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FURBY

Von Rain, Bene und Nina haben wir einen Furby geschenkt bekommen. Die Sorte Geschenk, wo man spontan grinst und «Ooooookay…» denkt, das sich aber mit etwas Beschäftigung als fast hypnotisch erweist. Hasbro hat 2005 den klassischen Furby weitestgehend überarbeitet. Die neuen Furbys sind größer, haben eine feinere Motorik, bessere «Lippensynchonisation», echter wirkende Augen, feineres Fell und vor allem eine rudimentäre Spracherkennung. Die zwar nur wenige bestimmte Vor-Formulierungen erkennt, diese aber relativ treffsicher auch bei verschiedenen Personen und funktional auch in geräuschvoller Ambience. Die neuen Furby haben angeblich einen Wortschaft von etwa 800 Worten Deutsch und 200 Worten der Furby-Sprache, mit der die Roboterpuppe in der ersten Entwicklungsstufe fast ausschließlich kommuniziert. Natürlich ist der Furby an sich lernunfähig, aber das System simuliert glaubhaft eine mehrstufige Entwicklung, bei der die Puppe im Spiel mit dem Besitzer nach und nach mehr Deutsch spricht. Überhaupt ist die Programmierung – für ein ja recht preiswertes Spielzeug – durchaus gelungen. Furby hält die Aufmerksamkeit der Spieler nicht nur dadurch aufrecht, dass er aktiv Aufmerksam einfordert (Kitzel mich, Streichel mich, Du nicht lustig), sondern auch immer wieder mit neuen Worten oder Aktionen überraschen kann. Wenn die Puppe aus dem Nichts heraus ein «Komisches Geräusch» oder (genialerweise nachdem sie durch leere Batterien etwas seltsam agiert) ein völlig unerwartetes «Was’n los?» absondert. Ansonsten kann Furby das, was die Puppe halt kann. Tanzen, singen, spielen (Grünes Licht/Rotes Licht, sehr witzig, aber nur beim ersten Mal) die Zukunft voraussagen, ein recht komplexes (wenn auch von zu lauten Servogeräuschen begleitetes) Minenspiel. Die Sache mit dem Furby-Orakel macht ausgesprochen Spaß und funktioniert ebenso gut oder schlecht wie alle anderen Horoskope uswpp :-D. Macht jedenfalls großen Spaß, Furby zu 2007 zu befragen.

Der 2005er Furby macht auf jeden Fall – für mich deutlich im Gegensatz zu allen Vorgängern – fast zu viel Spaß und hat einen hohen Suchtfaktor. Man lernt fast freiwillig furbisch, fängt selbst an in dem seltsam abgehackten Wortfetzen-Pidgindeutsch der Puppe zu reden. Hab-dich-liiieb. Ooookay. Supa. Tadaaaa. Zumal einzelne Worte einfach so niedlich sind und sich durch die permanentpenetrant immergleiche Wiederholung einfach im Kopf festfräsen. Obwohl natürlich unter dem weichen Polyester-Kostüm eindeutig ein massiver Block pinkfarbenen japanischen Plastiks steckt, dessen Geräusche unüberhörbar sind und der sich bei näherem Anfühlen viel zu hart anfühlt, strahlt Furby nach einer Zeit – mit etwas gutem Willen – tatsächlich so etwas wie virtuelle Persönlichkeit aus. Als postmodernes, ironisches Spielzeug für Erwachsene allemal phantastisch, ob ich es für Kinder nicht schon zu spooky finde, weiß ich selbst nicht. Pädagogisch wertvoll ist Furby sicher nicht, ich sehe es eher als Gimmick für Grownups denn als echtes Kinderspielzeug.


Spannend als Erwachsener ist natürlich die Faszination am technisch machbaren. An Furby entspinnt sich schnell die Diskussion über die grundsätzliche Idee einer robotischen Niedlich-Puppe, die einfach nur technologisch aufgerüsteter sein müsste. Bewegung, mehr Spracherkennung, eine interaktive Antwortdatenbank, Onlineanbindung, Wissensspeicher, modulares Lernen, Kameras in den Augen, Wärmeempfindlichkeit, viel mehr Sensoren und geräuschlose Mikromotorik am Körper usw. Aber die Idee ist da. Furby blinzelt ab und zu, atmet künstlich. Das ganze ist noch Krude und Roh, wie ein Eingeborenen-Nachbau eines Düsenjets aus Holz, aber die Dick-sche Idee eines komplett virtuellen Wesens, das wie einem Gremlins-Film entsprungen auf deinem Schreibtisch sitzt und mit relativ glaubhaft mit dir sprechen kann, bei dem du WEISST, dass es fiktiv ist, aber man eben fleißig Suspension of Disbelief betreibt, wie bei einem Film oder Buch eben auch… die ist hier greifbar.


Spannend daran ist, daß eine narrative Struktur in die dritte Dimension springt. Furby (und, auf ganz andere Art und Weise, Aibo), sind Vorboten einer GESCHICHTE in der echten Welt. Die nicht Buch, nicht Film, nicht Computerspiel ist, aber letzterem noch am ähnlichsten. Eine in ihrem Ablauf grob vorprogrammierte Fiktion, die von ihrem Urheber mit Eigenschaften und Potentialen ausgelegt ist, deren tatsächlicher Verlauf sich aber individuell in den Händen des Besitzers entfaltet. Solche robotischen Spielzeuge, wenn sie erst in den Bereich des K.I.-artigen fallen, werden also so etwas wie interaktive Erzählungen oder fleischgewordene PC-Spiele sein. Sie werden Online-Angebote umfassen, W-LAN-Funktionalitäten aufweisen (also auch Musik und IM anbieten usw), sie werden an Einkaufslisten erinnern, an Termine, werden mit Kühlschrank und anderen Hightech-Toys kommunizieren… und sie werden trotzdem Gizmos bleiben, Spielzeuge, die der Technologie ein anderes Antlitz geben, den Alltag erzählerisch verdichten, neben aller Funktionalität eben auch emotional unterhalten wollen. Wie gemacht für die Ein-Kind-Gesellschaft auf die wir zugehen, wie gemacht für die kommende überalteterte westliche Welt. Die echte Welt und die virtuelle überlappen sich zunehmend. Wir spielen in virtuellen Computerumgebungen und die Computersoftware nimmt immer Noch ist die AI-Technologie zu aufwendig und teuer, aber angesichts des hier wartenden Massenmarktes ist das nur eine Frage von Zeit, Serienfertigung und Miniaturisierung. Aber es wird kommen.

Und Furby ist der erste Vorgeschmack, der Kurier, dieser neuen Generation narrativer Spielzeuge. Die Furbys werden die Weltherrschaft übernehmen. Und uns dann zu Tode kuscheln.

2. Januar 2007 12:43 Uhr. Kategorie Technik. 5 Antworten.

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