
Die drei Briten von Friendly Fires verdienen den Hype der letzten Monate etwas mehr als die White Lines. Das erste Album nach drei EPs wartet nicht nur mit zwei großartigen Disco-Hits – Paris und Jump in the Pool – auf, sondern überzeugt auch als Longplayer mit einer fast klassischen Mischung aus elektronischen und «echten» Instrumenten. Das erinnert an zahlreiche Vorbilder, nicht zuletzt an schaumgebremste ChkChkChk, an Late of the pier, natürlich LCD Soundsystem oder etwas rockigere Hot Chip, ist aber so liebevoll und energetisch umgesetzt, dass sich hier alle Vergleiche schnell in der Partylaune vergessen. Einer Band, die sich angeblich bei Section 25 ihren Namen geklaut hat, kann man sowieso nichts haben. Die Tracks sind, hört man mit Kopfhörern tiefer hinein, so nervös überproduziert als kämen sie von TV on the Radio, aus lauten Boxen bleibt ein so treibender Groove, dass sie trotzdem treibend und tanzbar sind. Songs wie In the Hospital zeigen eine klare Prince-Affinität und lehren Franz Ferdinand zugleich, wie ein NeoDisco-Groove richtig entspannt geht. Nahezu jeder Track des Albums ist auf Tanzbarkeit TÜV-geprüft und zeigt zugleich eine musikalische Bandbreite, da blitzt mal ein stumpfer Larry-Mullen-Bass auf, mal ein bretternder Gary-Glitter-Shuffle, aber stets eingebettet in einen komplexen und doch fast steril sauber produzierten eigenen Sound, über den Ed MacFarlane mal in in britischer kühler splendid isolation seine Texte legt, mal fast im hysterischen Falsetto zur Sache geht (On Board). Friendly Fires schnüren einen knochentrockenen Smasher an den anderen und dürften live für reichlich Freude sorgen, der gesamte Erstling ist auf gut Laune getrimmt, gerade so, als wollte die Band allein mit ihrem Album einen ganzen Abend Indiedisco bestreiten. Jeder Track ist tanzbar, jeder Track zitiert clever Einflüsse von Techno bis Soul bis Electro, ist abwechslungsreich und trotzdem mit fast monomanischer Energie auf die Beine gezielt – so sehr, dass es faktisch keinen Anspieltipp geben kann, jeder Song hat Singlequalität. Das gibt dem Album absurderweise fast eine ermüdende Qualität, eine Art Best-Of-Malaise – jeder der 11 Songs hat perfekte Hooklines, ist gnadenlos auf Hochglanz poliert, funky, stylish, fast zu makellos. So viel Perfektion geht oft auf Kosten echter Emotion und wer Tiefgang und Introspektion sucht, ist hier sicher grundverkehrt – Friendly Fires ist nicht die Morning-After-Platte, sondern Musik für 5 a.m., für zuviel Alkohol und verklebte Shirts. Und in dieser Rubrik gehört die Platte zu den smartesten Produktionen der letzten Monate.
31. März 2009 07:51 Uhr. Kategorie Musik. Tag Alternative, Pop. Keine Antwort.