
Wer noch Zweifel daran hat, dass die GEMA und die Interessen von Musik-Marketing nicht immer unbedingt eine kongruente Fläche ergeben müssen, obwohl das eigentlich irgendwie doch einleuchtend wäre: Diesen Bildschirm sieht man zu 99%, wenn man hier versucht, sich die Videos zu den Musikempfehlungen anzusehen – die natürliche aktives Musik-Verkaufen sein könnten. Wenn nicht zum einen die Videos nicht ausgecopyrightet wären und zum anderen viele Tracks in iTunes Deutschland noch gar nicht verfügbar sind (bei Esquire-Musiktipps nahezu der Standard, der iTunes-US-Store ist dem deutschen einfach voraus, der deutsche sendet bei den meisten Links aus dem iPad-Magazin eine Fehlermeldung). Wir kommen mehr und mehr zu dem Standard, dass Raubkopieren einfach und schnell ist, legaler Medienkonsum aber kompliziert und langwierig – sinnvoll ist das nicht. Man kann nicht oft genug wiederholen, dass es beim Thema Vermeidung von illegalen Kopien genau um diese Dinge geht, um die Frage des Vertriebs. Schaffen es die Medienvermarkter, eine gekonnte und angenehme Erfahrung von Information über einen Track zu problemlosem Kauf zu langfristigem sicheren Besitz auch bei wandelnden Formaten sicherzustellen? Oder leben wir in einer Welt, in der schon das reine Probehören zu einem Akt wird, bei dem ich mir entweder eine falsche IP zulegen oder die Tracks sozusagen simultan noch per Google ganz woanders suchen muss? Mir selbst wäre ersteres irgendwie einleuchtender.
10. September 2012 19:29 Uhr. Kategorie Online, Technik. Tag Fail, Gesellschaft. 2 Antworten.
Hej Dirk,
diesen Screen siehst Du leider recht oft, weil Google ihn als Machtmittel gegenüber der Gema mißbraucht und nicht, weil die Gema darum gebeten hätte. Darum auch die Formulierung “möglicherweise”. Google möchte gern keine (oder faktisch keine) Gebühren an die Gema zahlen. Die Gema hat Google bereits recht günstige Konditionen angeboten, Google möchte darauf aber nicht eingehen.
Es ist natürlich in der Netzgemeinde unglaublich leicht, Gemabashing zu betreiben; es ist ja quasi “in”. Tatsächlich vertritt die Gema aber in meinen Augen durchaus berechtigte Interessen der Autoren. Das tut sie nicht immer taktisch geschickt, ja, aber trotzdem ist die Aufgabe der Gema deshalb nicht überflüssig oder ungerechtfertigt.
Daß Google öffentlichen Druck aufbaut, indem sie einfach möglichst viele Musikvideos mit diesem Screen belegt und die Stimmung der User gegen die Gema aufheizt, ist aus Googles Sicht natürlich nachvollziehbar. Sachlich richtig ist es nicht.
Ich finde die Idee von Micropayments immer noch sehr gut und interessant. Flattr hat in den letzten Wochen dort auch wieder einen großen Schritt in die — wie ich finde — richtige Richtung gemacht: Automatisierung. Wenn ich einen Tweet favorisiere oder retweete, wenn ich ein Vimeo-Video herze, wenn ich was bei Soundcloud gut finde, klingelt es in der jeweiligen virtuellen Kasse. Ich konsumiere, archiviere und aggregiere ganz normal vor mich hin und leiste nebenbei meinen kleinen Beitrag.