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HABITAT VIP-CDs

Etwa um die Weihnachtszeit gekauft, habe ich mir von den Very-Important-Product-Samplern von Habitat nicht allzuviel versprochen. Klar, die Idee, Stars Lifestyle- und Möbelprodukte entwerfen zu lassen, ist grandios und ich liebe ja meinen VIP-Daft-Punk-Tisch, aber kann ein Möbelhaus, das zudem noch zum Ikea-Konzern gehört, wirklich gute Musiksampler anbieten, die über Coffeehouse-Softness hinausgehen?

Aber sicher.

Schon das MOST-Label und die aufwendige Package machen Mut. Ein typgraphisch-minimalistisches Coverartwork im Stil aller VIP-Produkte reiht die CDs nahtlos in die ja tatsächlich stets geschmackvolle Artdirection von Habitat. Weniger geht kaum.
Ich habe die kompletten derzeit erhältlichen vier CDs gelauft. Die Shock-Künstlerin Tracey Emin hat «Music to Cry to» kompiliert (nicht auf dem Photo, sorry). Und das ist die sicher schwächste CD, mit einem recht normalen Mixtape-Flair, einer doch eher durchschnittlichen Mischung aus alten und etwas neueren Tracks wie etwa Marianne Faithfuls Broken English. Warum manche der Tracks nun zum Heulen einladen sollen, ist mir allerdings ein Rätsel. Die Platte ist nett anzuhören, wird aber von einer gewissen postmodernen Beliebigkeit durchweht, scheint konzeptlos.

Bereits deutlich besser ist Gilles Petersons Petit Dejeuner Au Lit, eine wunderbar entspannte Sammlung frühlingshaft leichter Songs, die tatsächlich zum chillenden Tagesbeginn einladen und die vielleicht noch am ehesten am ehesten an den befürchteten Starbucks-Sampler-Flair erinnern. Der britische Acid-Jazz-DJ liefert absolut wunderbare Background-Musik zu Orangensaft, Kaffee und einem reich gedeckten Frühstück mit lieben Gästen vom Dämmerlicht bis zur strahlenden Nachmittagssonne. Die CD startet mit den stetes grandiosen Micaoone und schwingt sich ohne Berührungsängste durch einen wunderbaren Bogen vo relaxter bis wachmachender Musik, bei der man sofort einen Flug nach London oder Paris buchen will.

Malcom McLaren, Mr. Sex-Pistols, liefert auf Tranquilize einen hoch seltsamen Mix aus Samples, Tracks, Versatzstücken, die weit über einen reinen Sampler hinausgehen und fast an ein eigenes Album von McLaren grenzen, zumal immer wieder auch Eigenkompositionen von ihm auftauchen. Ein entrückter Mix aus Fernost und Europa, Hiphop und Kitsch, Elektro und Rock irrlichtert durch die CD, die nicht nur eine grandiose Vergewaltigung von Kung Fu Fighting hergibt, sondern sich auch schließlich zu einer grandiosen chinesischen Version des Kraftwerk-Klassikers Das Modell emporschwingt. Tranquilize ist an sich ein monolithisches, undurchdringbares Meisterwerk, große dramatische Oper, Madame Butterfly meets Kill Bill. Absolutes Must-Have-Album eines großen Meisters.

Etienne de Crecy, französischer DJ und Musiker mit Ausnahmestatus, ist der nächste Anthologist bei Habitat. Und liefert einen Crossover aus House, Techno und Indie-Electronica, der sich gewaschen hat, einen nahtlosen und wunderbaren Trip, der fast atemlos durch 15 Tracks stürmt, die eine asskick-Reise machen, sich in der Mitte zu turmhohen harten Electro-Riffs auftürmen, die mal so gar nicht mehr in die gepflegten Wohnlandschaften von Habitat passen wollen. DeCrecys House Party-Sampler hält was er verspricht, ein kompaktes, großartiges DJ-Set auf einer einzelnen 60-Minuten-CD, stampfend, psychedlisch, mitreissend. Da können so manche Vorstadt-DJs lernen, wie man den Dancefloor abkocht.

Hochclever bietet Habitat mit den vier VIP-Samplern also eigentlich für fast jeden Geschmack etwas an, ohne dabei jemals wirklich allzu oberflächlich oder beliebig zu werden. Wer Musik mag, wird an allen vier Scheiben seine Freude haben und auch als Geschenk sind die vier Silberlinge absolut perfekt und reihen sich insofern nahtlos in das VIP-Konzept. Die üblichen Bedenken gegen uniforme Milchkaffee-Anthologies braucht man hier also keineswegs zu haben.

8. März 2007 08:58 Uhr. Kategorie Musik. 2 Antworten.

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