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GUSTAV: RETTET DIE WALE

Ebenso funkykitschigsynthetischselbstgemachtwunderschön wie das Artwork dieser CD ist auch die Musik von Gustav, einem Projekt der aus Österreich stammenden Eva Jantschisch, das sich jeder einfachen Kategorisierung entzieht, außer vielleicht der Einordnung in die Muß-man-haben-Klasse. Die Laptop-Tronica-Music ist leicht und minimalistisch, nie einseitig, nie platt, reicht von fixen Happygoluckytracks bis zum absoluten Herzensbrecher. Relaxt und etwas zeitlos programmiert, immer ruhig und sanft, oft hypnotisch, dabei aber auch immer smart und ambitioniert. Nichts ist hier Suppe, jedes Element ist sorgfältig am richtigen Platz.

Der Gesang ist beeindruckend vielseitig, reicht von Naiv-Girliepop bis zu einer fast hörspielartigen Intensität. Jantschisch kann nicht nur tonpräzise singen, sondern wunderbare küssenswerte Pausen setzen. A little bit behind the beat, I mean, just enough to turn you on.

Inmitten der absurden wunderbaren, engagierten, federleichten,poetischen und wahren Texte ragt Genua heraus, ein Negligée von einem Lied, fast transluzent schimmernd. Leicht atonal, leicht synkopisch, und bittersweet, die Mischung aus Gesang und Musik so makellos, dass du vor Freude und Trauer, Optimismus und Resignation losweinen musst. Schlagartig ist die ironisch-ernste Leichtigkeit des Albums plötzlich weggewischt und Eva zeigt, wie emotional sie sein kann …  echtes Chanson. Ohne Zweifel der Killertrack des Albums. Ein Song der durch die Tür kommt und dein Herz zerfleddert und wieder weiter zieht.

Andere Tracke wie das grandiose One Hand Mona, das poppige We shall Overcome, das wunderbar straightverspielt sparsamüberbordende treibende Da am Monopol, das psychotische Mein Bruder und der charmefunkelnde Titeltrack Rettet die Wale zeigen eine begeisternde Vielseitigkeit, stets zusammenhalten von einem Hang zum minimalistischen, zum obskuren Sound. Die Vocals so vielseitig wie die Musik, scharfkantig bis niedlich. Aber immer so, dass du Eva unbedingt kennen lernen willst. Die Texte stehen dieser Energie in nichts nach und entziehen sich – wie das gesamte Album – jeder Beschreibung, außer vielleicht «Peter Licht auf harten Drogen». Politisch, humorvoll, klug, naiv, mutig. Und immer wieder einzelne Zeilen, die dich fesseln, deren Resonanz bleibt. Die sind nicht ohne Grund im Booklet abgedruckt, das ist keine Eitelkeit, die sind wirklich lesenswert. Ich hab’ seit Niels Frevert nicht mehr so gerne Texte einfach nur gelesen. Alles ist gut hier.

Das Jahr ist noch jung, und das neue Bloc Party Album, das noch nicht erschienen ist, dass wir alle ja aber schon seit einem Monat haben, ist natürlich grandios … aber wenn nicht mehr viel passiert, habe ich den Soundtrack für 2007 irgendwie wohl schon im Januar gekauft.

Nicht fragen. Einfach kaufen.

13. Januar 2007 14:46 Uhr. Kategorie Musik. 5 Antworten.

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