

Es liegt schon eine ganze Weile, inzwischen etwas zerlesen, auf meinem Schreibtisch und obwohl Daniela es schon vor einer ganzen Weile photographiert hat, komme ich erst jetzt dazu, es vorzustellen, dafür aber umso überzeugter: Das GUM-Magazin der FH Bielefeld ist in der elften Auflage unter der Führung von Dirk Fütterer komplett überarbeitet und zu einem über 200 Seiten starken Portfolio mutiert ist. Von einem Magazin darf man kaum reden – auch wenn ja alle FH-Lookbooks sich so nennen -, es ist vielmehr eine Reise durch photographische und gestalterische Arbeiten der letzten Jahre, auf den inzwischen etwas unvermeidlichen rosa Kopierpapier-Look-Seiten von Text begleitet, ansonsten aber primär visuell, der begleitende Text zu den Arbeiten ist entlang der Lesbarkeitsgrenze versteckt.

Das etwa A4 große Paperback ist natürlich traumhaft schön anzusehen, arbeitet es doch größtenteils mit atemberaubend gelungenen Photomaterial, dass die drei Designer frei flottierend auf den Seiten verteilen, über den Rand laufen, auf die folgende Seite umschlagen lassen. Das offen schwimmende ist Gestaltungsprinzip der GUM, und es schafft den selten Sprung, dass man die Gestaltung einer reinen Portfolio-Publiktation an sich überhaupt wahrnimmt. Mitunter ist das begeisternd, wenn man als Leser das Gefühl bekommt, sozusagen auf einer unendlich großen Leinwand herumzukrabbeln, die nur für die Publikation zerschnitten wurde. Ein Effekt, der absolut neugierig auf das macht, was da oben und unten am Rand «verschwindet». Manchmal, keine Frage, kann es aber auch nerven, wenn das Design so offensichtlich vor den Inhalt tritt und sich vielleicht einen Hauch zu wichtig macht, oft auch auf Kosten der Präsenz der Materialien, die in dem großzügigen und zugleich doch unruhigen Weißraum oft nicht richtig wirken, mehr Ruhe hätten gebrauchen können. Das Design wirkt insofern einen Hauch zu zeitgeistig, diese kleinen schwimmenden Bilder, die pinken Seiten, vermeidet aber die wirklich krassen Nachäffereien und schafft alles in allem einen enorm wertigen Auftritt durch das feine Papier, die zurückhaltende Typographie und das unruhige Raster, das das sehr heterogene Material eben einen Hauch «gleicher» wirken lässt und auch den ansonsten schwierigen Bruch zwischen Photoarbeiten und Designarbeiten sehr gut abfedert, eine Technik, die es ja zum Teil auch schon in der Bielefeld-Publikation «Gibt es die Welt auch ohne Mich» gab, allerdings von größeren Aufnahmen durchbrochen.

Es ist manchmal erschreckend – und beflügelnd – welchen Unterschied eine einzige Person an einer FH, in einem Fachbereich, machen kann. An allen FHs, die ich so kenne, gibt es diese ein oder zwei oder drei Dozenten und den dazu gehörenden Kreis engagierter Studenten, die Projekte anschieben, die auf der Höhe der Zeit in Sachen Design denken, die wirklich gute Sachen anschieben. Und plötzlich entstehen da Publikationen, Veranstaltungen, Projekte, Workshops und die FH, die du vorher vielleicht nie auf dem Radar hattest, produziert in Kette beachtenswerte Sachen und wirklich gute Designer, die ohne Frage einen Footprint hinterlassen werden. Fütterer – zumindest wirkt es so auf mich – ist so einer von diesen Leuten, einer dieser Katalysatoren, der als Professor an der FH Bielefeld sogar fast beschwingter und leichthändiger, essentieller, wirkt als in seinen eigenen Arbeiten als Designer, als würde die Loslösung von einem konkreten Kunden in ihm frische Energien freisetzen, entfesseln. Es macht Spaß, diesem Prozess von Energiegewinnung in der GUM zuzuschauen, die Fütterer nach sechs Jahren Dornröschenschlaf wieder wachgeküsst hat. Ich jedenfalls freue mich auf die weiteren Ausgaben!




















3. Dezember 2010 18:55 Uhr. Kategorie Design. Tag Studium. Keine Antwort.