GRENZEN GECANCELT
Ich hab gerade eines dieser Gespräche geführt, von denen ich eigentlich immer denke, sie nicht führen zu müssen und die ich vor allem nicht mehr führen will. Ich glaube immer, dass man Sachen ganz oder gar nicht machen sollte und wenn ich das Gefühl bekomme, dass eine Sache von denen, um die es eigentlich geht, nicht mitgetragen wird, mache ich sie – jeder, der mich kennt, weiß das – konsequent gar nicht mehr. Wenn nun bei der Grenzen-Ausstellung Diskussionen entstehen, weil von den Finalisten für 50 Euro ein A0-Plakat auf Plane gedruckt werden soll, frage ich mich, was ich da eigentlich tue. Zumal ich persönlich mit den Postkarten, anderen Kosten und einer Beteiligung am Plakat sicher komplett ein Akademie-Monatsgehalt in die Sache gesteckt hätte und ich denke, wenn es an 50 Euro für ein eigenes Plakat schon scheitert, wird es mit den 10 Euro pro Kursmitglied für den Plakatdruck von Marens Motiv auch nichts. Ich werde das Gefühl nicht los, einige Leute denken, bei der Ausstellung geht es um mich. Und der Gedanke gefällt mir nicht. Ich habe selbst mit der Ausstellung nichts zu tun, es ist euer Baby gewesen. Euer Spaß, eure Leistung, eure Party. Ich wollte nur mal was anschieben, was über die normalen fiktiven Semesteraufgaben-Trockenübungen vielleicht etwas hinausgeht.
Die Grenzen-Ausstellung ist hiermit von meiner Seite aus komplett abgesagt. Der Termin am Dienstag, den ich übrigens unbezahlt gearbeitet hätte, von Fahrtkosten ganz zu schweigen, fällt entsprechend aus. Das Projekt ist für mich gestorben und es wird nichts ähnliches mehr geben. Trial and Error, ich lerne eben, was an der Akademie geht und was offenbar nicht. Und anscheinend geht es für viele immer noch ums Nehmen, nicht ums Geben. Um die Scheine, nicht um die eigene Entwicklung und das eigene Erfolgserlebnis. Wenn es darum geht, mit minimalem Aufwand ein Stück Papier zu kriegen, ist ein Projekt wie Grenzen natürlich dann eher blöde, kann ich bestens verstehen. Mea culpa, Leute.
Für das letzte vierte und jetzige fünfte Semester sind die Arbeiten als Projekt bis Ende dieses Semesters im Februar einzureichen, es findet keine öffentliche Präsentation statt, die produzierten Medien gehen bis zum letzten Dienstag des Semesters an mich und werden benotet. Korrekturen finden – sofern gewünscht – Dienstags im Rahmen der Projektstunden statt.
Das dritte Semester erhält natürlich die volle bisherige Punktzahl für die Arbeit an den Plakaten als Semesterprojekt, nur eben schade, dass es nicht realisiert wird. Damit ist automatisch auch das zumindest angedachte Buchprojekt nächstes Semester passé für mich, da es für euch noch teurer geworden wäre. Gleiches gilt für die akademieunabhängige eigene Homepage mit Arbeiten meiner Studenten, die wir hier für euch gratis als Plattform im Büro gebaut hätten 2007. Nach den Weihnachtsferien geht es also nicht weiter mit Grenzen, sondern mit normalem Grundstudiums-Theorieunterricht, schadet ja auch nicht. Quid pro Quo, Agent Sterling.
Immer wenn ich denke, man kann vielleicht mal etwas vorwärts bringen, passieren solche Dinge. Immer, wenn ich denke, ich hab einen Kurs wirklich beisammen, kommen irgendwelche Leute und ziehen solchen Mist ab.
Sorry, tut mir mehr als leid für alle, die sich wirklich reingehangen und getan und gearbeitet haben, nicht zu letzt auch um meine eigene Energie und tagelange Arbeit in der Sache, egal ob bei Plakaten oder Exponaten… aber die Sache ist unwiderruflich vorbei. Wenn ich das Gefühl bekomme, auch nur ein oder zwei Leute fühlen sich nicht wohl mit einem Projekt, haben keine Lust oder fühlen sich zu etwas gezwungen, blase ich sie lieber gleich komplett ab. Man kann solche Dinge nur machen, wenn wirklich alle an Bord sind und sich wohl fühlen, weil sie natürlich viel anstrengender sind als normaler Frontalunterricht. Und ich muss mich am schwächsten Glied orientieren, weil nicht auch nur einer gegen seinen Willen über das normale Unterrichtsmaß hinaus belastet sein sollte. Nur ist es auch so, dass bei Projekten halbe Sachen nie meine Schiene gewesen sind. Wie sagte Meister Yoda schon: «Do or Don’t. There is no try.»
Ach egal, war den Versuch wert. Es klappt halt nicht immer. Vielleicht versuch ich was ähnliches dann mit dem nächsten oder übernächsten Kurs, wenn ich mich weder etwas entspannt habe. Vielleicht auch nicht, mal sehen. Wir sehen uns jedenfalls im Januar.