
Keine Frage – Dirk Fütterer von der FH Bielefeld macht das Beste aus seinem Job und kommt mit einer schönen Publikation nach der anderem aus seinem Institut für Buchgestaltung, sicher nicht zum Schaden seiner Studenten oder des Rufes seiner Hochschule. Nachdem bereits Leerzeichen für Applaus einen Verlag fand und demnächst bei Niggli erscheint (und das reale Erscheinen, wie ich finde, ist die Nagelprobe und Krönung zugleich für studentische Arbeiten, da die meisten viel zu teuer gedacht sind für die echte Verlagswelt) kommt hier ein Buch das nicht ohne Grund «Im Ernst» im Untertitel führt. Das kleine schwarze Magazin versammelt studentische Arbeiten aus den letzten 6 Jahren im Rahmen des Trauergewandes, Black in Black, und schafft so den clownesk-todernsten Rahmen für typographische Experimente, die nichts anderes tun, als Gelächter zu visualisieren. Was beim ersten Durchblättern ein wenig banal wirkt, entpuppt sich mit etwas Ruhe aber als so einfaches wie geniales Experiment im Sinne eines Emil Ruders oder Wolfgang Weingarts. Minimalistische Aufgabenstellung, minimalistische Typographische Möglichkeiten, keine Farbe und die Aufgabe, eine abstrakte emotionale Geste wie Lachen visuell abzubilden – und die Ergebnisse sprechen für sich. Vom lauthalsen, explosiven Lachen, vom Prusten, vom leisen Kichern, von einsamen und gemeinsamen Gelächter, vom betrunkenen Gegibbel, vom in sich kollabierenden Hahaha scheinen die Lautmalereien zu erzählen, deren typographische Expression oft an den frühen Loesch erinnert und einen seltsamen Flashback in die 70er, in die künstlerisch gestalteten Plakate mit sich bringt. Und immer wieder dabei Lösungen, die alles andere als langweilig sind, die gegen die Aufgabenstellung aufbegehren, die aus der lapidaren Aufgabenstellung mehr rausholen als eigentlich drin sein dürfte, die also wirklich gut sind.
Es ist seit jeher meine Aufgabe, dass es an Hochschulen absolut Sinn macht, scheinbar dumme Aufgaben zu stellen. Allein, um die Blockade bei den Studenten zu durchbrechen, deren erste Reaktion ja ein kollektives «Was soll der Scheiß» ist. Ich vergleiche das gern mit Karate-Kid, wo der junge Karate-Aspirant ja auch die dümmsten Aufgaben erfüllen muss, die sich aber später im Kampf natürlich trotzdem als sinnvoll erweisen. So ist das tatsächlich ein wenig. Zum einen lernt der Student, dass Design nicht wirklich immer Spaß machen soll – es ist keine hedonistische Angelegenheit, sondern eine empathische -, zum anderen nimmt man mit, dass man mit genug Liebe und Energie eben auch aus Mist etwas machen kann, auch aus unlösbaren Aufgaben eine Lösung melkt. Diese Art von Design-Koan-Übungen, die nirgends so gut exemplifiziert sind wie in Chip Kidds Cheese Monkeys , ist eine gute Vorbereitung auf die Briefings und Aufgaben, die du in der Realität als Designer vor dir hast, die oft auch davon leben, das man die Energie aufbringt, dennoch nach einer guten, spannenden Lösung zu suchen, wo auf den ersten Blick keine sein kann.
Insofern bringt das auf den ersten Blick so praxisfern scheinende Experiment in diesem Buch vielleicht dem Studenten mehr Erkenntnis als das Gestalten eines Corporate Designs oder zwei Stunden Photoshop-Tutorial. Nicht, weil er sich mit Schrift, Raum, Kinetik und Choreographie befassen muss, sondern vor allem, weil diese Aufgabe wahrscheinlich nach einer Weile herausragend spaßfrei ist und man sich als das fünfte Semester, das die gleiche Aufgabe angeht, sicher fragt, wie man aus dieser Idee noch irgend etwas Neues melken könnte. Und diese Frustration, dieses Nuß-Knacker-Denken, ist natürlich ein grandioser Schlüssel zum Design-Denken, und an den fertigen Arbeiten bekommst du dann eben auch eine Ahnung, wer von den gezeigten Studenten ein guter Gestalter werden könnte – und das sind nicht wenige.
Und jetzt bitte, in farblosestem Weiß natürlich, den Gegenband von sechs Jahrgängen, die in Buchstaben das Weinen visualisieren. ;-)

















30. September 2010 15:07 Uhr. Kategorie Design. Tag Studium, Typographie. Keine Antwort.