nat. noch andere wir raffael und »the incredible marian« beteiligt sind, deren arbeit du quasi mit verteidigen musst, das ist dann schon was anderes.
du kannst ihm doch gut anhand des rasters und des satzspiegels den zusammenhang zwischen punktgröße, grundlinienraster und satzspiegel erklären, das lässt sich doch prima »beweisen« kann man doch drucken die dinger.
wie auch immer good luck! ;-)
Ja, ich finde auch 8,5 bis 9,5 sind sogar ein Maximum, wenn man nicht in Richtung Großdruck gehen will. Rein optisch ist die Schrift genau so groß gewesen wie 2006, aber die Philharmoniker empfanden die DIN als besser lesbar gegenüber der Baskerville. Was ich schon interessant fand, weil die DIN nun definitiv die schlechtere Lesequalität gegenüber einer Barockserife hat – sonst wären mehr Bücher in der DIN gesetzt ;-). Aber ich denke, man empfindet die DIN als optisch größer, selbst wenn X-Höhe und Versalhöhe präzise identisch sind, weil sie offenere Punzen hat und insgesamt lichter wirkt.
Ich schmelze dahin…
Schon jetzt hurra für Frank und Euch alle und ich freue mich auf das fertige Heft. Hoffentlich krieg ich eins, auch wenn ich nicht mehr Mitglied im Verein bin… ;-)
Tilmann
Haha, damit du Heimweh nach Bielefeld bekommst :-D
sieht echt spannnend aus.
alsi ich im frühjahr die runden panorama bilder des franzosen gesehen habe dachte ich es mal auch einzusetzen, leider hat es bis jetzt nicht gepasst. du hast es einfach gemacht und es sieht gut aus.
es passte so schön zum thema «grenzenlos» der philharmoniker. jürgen siebert, sébastien perez-duarte und alexandre duret-lutz haben natürlich ein danke im impressum gekriegt, weil ich bei jürgen über die stereoskopischen bilder gestolpert bin und weil es ohne die grandiose arbeit und die tipps von sébastien und alexandre nicht gegangen wäre.
Super Bilder