
Das aus Somerville kommende Duo Christopher Barnes und Kristen Drymala präsentieren auf ihrem Debüt eine verinnerlichte, atmosphärische Musik, die die Grenzen zwischen Kammermusik und Indie auslotet. Zeitlupenhafte, gern durch Hall und Delay gejagte Klavierakkorde, überhaupt endlos weiter Raumhall, schleppender Gesang aus der Tiefe des Raums, ein Minimum an Percussion – in der Summe ergibt das eine sich aktuell anfühlende, unterm Strich aber zeitlose Musik zum Mitleiden und Selbstmitleid-Haben, die weniger durch instrumentale Virtuosität überzeugt (obwohl das Duo klassisch ausgebildet ist) , als vielmehr durch eine schleppende und zugleich schwerelose Unterwasser-Melancholie, eine phantastisch schillernde Trübheit, eine freudige Trauer, die an Mike Mills «Beginners» erinnert – und nicht ohne Grund als eine Art innerer Soundtrack durchgehen kann. Mysteriöse Texte, hypnotisch wiederholte Pianoriffs und Refrainzeilen, das Falsettnuscheln von Barnes… »Breakers« ist eine Platte die sich sehr, vielleicht auch zu sehr anstrengt, geheimnisvoll und nebelig zu sein, schleppend und winterlich. Das Ergebnis ist Musik wie ein Stein, der vom Wasser in runde, aber keineswegs makellose Form gewaschen wurde und dessen mattschwarz schimmernde Oberfläche dazu einlädt, ihn in die Hand zu nehmen, sein Gewicht zu spüren und ihn nicht wieder loszulassen. Wer spätestens bei »Lands« noch klar weiß, ob er weinen oder sein Gesicht breit lächelnd zum Himmel richten soll, wer nicht verwirrt eigentlich beides zugleich tun möchte, hat kein Herz. »Breakers« ist die Sorte Album, die es nur selten gibt und die selbst Gem Club nur dieses eine Mal so hinkriegen werden – es zu wiederholen wäre langweilig und redundant, etwas zu verändern wäre ein Rückschritt. Umso gespannter darf man darauf warten. Und hoffen, dass es bald schneit, weil dieses Album wie gemacht ist, um mit diesem Soundtrack durch Schneetreiben zu gehen.
4. Dezember 2011 18:51 Uhr. Kategorie Musik. Tag Alternative. Keine Antwort.